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Tag der Freundschaft
30.07.2020

Corona-Briefaktion: Das schreiben unsere Leser ihren Freunden

Angela Gerstmeir (links) schreibt an Freundin Sina.
Foto: Gerstmeir

Beste Freunde helfen durch die Corona-Zeit und bei Krankheiten, sie machen viele Tage unvergesslich. Wir haben Leser aufgerufen, ihren Liebsten zu schreiben.

Freunde fürs Leben – wer sie hat, kann sich glücklich schätzen. Jedes Jahr am 30. Juli erinnert der Internationale Tag der Freundschaft daran, wie sehr es sich lohnt, Beziehungen zu pflegen – etwa mit einem Brief in der Zeitung. Wir haben Leser aufgerufen, ihre besten Freunde mit einer Nachricht zu überraschen. Hier eine Auswahl:

Simone Neri aus Wildpoldsried schreibt ihren Freundinnen:

Meine lieben Mädels,

seit ich vor genau vier Jahren meine Herzheimat Oberbayern gen meiner Wurzelheimat Allgäu verlassen habe, hatten wir nicht oft Gelegenheit, uns persönlich zu sehen. Anders als früher, als wir uns jeden ersten Donnerstagabend zum Ratschen, Häkeln, Essen oder Basteln getroffen haben. Wir hatten immer was zu besprechen, analysieren, schimpfen, loben, lästern. Auch über Regierungsbezirke und Dialekthürden hinweg bleiben wir in unserer Chatgruppe und für immer im Herzen verbunden. Als ich euch dann vor zwei Wochen an unserem privaten Sommerfest nicht umarmen und herzen, lediglich mit Abstand die Hand zum Gruß heben konnte, hatte ich fast körperliche Schmerzen. Es entsteht kein vertrauliches Gespräch über 1,5 Meter Abstand! Ich hoffe, euch zu unserer Weihnachtsfeier wieder alle drücken zu können.

Marlies Streitwieser aus Donauwörth schreibt ihren Freunden Anni und Hermann:

Liebe Anni, lieber Hermann,

fast 40 Jahre sind wir gemeinsam durchs Leben gegangen. Corona hat mir deutlich gemacht, wie ich Sie und die ganze MS-Gruppe vermisse, was alles ungesagt geblieben ist. Ich danke euch aus ganzem Herzen für die unerschütterliche Treue. Sie, Anni, sind mir mit Ihrer fröhlichen, stets das Leben bejahenden Art ein Vorbild. Sie hatten in den schwierigen Zeiten meines Lebens stets das rechte Wort. Trotz Ihrer schweren Erkrankung haben Sie nie gejammert und damit sind alle meine eigenen körperlichen Wehwehchen klein geworden. Wir haben so viel gemeinsam erlebt, Gruppentreffen mit Bastelarbeiten, Ausflüge. Heute möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Die wunderbare Rose, die Sie mir zum Einzug geschenkt haben, erinnert mich immer an Ihre Zuneigung und das wird sie sicher auch noch viele Jahre tun. Ich vermisse Sie beide.

Angela Gerstmeir aus Wertingen schreibt ihrer Freundin Sina:

Liebe Sina,

Corona war eine harte Zeit. Was haben wir nicht alles verpasst. Normalerweise sind wir ständig unterwegs, ob zusammen im Urlaub, auf Weinabenden, zum Picknick am See ... Auf einmal war das alles weg, obwohl wir nur fünf Minuten auseinander wohnen. Meine Kids vermissten euren Humor und ich hab’ so viel verpasst von meinem Patenkind. Als wir uns wiedersehen durften, war ich geplagt von Homeschooling, Terminen und Arbeit. Aber wir haben immer zusammengehalten. Auf eine bessere Zeit und den nächsten Urlaub zusammen!

Gerd Wenninger aus Oberstaufen schreibt einem alten Freund:

Mein lieber Freund,

manchmal sehne ich mich nach dir! Wir haben uns vor vielen Jahrzehnten aus den Augen verloren. Ein Jeder von uns ist seiner Wege gegangen. Wir hatten eine gute Zeit zusammen: die gemeinsamen kleinen Abenteuer, das gemeinsame Versagen in der Schule. Jedoch, bereits in der Pubertät haben wir uns divers orientiert. Gerne wäre ich mit dir weitere Schritte gegangen, hätte interessiert deinen Werdegang beobachtet und wäre da gewesen, wenn du mich gebraucht hättest. Seit dieser – schönen, unschuldigen – Zeit habe ich nie wieder einen Freund für mich gewonnen. Es mag daran liegen, dass ich viel in der Welt unterwegs gewesen bin. Mehr aber daran, dass wir in dieser schnelllebigen Zeit ungeduldiger und intoleranter geworden sind. Freundschaft bedeutet für mich, zu jeder Tages- und Nachtzeit füreinander da zu sein. Es hätte mit uns Freud und Leid gegeben, wir hätten uns gefetzt und versöhnt. Lieber Freund, jede erzwungene Freundschaft wäre schlechter als kurze und intensive Begegnungen. Meines Erachtens ist spontane, altruistische Hilfe für einen „Ertrinkenden“ bereits ein großes Zeichen von Freundschaft. Vielleicht hat es das Schicksal bestimmt, dass wir nur wenige Jahre zusammen sein durften. In meiner Erinnerung bleibst du das, was du warst: „Ein guter Freund!“

