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Haus der Kunst in München

14.10.2016

Sprengen oder aufhübschen: Wie geht es weiter mit dem Haus der Kunst?

Das Haus der Kunst in München gilt über die Grenzen Deutschlands hinaus als eine der wichtigsten Ausstellungsstätten für Moderne Kunst.
Bild: Foto: Sven Hoppe dpa

Soll das monumentale Nazi-Gebäude bei der anstehenden Generalsanierung durch den britischen Architekten David Chipperfield in den Urzustand von 1937 zurückversetzt werden?

Es gibt einen Videoclip, in dem das Münchner Haus der Kunst in die Luft gesprengt wird. Die Einzelteile des früheren Nazi-Kunsttempels am Englischen Garten fliegen in alle Richtungen davon. Sehr spektakulär das Ganze. Doch es ist nur eine gut gemachte Montage, erstmals ausgestrahlt 1990 in der BR-Kultursendung "Capriccio".

Der monumentale Kasten des Architekten Paul Ludwig Troost (1878-1934), in dem die Nazis ihre Auffassung von deutscher Kunst zelebrierten, steht also noch. Jetzt soll er vom britischen Stararchitekten David Chipperfield für voraussichtlich 60 Millionen Euro renoviert werden. Der will das Museum, heute ein Hotspot der internationalen, zeitgenössischen Moderne, in weiten Teilen in den Originalzustand des Jahres 1937 zurückversetzen. Das Vorhaben ist umstritten.

Anfang Oktober stellte Chipperfield in Anwesenheit von Okwui Enwezor, dem Chef des Hauses, und Bayerns Kulturminister Ludwig Spaenle (CSU) erstmals seine Pläne der Öffentlichkeit vor. Man wolle das Haus wieder sichtbar machen und zunächst den "grünen Vorhang" aus Bäumen und Büschen entfernen, der seit Kriegsende das unzerstörte Nazi-Gebäude gewissermaßen einhege, erklärte der Brite. Die große Treppe zur Prinzregentenstraße solle rekonstruiert werden. "Das Haus der Kunst stellt heute keine Bedrohung mehr da, es ist Zeit, es der Gemeinschaft zurückzugeben", sagte er. Enwezor pflichtete ihm bei. Man könne das Gebäude nicht für seine prekäre Vergangenheit verantwortlich machen.

Okwui Enwezor ist und bleibt Leiter im Münchner Haus der Kunst.
Bild: Andreas Gebert (dpa)

Schon in der anschließenden Diskussion wurde Kritik laut. Ein Teilnehmer meinte, Adolf Hitler, der zur Eröffnung des "Hauses der deutschen Kunst" eine vor Hass auf alles Moderne triefende Rede gehalten hatte, würde sich wohl mächtig freuen, wenn man den braunen Kunsttempel in seinen Originalzustand versetzte. 

Darf man also ein Nazi-Gebäude derart rekonstruieren? Oder soll man es weiter hinter gnädigem Grün verstecken? Oder sogar radikal umgestalten? Etwa in Form dekonstruktivistischer Anbauten, wie es der US-Architekt Daniel Libeskind beim Dresdner Militärmuseum vorgemacht hat, indem er dem historischen Bau einen spektakulären, gläsernen Keil implantierte. 

Chipperfields Berliner Mitarbeiter Martin Reichert hält wenig von architektonischen "Interventionen". Zu laut, zu zeitgebunden, meint er. "Das folgt dem Muster: Der eine brüllt Dich an und der andere brüllt zurück." Stattdessen wolle man bei der allein schon aus technischen wie aus Brandschutzgründen dringend notwendigen Generalsanierung versuchen, die Überwältigungsarchitektur der Außenansicht mit ihren monumentalen Säulen im Stile eines aufgedonnerten Neoklassizismus durch "leichte Verschiebungen" im Inneren zu konterkarieren.

Haus der Kunst in München: Sichtbarkeit und Transparenz

Sichtbarkeit und Transparenz sind die Leitlinien der Chipperfield-Architekten. Dafür sollen wieder alle acht Türen zum Englischen Garten geöffnet werden; die Mittelhalle soll ein durchsichtiges Glasdach bekommen, die obere Galerie wieder geöffnet werden. Im Westteil ist ein multifunktionaler Veranstaltungsraum geplant, im Nordteil zu Park und Terrasse ein zweites Restaurant mit Lounge-Charakter. 

Minister Spaenle, Herr des  Verfahrens, macht kein Hehl daraus, dass Chipperfield und Enwezor seine volle Rückendeckung haben. Im Gespräch mit dpa nennt er die Ideenskizze des Briten "mehr als diskussionswürdig", insbesondere das Ansinnen, den "grünen Vorhang des Vergessens zu lüften". Es sei "spät, aber nicht zu spät" darüber zu diskutieren, wie man mit diesem "aufgrund seiner Geschichte ideologisch aufgeladenen Museum" umgehe, wo sein künftiger Platz in der Stadtgesellschaft sei. "Mit dem NS-Dokuzentrum am Münchner Königsplatz ist das ja schon beispielhaft gelungen."

Die Skulptur "Zero Ende" von Georg Baselitz im Haus der Kunst in München.
Bild: Andreas Gebert (dpa)

Sogar Stephan Braunfels ist begeistert von den Plänen seiner britischen Kollegen. Nichts spreche beim Haus der Kunst gegen eine Rekonstruktion des Ur-Zustandes, schließlich sei es durch seine jahrzehntelange Nutzung als Ausstellungsort der zeitgenössischen Kunst längst entnazifiziert, sagt der streitbare Münchner Stararchitekt, der in der bayerischen Landeshauptstadt die Pinakothek der Moderne baute. Auf ihn geht das Diktum zurück, sich dem Nazi-Monument mit Dynamit zu entledigen. 

"Mir ist keineswegs daran gelegen, Nazi-Architektur zu ehren", betont Braunfels, "aber Troost war kein klassischer Naziarchitekt wie etwa Albert Speer. Und das Haus der Kunst ist mit seinem großartigen Raumprogramm ein sehr respektables Gebäude." Im übrigen sei sein Vorschlag, das Museum im Herzen Münchens in die Luft zu jagen, seinerzeit nur ironisch gemeint gewesen. "Ich hätte nicht gedacht, dass das dann solchen Widerhall findet."  AZ/dpa

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