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Helmpflicht

28.04.2014

Streit um Fahrradhelme

Während die einen auf den Schutz von Fahrradhelmen schwören, befürchten andere, eine Helmpflicht könnte das Radfahren für viele unattraktiv machen.
Bild: Daniel Bockwoldt/dpa

Während die einen auf den Schutz von Fahrradhelmen schwören, befürchten andere, eine Helmpflicht könnte das Radfahren für viele unattraktiv machen.

Den kugelförmigen blauen, der "irgendwie ganz cool" aussieht, oder den grauen Klassiker mit seiner windschnittigen Form - Katja Huber steht noch etwas unentschlossen vor der großen Auswahl an Fahrradhelmen in einem Münchner Sportgeschäft. Es ist das erste Mal, dass sie sich einen Helm kauft. "Ich habe mir das schon seit Jahren vorgenommen, es aber nie umgesetzt", erklärt sie. Katja Huber ist nicht die Einzige, die sich in letzter Zeit für einen Radhelm entschieden hat. Immer mehr Menschen fahren inzwischen mit dem Kopfschutz - doch er bleibt ein Streitthema.

2012 trugen deutschlandweit immerhin 13 Prozent aller Radfahrer einen Helm, hat die Bundesanstalt für Straßenwesen herausgefunden. Damit stieg ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. Doch auch wenn die Akzeptanz des Helms - gerade in Großstädten - gestiegen ist, sind Helmträger in Deutschland nach wie vor die Ausnahme.

Wer aber möchte schon bei voller Fahrt auf den harten Asphalt aufschlagen? Und warum setzen deshalb nicht mehr Menschen auf den Kopfschutz? Etwa 12 400 Radfahrer wurden in Bayern 2013 im Straßenverkehr verletzt. Immer weniger Radunfälle enden tödlich. 2013 starben 62 Radfahrer bei Unfällen, 16 Prozent weniger als im Jahr davor. Ob das auch daran liegt, dass mehr Menschen einen Helm tragen, ist unklar. Denn ob die Unfallopfer mit Helm unterwegs waren, wird nicht erfasst.

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Einen Beweis dafür zu erbringen, wie sehr der Fahrradhelm schützt, findet auch Bertil Bouillon schwer. Der Chirurg ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und hat immer wieder mit verunglückten Radfahrern zu tun. "Auch wenn Kopfverletzungen nicht die häufigsten Schäden bei Radunfällen sind, so sind sie doch oft besonders schlimm", meint er. Die Gesellschaft empfiehlt deshalb allen Radfahrern einen Helm.

Warum also nicht gleich die Helmpflicht für alle einführen? Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist skeptisch: "Wir brauchen keine neuen Vorschriften, die gerade das spontane Radeln unattraktiv machen. Ich setze aber auf die Einsicht und die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Radlers - zu eigenen Sicherheit und auch als Vorbild für Kinder", sagte er bei einer Pressekonferenz in Nürnberg.

Auch Chirurg Bouillon will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und dem Zwang zum Helm für mehr Sicherheit sorgen. Sein Schlüssel zu mehr  Einsicht liegt ähnlich wie bei Herrmann bei den Kindern. "Kinder tragen den Helm wie selbstverständlich. Sie sind für uns ein positives Zeichen", sagt er. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Helm für alle Radfahrer zur Normalität wird. "Schauen Sie sich die Skifahrer oder auch die Mountainbikeszene an - da ist der Helm heute sogar schick."

Bei Katja Huber sind es tatsächlich ihre zwei Kinder, die sie zum Helm gebracht haben. Irgendwann konnte sie ihnen nicht mehr erklären, warum die beiden mit Helm fahren müssen und ihre Mutter nicht: "Jetzt gehe ich mit gutem Beispiel voran und die Diskussionen sind erledigt", hofft sie. "Und sicherer ist es sowieso." dpa

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