Nicole Metzger aus Neu-Ulm schreibt ihren Freundinnen Agi und Jen:

Nicole Metzger aus Neu-Ulm grüßt Agi und Jen.
Foto: Metzger

Liebe Grazien,

wenn „beste Freunde“ Namen tragen dürfen, dann sind es eure. 28 Jahre ist es her, dass wir drei zusammen in eine Klasse gewürfelt wurden. Vor 25 Jahren wurden wir ein Dreiergespann ... Jen, du und ich feierten im Juni „20 Jahre beste Freunde“. Wir haben zusammen die Schulbank gedrückt, Partys gefeiert, Konzerte und Fußballspiele sind immer wieder neue Highlights, ihr habt mich im Ausland besucht, Urlaub zu dritt ist jedes Jahr Pflichtprogramm, Spieleabende enden auch mal in einem Haufen Scherben. Wenn „unser“ Lied im Radio läuft, wird laut aufgedreht und mitgetanzt. Fähnchen, Eis und Ouzo werden uns immer an einzigartige Momente zu dritt erinnern. Egal ob wir „nur“ in anderen Städten leben oder 3910 Kilometer uns trennten, unsere Freundschaft hielt an. Durch Corona fiel zwar unser alljährliches Frühjahrs-Shopping aus, dennoch waren wir uns näher denn je. Danke für jeden Donnerstagabend am Video-Call. Agi und Jen, ihr zwei seid die besten „besten Freunde“, die ich mir wünschen kann. Denn nicht täglicher Kontakt, sondern die Gewissheit, dass man sich immer aufeinander verlassen kann, macht eine echte Freundschaft aus – 24/7 – ein Leben lang.

Jutta Schmid aus Memmingen schreibt ihrer Freundin Andrea:

Liebe Chiquita,

alles Banane - von wegen! Wenn man Dich als Freundin hat, kann man immer darauf vertrauen, dass man aufgefangen wird, wenn das Leben einem die Bananenschale vor die Füße wirft, oder der krumme Weg einen ins straucheln bringt. Du biegst für mich so manches wieder hin! Als sensibler Lieblingsmensch merkst Du sofort, wenn ich Sorgen habe - und das auf einer mentalen Ebene. Da kann uns auch kein Corvid-19 stoppen! Danke für fast 35 Jahre Freundschaft.
Wir wissen beide, wie man das Leben lebt, weil doch nach jedem Regenschauer auch wieder die Sonne scheint. Und der Regenbogen kündigt es in seinen prachtvollen Farben an. Du bist ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Danke, dass es Dich für mich gibt!

Uschi Sinsel aus Oberreute schreibt an ihre Freundin Uschi:

Liebe Uschi,

wir teilen nicht nur unseren Vornamen, nein wir sind seit fast vierzig Jahren in herzlicher Freundschaft verbunden. Eine wunderbare Freundschaft, die sich mit jedem Jahr vertiefte. Zusammen mit unseren Familien haben wir wunderschöne Zeiten erlebt. Aber auch sehr schmerzliche Erfahrungen und Verluste mussten wir beide verkraften. Das hat uns noch enger zusammengeschweißt. Immer ist die eine für die andere da, egal ob in guten oder in schlechten Tagen, ganz so wie bei einem „alten Ehepaar“. Nicht umsonst fühlen wir uns als zwei Hälften. Geht`s der einen Hälfte nicht so gut, hat auch die andere Hälfte keinen guten Tag. Und dies obwohl uns inzwischen 400 Kilometer trennen und wir uns nicht so oft sehen können. Umso mehr genießen wir unsere Treffen, bei denen wir sehr viel Spaß haben, auch tiefgründige Gespräche führen oder einfach zusammen schweigen können. Dass dieses Jahr unsere geplante Reise wegen Corona ausfallen muss, macht mich sehr traurig. Aber dann tröste ich mich mit den Erinnerungen an unsere „66-Jahr-Feier“ im letzten Jahr.

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