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Geschichte

09.03.2018

Stadt ist 4000 Jahre älter als gedacht

Anja Seidel vom Archäologiezentrum in Günzburg hält eine aus der Jungsteinzeit stammende Keramikscherbe in der Hand. Die Funde in Leipheim belegen, dass sich bereits vor 7000 Jahren Menschen dort angesiedelt haben.
Bild: Bernhard Weizenegger

Archäologen machen auf einer Baustelle in Leipheim Funde aus der Jungsteinzeit

Die Geschichte von Leipheim im Landkreis Günzburg muss neu geschrieben werden. Die Stadt an der Donau ist nämlich deutlich älter als bisher angenommen. Funde, die Archäologen auf einer Baustelle in der Innenstadt gemacht haben, belegen, dass es bereits 5000 vor Christus eine erste Siedlung in Leipheim gab. Bislang ist man davon ausgegangen, dass das Stadtgebiet etwa 1200 bis 1500 vor Christus erstmals besiedelt worden ist.

Selbst für Anja Seidel vom Archäologiezentrum Günzburg, die die Ausgrabungen leitet, kam die Entdeckung überraschend. „Wir hatten ein paar Abfallgruben von Handwerkern aus dem Spätmittelalter erwartet“, sagt die Archäologin. Gefunden hat das Ausgrabungsteam wesentlich mehr: Verfärbungen im Boden und Keramikscheiben aus der Jungsteinzeit. Damit ist belegt, dass sich bereits vor 7000 Jahren die ersten Menschen in Leipheim niedergelassen haben. Quasi über Nacht ist die Stadt damit um fast vier Jahrtausende gealtert.

Routinemäßig hat das Archäologenteam die Bauarbeiten in unmittelbarer Nähe zur Stadtmauer, die erstmals im 14. Jahrhundert errichtet worden ist, begleitet. Hunderte Funde und Befunde aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und dem Mittelalter haben die Archäologen bislang gemacht. Es handelt sich um Veränderungen in der Bodenschicht, Keramikscherben, Ziegelstücke oder Holzkohlereste. Noch sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Wie lange die Ausgrabungen noch dauern werden, kann Anja Seidel nicht einschätzen. Die Befunde in den Bodenschichten müssen nun dokumentiert, fotografiert und skizziert werden. Die Funde werden gewaschen, danach gehen die Untersuchungen im Denkmalamt in Thierhaupten weiter. Bis dahin können die Bauarbeiten für eine Wohnanlage erst einmal nicht beginnen. Wann sie aufgenommen werden können, steht noch nicht fest. Die Kosten für die Ausgrabungen trägt der Bauherr selbst, er ist aber auch Eigentümer der Funde, erklärt Anja Seidel vom Archäologiezentrum Günzburg. Für die Stadtgeschichte sei die historische Entdeckung „eine Sensation“ – und für den Leipheimer Bürgermeister Christian Konrad kamen die Entdeckungen völlig überraschend. „Damit hat hier niemand gerechnet und damit konnte auch niemand rechnen.“ Die Funde lieferten, so Konrad, völlig neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Stadt. Vor allem für die Siedlungsgeschichte seien die neu gewonnenen Informationen wertvoll und sehr interessant.

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