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Gewalttat

16.06.2017

Unterföhring: Schütze in Psychiatrie

Nachdem eine Polizistin am S-Bahnhof Unterföhring lebensgefährlich verletzt wurde, hat die Polizei das Gelände abgesperrt. Die Frau schwebt noch immer in Lebensgefahr.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Die angeschossene Polizistin schwebt noch immer in Lebensgefahr. Über den Täter gibt es neue Details: Er ist kein unbeschriebenes Blatt

Der Schütze vom S-Bahnhof Unterföhring ist in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. Gegen ihn war zunächst Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt worden. Aufgrund seines Zustandes sei nun zudem ein Unterbringungsbefehl erlassen worden, sagte ein Sprecher der Münchner Polizei.

Die Ermittlungen laufen weiter. Klar ist inzwischen, dass der Mann kein unbeschriebenes Blatt ist: Er soll in den USA bereits wegen verschiedener Delikte strafrechtlich in Erscheinung getreten sein. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks war der Mann der Polizei in den USA wegen Alkoholmissbrauchs, Diebstahls und Körperverletzung bekannt. Der 37-Jährige sei Sohn eines 1981 in die USA eingewanderten Paares, berichtete der BR am Donnerstag unter Berufung auf US-Medien. Der Vater stamme aus Bayern, die Mutter aus Südafrika.

Der 37-Jährige hatte am Dienstag am Bahnhof in Unterföhring einem Polizisten die Pistole entrissen und dessen Kollegin in den Kopf geschossen. Die 26-Jährige schwebt weiter in Lebensgefahr. Auch zwei Passanten wurden verletzt, sie erlitten Schussverletzungen am Arm und am Bein.

Der Mann, der in Oberbayern geboren wurde, lebte nach neuen Informationen bei seinem Vater in den USA und war auf Europareise. Er kam am Montag in München an, verbrachte die Nacht am Flughafen und fuhr dann mit der S-Bahn Richtung München. Zeugen hätten ausgesagt, er habe sich in der S-Bahn auffällig benommen, etwa Selbstgespräche geführt, berichtete Polizeipräsident Hubertus Andrä. Plötzlich habe er dann einem zugestiegenen Fahrgast mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Fahrgäste griffen ein. Die Kontrolle durch eine herbeigerufene Polizeistreife am Bahnsteig Unterföhring sei zunächst Routine gewesen, sagte Andrä. Videoaufnahmen zeigen, dass der Beamte etwas aufschrieb. Da ging der Mann plötzlich auf den schreibenden Polizisten los und versuchte, ihn ins Gleisbett zu stoßen – womöglich vor eine einfahrende S-Bahn. „Die Situation war nicht nur ein Handgemenge, sondern tatsächlich ein heftiger Kampf“, sagte der Polizeipräsident. Im Zuge des Tumults konnte der Mann dem Beamten die Dienstwaffe entreißen. Wie es dazu kommen konnte, ist noch offen. Die Beamtin feuerte, der Mann feuerte – auch hier ist der genaue Ablauf noch unklar. Die Polizei erstellte ein 3D-Modell des Tatorts, um den Hergang nachvollziehen zu können.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht trotz des Vorfalls keinen Handlungsbedarf bei der Sicherung der Pistolen. Der Randalierer hatte die Dienstwaffe aus dem Holster des Beamten gezogen. „Vom Grundsatz her sollte es eigentlich nicht passieren, dass dem Kollegen die Waffe entrissen werden kann“, sagte der bayerische GdP-Landesvorsitzende Peter Schall. „Da ist eigentlich ein Verriegelungsknopf.“ Die Beamten müssten die Bewegung trainieren, beim Ziehen der Waffe diesen Knopf zur Seite zu drücken. Von daher verwundere es, dass der Täter die Waffe habe an sich reißen können. „Aber für alle Eventualitäten ist man dann wohl doch nicht gewappnet“, sagte Schall. Er betonte: „Zu kompliziert darf man es auch nicht machen, denn wenn ein Kollege in einer Notwehrsituation die Waffe schnell ziehen muss, kann er nicht erst zwei, drei Sicherungen öffnen müssen.“

Die Münchner Polizei hat ihren für Samstag geplanten Tag der offenen Tür abgesagt. Es sollte ein fröhlicher Tag werden, sagte Andrä. Die Situation sei momentan aber eine andere. (dpa)

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