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Rallye-Legende Walter Röhrl

26.10.2009

Und ewig lockt das Auto

Und ewig lockt das Auto

Autos im Grenzbereich zu bewegen ist Walter Röhrls Lebensaufgabe. Wir stöberten ihn bei Testfahrten des neuen Porsche Turbo im Lissabon auf. Von Josef Karg

Herr Röhrl, wissen Sie eigentlich, wie viele Stunden ihres Lebens Sie im Auto verbracht haben?

Röhrl (grinst): Nein, das habe ich nie ausgerechnet. Was ich lange Zeit akribisch aufgeschrieben habe, sind die gefahrenen Kilometer. Bei über acht Millionen hörte aber auch das auf. Wahrscheinlich habe ich drei Viertel meines Lebens im Auto verbracht.

Und, bereuen Sie es?

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Röhrl: Nein. Ich würde in meinem Leben nicht viel anders machen.

Wie sind Sie überhaupt Autorennfahrer geworden?

Röhrl: Das habe ich einem Freund zu verdanken.

Erzählen Sie.

Röhrl: Ich wollte ja eigentlich Skirennfahrer werden. Doch dann kam mein Freund Herbert Marecek. Er sagte, er hätte noch nie einen gesehen, der so ein gutes Gefühl fürs Autofahren hat. Ende der 60er Jahre drängelte er so lange, bis ich nachgegeben habe. 1968 stand ich zum ersten Mal bei einer Rallye am Start.

Was bedeutet Geschwindigkeit für Sie? Übt sie eine Faszination auf Sie aus?

Röhrl: Geschwindigkeit ist für mich nicht faszinierend. Die Leute denken das oft. Aber für mich ist nicht das Tempo entscheidend, mit dem ich etwas tue, sondern die Perfektion. Wenn ich etwas mache, dann möchte ich es perfekt machen. Das gilt zum Beispiel auch fürs Skifahren, und das gilt fürs Autofahren. Meine Frau sagt, ich sei ein Dipferlscheißer (O-Ton Oberpfalz. Das Wort beschreibt einen pingeligen Menschen, Anm. d. Redaktion).

Was heißt Perfektion beim Autofahren für Sie?

Röhrl: Wenn ich im Auto sitze, dann muss das Fahrzeug ein Teil von mir werden, es muss ein Körperteil von mir sein, bei dem allein ich bestimme, was es macht. Das ist es, was mich fasziniert. Und wenn ich dann auf den Tachometer schaue, bin ich eher schockiert von der Geschwindigkeit.

Sie arbeiten heute für Porsche?

Röhrl: Ja, schon seit 17 Jahren.

Als was?

Röhrl: Ich bin Repräsentant und unterstütze das Unternehmen bei der Fahrwerksentwicklung.

Haben Sie ein Lieblingsauto?

Röhrl: Ach Gott, ich bin in 40 Jahren Motorsport so viele gute gefahren. Der 77er Opel Ascona war ein Top-Auto. Er war so gutmütig wie ein Traktor. Wiederfinden wollte ich einen Porsche 911, mit dem ich 1981 die Rallye San Remo bestritt. Es ist das einzige meiner Rennfahrzeuge, das ich für mich selbst wollte.

Und was fahren Sie privat?

Röhrl: Neben meinem Dienst-Porsche besitze ich noch einen Audi A2.

Warum denn den Audi A2?

Röhrl: Der ist heute schon Automobil-Geschichte. Der A2 war das erste und vielleicht letzte Vollaluminium-Großserien-Fahrzeug der Welt. Er ist sparsam und leicht. Ein echter Pionier.

Und was halten Sie vom derzeitigen Hybrid- und Elektroauto-Boom?

Röhrl: Nichts.

Warum das?

Röhrl: Sehen Sie, das sind alles nur Autos für die Stadt.

Ja und?

Röhrl: In der Stadt fährt man nicht Auto, sondern Fahrrad.

Sie schätzen das Radl?

Röhrl: Ja. Oft fahre ich von meinem Heimatort im Bayerischen Wald nach Regensburg zu meiner Frau ins Büro. Das sind 73 Kilometer.

Glauben Sie, dass der Wert des Autos als Statussymbol nachlässt?

Röhrl: Ich vermute, das wird so sein. Allerdings nicht, weil die Begeisterung für das Auto nachlässt.

Sondern?

Röhrl: Weil es zu viele Staus gibt, man mit dem Auto nicht mehr richtig vorwärtskommt. Aber eine gewisse Begeisterung für das Auto wird bleiben.

Warum?

Röhrl: Weil das Auto für die Menschen Freiheit bedeutet. Ich kann in jeder Minute entscheiden, wo ich hinfahren will. Diese Individualität, die das Auto bietet, wird immer einen Reiz auf die Menschen ausüben.

Sind Sie für eine Pkw-Maut, damit die Autobahnen wieder leerer werden?

Röhrl: Nein, bin ich nicht. Das wäre kein gutes Zeichen, eine Rückkehr zum Wegezoll.

Was müsste dann getan werden?

Röhrl: Vor allem müsste viel mehr Güterverkehr wieder zurück auf die Bahn. Doch da ist in der Vergangenheit politisch viel falsch gelaufen. Heute gibt es in Unternehmen keine Lager mehr. Alle Güter sind auf der Straße. Das dürfte nicht sein. Das rückgängig zu machen, würde aber wahrscheinlich 50 Jahre dauern.

Apropos, die nächsten Jahre. Sie sind jetzt 63 Jahre. Haben Sie Angst vor dem Alter?

Röhrl: Ich bin eher Pessimist, obwohl man das eigentlich nicht sein soll. Noch fühle ich mich zwar gut, aber irgendwann kommt der Tag, an dem man aufstehen will und es geht nicht mehr. Davor habe ich schon Angst. (Josef Karg)

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