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Sommerferien
25.07.2018

Schulschwänzer: Starten manche Kinder wieder früher in die Ferien?

Einige Eltern nehmen ihre Kinder vorzeitig aus der Schule, um früher in den Urlaub zu fahren. Entgegen der Annahme sind das vor allem Familien mit viel Geld.
Foto: Matthias Balk, dpa (Symbolbild)

Polizisten kontrollieren an bayerischen Flughäfen, ob schulpflichtige Kinder mithilfe einer Krankmeldung verfrüht in die Ferien abhauen. So ist die Lage in der Region.

In Bayern endet am Freitag das Schuljahr und die Sommerferien gehen los. Das nimmt allerdings nicht jeder so genau. Weil die Flüge vor dem Ferienstart günstiger sind und die Straßen nicht so voll, lassen manche Eltern ihre Kinder die Schule schwänzen, gerne mithilfe einer Krankmeldung. Auch in der Region?

Zumindest gibt es an den Schulen keine leer gefegten Klassen. Viele Eltern scheinen zu wissen, dass die Polizei an Flughäfen wieder Ausschau nach potenziellen Schulschwänzern hält. Wer dann keine Ausnahmegenehmigung vorlegen kann, dem droht eine Strafe.

Nicht mehr Krankheitsfälle als üblich

„Das schreckt ab“, sagt Gabriele Reim, stellvertretende Schulleiterin der St.-Georg-Mittelschule in Augsburg. An ihrer Schule gibt es vor Ferienbeginn nicht mehr Krankheitsfälle als üblich. „Wir sind da aber auch sehr konsequent und das wissen die Eltern.“ Das heißt: Anträge auf Unterrichtsbefreiung würden in der Regel abgelehnt. Erst Recht, wenn es bloß um einen vergünstigten Trip in den Süden geht.

Mit dieser Haltung stoßen Schulleiter bei einigen Eltern auf Unverständnis. „Die Reaktionen reichen von bettelnd bis sauer“, sagt Konrektorin Ilona Hofstetter von der Grund- und Mittelschule Stadtbergen. Ändern würde das aber nichts. „Ich kann ja auch nicht eher in den Urlaub gehen.“

In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Eltern gegeben, die mit der Entscheidung der Schulleitung nicht einverstanden waren, sagt Augsburgs Schulamtsdirektorin Ingrid Rehm-Kronenbitter. „Sie sind dann zu uns gekommen, um zu versuchen, die Schulleitung zu übergehen.“

Nicht alle Eltern zeigen Verständnis

In Bayern besteht Schulpflicht. Das heißt, Erziehungsberechtigte müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder zum Unterricht erscheinen. Kultusminister Bernd Sibler betont: „Die Schulpflicht ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft und historisch das Fundament unserer Bildungsgerechtigkeit. Deswegen appelliere ich an alle Eltern, sich bei der Frage nach dem persönlichen Urlaubsbeginn ihrer Vorbildrolle bewusst zu sein.“

Sollte ein begründeter Ausnahmefall vorliegen, dürfen Schüler vom Unterricht befreit werden. Was eine Ausnahme ist oder nicht, entscheidet am Ende die Schulleitung.

Für Peter Lang, Leiter des Dossenberger-Gymnasiums in Günzburg, sind das zum Beispiel Sprachreisen oder Auslandspraktika. Ansonsten hätten Eltern wenig Chancen. In einem Elternbrief weist das Gymnasium zu Beginn des Schuljahres darauf hin, dass eine Ausnahmegenehmigung im Fall eines einfachen Familienurlaubs nicht erteilt wird. „Es sei denn, es geht um ein Familienfest in der Mongolei“, sagt die Schulleiterin des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums, Renate Schöffer. „Aber wir wollen keine Präzedenzfälle schaffen.“

Vor den Pfingstferien wurden 20 Familien mit Schulschwänzern ertappt

Ist das unfair? „Nein“, findet Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Denn entgegen der Vermutung seien es gerade reiche Eltern, die ein paar Tausender sparen wollten. Einige hundert Euro Bußgeld würden ihnen meist kaum weh tun. „Migrantenfamilien hingegen würden sich oft gar nicht trauen, das Gesetz zu brechen.“

Vor den Pfingstferien hatte die Polizei an bayerischen Flughäfen rund 20 Familien mit Schulschwänzern erwischt. Nach Angaben der Polizei in Nürnberg schauen die Beamten auch dieses Mal an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen nach schulpflichtigen Kindern. Sollten welche entdeckt werden und Genehmigungen fehlen, würden die Schule oder die zuständige Behörde informiert. Die entscheiden dann, ob ein Bußgeld verhängt wird.

Die Kinder wollen den letzten Schultag

An den meisten Schulen in der Region liegen nicht mehr Krankmeldungen vor als üblich. Das sei gut so, sagt Andrea Micklitz, Schulleiterin an der Augsburger St. Anna-Grundschule. Die Tage kurz vor Ferienbeginn seien wichtig für die Kinder. „Gemeinsam wird das Klassenzimmer ferientauglich gemacht, alle werden verabschiedet. Das ist wichtig und das brauchen die Schüler.“

So sieht das auch Lehrer-Sprecherin Simone Fleischmann. „Die Kinder wollen den letzten Schultag.“ Genau wie die letzten Tage, in denen meist Ausflüge unternommen werden – was viele Eltern zum Anlass nehmen, die letzte Schulwoche als sinnlos zu betrachten. Dabei werde vergessen, wie schön die Stunden für die Kinder sind, in denen Lernen und Disziplin einmal hinten anstehen.

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