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Kreis Günzburg

26.01.2018

Trauerakt erinnert an die Opfer der Nazis

An der Gedenkfeier in Ursberg nahmen auch zwei Überlebende des Holocaust, Abba Noar (links) und Ernst Grube (Dritter von links), teil.
Bild: Bernhard Weizenegger

Beim bayerischen Trauerakt zum Holocaust-Gedenktag wurde im Kreis Günzburg an die Opfer der Nazis erinnert. Auch Holocaust-Überlebende kamen nach Ursberg.

Mit „leichter Tod“ wird der Begriff Euthanasie im Duden-Fremdwörterbuch umschrieben. Das deutet nicht einmal ansatzweise an, welch beispielloses Verbrechen hinter dem Wort Euthanasie steht. Rund 300.000 Menschen mit Behinderung wurden von den Nazis auf grausame Weise ermordet. Darunter waren auch 379 Menschen aus der Ursberger Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Beim zentralen bayerischen Trauerakt in Ursberg, dem Sitz des Dominikus-Ringeisen-Werks, wurde dieses Verbrechen wieder in Erinnerung gerufen.

Nach Ursberg gekommen waren auch Holocaust-Überlebende wie der aus Litauen stammende Abba Naor, der 1941 als 13-Jähriger von den Nazis verschleppt und ins KZ Dachau deportiert wurde. Heute hält er Vorträge in Schulen über seine schrecklichen Erlebnisse. Die Verbrechen der Nazis als Thema im Unterricht: Das war nicht immer so. Schweigen kennzeichnete die ersten Nachkriegsjahre. Doch das hat sich längst gründlich geändert. Dafür stehen Gedenktage wie jetzt in Ursberg.

Holocaust-Gedenktag: "Wider das Vergessen!"

„Nichts von dem, was passiert ist, können wir rückgängig machen“, sagte Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU). „Aber wir sind und bleiben allen Opfern des Nationalsozialismus verpflichtet.“ Stamm und der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Freller, ließen aus diesem Anlass Kränze am Denkmal für die Opfer der Euthanasie und die Gefallenen in Ursberg niederlegen. „Erinnern soll vor allem auch zum Nachdenken über unsere heutige Gesellschaft führen und darüber, wie wir unser Land jetzt und in Zukunft vor Populisten, Antisemiten sowie radikalen und menschenverachtenden Strömungen schützen können“, betonte Freller.

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Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erinnerte daran, wie Menschen mit Behinderung vom NS-Regime als „Ballastexistenzen“ verunglimpft wurden. „Deshalb muss für uns gelten: Wider das Vergessen!“

Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) sagte, die heutige Gesellschaft sei es den Opfern der Diktatur schuldig, die Demokratie zu bewahren, zu schützen und zu verteidigen. Er erinnerte an mutige Menschen, die sich den Nazis entgegengestellt hätten, wie etwa den katholischen Philosophen Joseph Bernhart.

Das Ursberger Dominikus-Ringeisen-Werk ist eine der bedeutendsten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Bayern. Das Werk hat im Freistaat mehr als 30 Heime. Rund 4200 Mitarbeiter betreuen circa 5000 Menschen. Allein am Stammsitz in Ursberg leben oder arbeiten rund 1000 Behinderte in den Häusern des Werkes. Der Holocaust-Gedenktag erinnert jedes Jahr an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.

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