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Tag der Organspende
07.06.2014

25 Jahren mit fremder Niere: So meistern drei Allgäuer ihr Leben

Seit 25 Jahren leben diese drei mit einer fremden Niere: von rechts Doris Wörz (Weidach), Franz Sieber (Günzach) und Theresa Keller (Rückholz).
Foto: Martina Diemand

Nur wenige können nach einer Transplantation ihren Alltag meistern. Drei Allgäuer leben seit 25 Jahren mit einer fremden Niere und führen ein fast problemlos ein normales Leben.

„Die gebe ich jetzt nicht mehr her.“ Was Theresa Keller damit meint, ist ihre Niere. Wenn die 49-jährige heute darüber spricht, kann sie dies ungezwungen tun. Denn Theresa Keller (Rückholz) gehört mit Doris Wörz (Weidach) und Franz Sieber (Günzach) zu den wenigen Allgäuern, die seit 25 Jahren mit einer fremden Niere leben. Sie zählen zum Kreis jener, die ein überlebenswichtiges Organ transplantiert bekamen – und damit so lange schon fast problemlos ein normales Leben führen. Das hat die drei, die in der Interessengemeinschaft für Dialysepatienten und Nierentransplantierte aktiv sind, auch freundschaftlich zusammenwachsen lassen. Zum Tag der Organspende 2014 sprechen sie über ihre Erfahrungen mit dem Spenderorgan.

Nierentransplantation: Drei Allgäuer leben seit 25 Jahren mit fremder Niere

Oft übel war Doris Wörz (62) vor Jahren, bis der Arzt ihr absolutes Nierenversagen diagnostizierte. Schon von Kindheit an chronische Nierenbeckenentzündungen hatte Theresa Keller. Und bei Franz Sieber waren es Schlappheit, Übelkeit und Kopfschmerzen, die darauf hindeuteten, dass etwas mit den Nieren nicht stimmt.

Alle drei mussten zur Dialyse, einem Blutreinigungsverfahren, bei dem den Patienten drei bis vier Mal die Woche jeweils vier bis fünf Stunden lang Flüssigkeit entzogen wird. Dort haben sich die drei aus dem Ost- und Oberallgäu kennengelernt. Zusammen lagen sie auf den Liegen, spielten Karten und hofften wie viele andere darauf, irgendwann eine neue Niere zu bekommen.

Tag der Organspende: Berufstätig trotz Dialyse

Denn die Dialyse, sagt Franz Sieber (56), sei eine harte Therapie: „Du fühlst Dich wie ein ausgewrungener Schwamm, hast ständig Durst, weil du nur wenig trinken darfst, bist müde und schlapp“. Franz Sieber musste krankheitsbedingt seinen Beruf als Elektriker aufgeben. Im zweiten Dialysejahr heiratete er, bekam Nachwuchs und kümmert sich heute um seine Familie.

Doris Wörz dagegen blieb voll berufstätig. Tagsüber arbeitete sie bei Berchtold, abends ging sie bis 23 Uhr zur Dialyse, war als alleinerziehende Mutter stark gefordert: „Eine harte Zeit“. Auch für Theresa Keller war die Blutreinigung nicht einfach, auch wenn sie nur vier Stunden am Tag als Verkäuferin arbeitete. Doch sie hat auch etwas Schönes in dieser Zeit erlebt: Während der Dialyse lernte sie ihren Partner kennen und brachte nach der Transplantation einen Sohn zur Welt. „Eine Seltenheit“, sagt sie und kann die Tränen nicht unterdrücken, als sie über die Geburt spricht.

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Dann überwiegt die Freude. Darüber, zu jenen zu gehören, die ein fremdes Organ bekommen haben. Zwei bis vier Jahre haben die drei gewartet, mussten stets erreichbar sein. Doris Wörz war bei der Arbeit, als man sie sofort in die Klinik beorderte, weil eine Niere da sei. Als Theresa Keller die Nachricht bekam, war ihr Mann nervöser als sie. Franz Sieber erreichte die Nachricht auf einer Hochzeit.

Freude und Unsicherheit waren die ersten Reaktionen, sagen die drei Freunde, begleitet von der Skepsis „hoffentlich klappt es, hoffentlich nimmt der Körper das fremde Organ an.“ Bei den beiden Frauen funktionierte die Niere sofort (was über den Urinausfluss gemessen werde). Franz Sieber musste länger warten. „Bei mir tat sich nichts,“ weiß er noch. Bis zu jenem Tag, als er im Biergarten Lust auf ein Weißbier hatte. „Das brachte die Niere in Schwung“, lacht der Günzacher, um gleich wieder ernst zu werden. Weil er mit jenen fühlen kann, die auf eine überlebenswichtige Transplantation warten. Und weil er dankbar wisse, welche Besonderheit es sei, 25 Jahre mit einer fremden Niere leben zu können.

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