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Bad Grönenbach

10.10.2019

Tierskandal überschattet Bürgerversammlung im Unterallgäu

Auf diesem Hof sollen Tiere gequält worden sein.
Bild: Matthias Becker (Archiv)

Bernhard Kerler, Bürgermeister von Bad Grönenbach, bricht während der Versammlung auf der Bühne zusammen.

Die Bürgerversammlung im Unterallgäuer Bad Grönenbach ist thematisch vom Allgäuer Tierskandal überschattet worden. Im Hinblick auf einen möglicherweise entstandenen Imageschaden für den Kurort richteten sich die Vorwürfe auch gegen Bürgermeister Bernhard Kerler.

Dieser sagte, dass die Marktgemeinde nicht für die Überwachung oder Verstöße gegen den Tierschutz verantwortlich sei. Zuständig sei die Gemeinde für landwirtschaftliche Bauvorhaben. Hier habe man die Entwicklung im Marktgemeinderat immer kritisch verfolgt. Da landwirtschaftliche Bauvorhaben privilegiertes Baurecht genießen, habe man wenig Möglichkeit gehabt, einzugreifen. Einzelne Vorhaben habe man abgelehnt, sei aber vom Landratsamt überstimmt worden.

Ab wann war der Bürgermeister informiert?

Der ehemalige Gemeinderat Philipp Hörmann berichtete, dass er immer wieder gehört habe, dass man im Ort schon lange von Tierquälereien gewusst habe. Er richtete daher die gezielte Frage an Bürgermeister Kerler, ab wann dieser über die Vorgänge informiert gewesen sei. Der Rathauschef antwortete, dass ihn im Frühjahr ein Landwirt besucht habe, der seinen Stall an den in Kritik stehenden Großbauer verpachtet hat. Der Landwirt habe ihm Bilder von verletzten Tieren gezeigt. Das sei aber nicht vergleichbar gewesen mit den Bildern, die zuletzt in Medien auftauchten. Zudem habe er keinen Auftrag bekommen, tätig zu werden. Der Landwirt habe gesagt, dass die Fachbehörden schon informiert seien.

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Bürgermeister war schon vor der Versammlung angeschlagen

Hörmann hakte nach und berichtete, dass er selbst die Bilder zur Verfügung gestellt habe. Darauf sei ein Tier mit gebrochenem Knochen zu sehen gewesen oder auch, wie ein Tier aus dem Stall geschleift wird. Kerler erwiderte, dass ihm die Bilder in der Eile auf einem Laptop gezeigt worden seien. Er habe sie als nicht so schlimm eingestuft. Während Hörmann mit seinen Ausführungen fortfuhr, erlitt der Bürgermeister einen Schwächeanfall und stürzte zu Boden. Kerler hatte schon zu Beginn mitgeteilt, dass er gesundheitlich etwas angeschlagen sei. Die Bürgerversammlung wurde schließlich abgebrochen. (sar)

Lesen Sie dazu: Schlechte Stimmung bei den Bauern: "Nur noch Misstrauen"

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11.10.2019

So ist es richtig: Auf der Bürgerversammlung wurde dann versucht- zum Unwillen der meisten Teilnehmer der Versammlung- den Bürgermeister persönlich anzugreifen.

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11.10.2019

Es ist sicherlich schlimm was hier passiert ist. Es bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Landwirte umdenken.
Allerdings ist es auch sehr schlimm, dass es eine richtiggehende Hetzjagd der sogenannten Tierschützer gibt.
Neben der Familie wurden nicht verwandte Leute mit dem gleichen Namen bedroht, es kam zu Sachbeschädigungen und an der Schule musste das Enkelkind eigens vor aufgestachelten Mitschülern geschützt werden. Das geht gleich gar nicht!
Es spitzt sich immer mehr zu: Letztes Wochenende gab es ein anonymes Schreiben mit Bildern und Namen der Familie mit der Aufforderung nicht Milch sondern pflanzliche Alternativen zu kaufen. Wer steckt dahinter? Auf der Bürgerversammlung wurde dann - zum Unwillen der meisten Teilnehmer der Versammlung- den Bürgermeister persönlich anzugreifen. Die Art und Weise wie dies gemacht wurde war erschreckend. Es steckt reiner Fanatismus dahinter, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

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12.10.2019

"Es steckt reiner Fanatismus dahinter, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke."

Die Menschlichkeit ist der Gier schon längst zum Opfer geworden, sonst hätte es das Tierquäler-Drama nicht gegeben.

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