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Prozess in Augsburg

27.07.2018

Ursula Herrmanns Bruder attackiert die Justiz

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Michael Herrmann, der Bruder von Ursula Herrmann, zweifelt daran, dass der wirkliche Täter, der den Tod seiner Schwester Ursula zu verantworten hat, verurteilt wurde.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Michael Herrmann bezweifelt die Schuld des Entführers und wirft dem Landgericht Augsburg mangelnden Aufklärungswillen vor.

Der Bruder der 1981 am Ammersee entführten und in einer Kiste erstickten Ursula Herrmann erhebt schwere Vorwürfe gegen die bayerische Justiz. In einem offenen Brief schreibt Michael Herrmann: „Vieles spricht dafür, dass ein Unschuldiger seit zehn Jahren im Gefängnis sitzt. Die Menschen, die den Tod meiner Schwester zu verantworten haben, leben in Freiheit.“

Hintergrund der Vorwürfe ist ein seit mehreren Jahren laufender Zivilprozess. Herrmann hat den verurteilten Entführer seiner Schwester auf Schmerzensgeld verklagt. Möglicherweise wird kommenden Donnerstag das Urteil verkündet. Michael Herrmann ist mit dem Verlauf des Verfahrens aber sehr unzufrieden: Er wirft der 10. Zivilkammer des Landgerichts Augsburg mangelnden Aufklärungswillen vor.

Ursula Herrmanns Bruder hatte schon damals Zweifel

Der Fall Ursula gilt als einer der spektakulärsten Kriminalfälle. Am 15. September 1981 wurde das zehnjährige Mädchen in einem Waldstück zwischen Schondorf und Eching am Ammersee entführt und eine eigens gebaute Holzkiste gesperrt. Die Kiste wurde im Wald vergraben. Ursula erstickte. Jahrzehntelang blieben die Ermittlungen erfolglos. Doch 2008 wurde in Norddeutschland auf einmal Werner Mazurek verhaftet. Er hatte lange am Ammersee gelebt. 2010 wurde Mazurek in einem Indizienprozess am Landgericht Augsburg wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil. Doch Mazurek bestreitet bis heute, Ursulas Entführer zu sein.

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Die bekanntesten Kriminalfälle der Region
Bild: Barbara Wild

Ursulas Bruder hatte schon damals seine Zweifel an dem Urteil. Als Nebenkläger hatte er Akteneinsicht genommen. Die beiden tragenden Säulen des Urteils überzeugten ihn nicht: Ein Tonbandgerät vom Typ TK 248, das bei Mazurek gefunden worden war und mit dem die Erpresseranrufe hergestellt worden sein sollen. Und ein später widerrufenes Geständnis eines Alkoholikers, im Auftrag Mazureks ein Loch im Wald gegraben zu haben. Ein halbes Jahr nach dem Urteil begann ein chronischer Tinnitus, Michael Herrmann zu quälen. Nach reiflicher Überlegung entschloss er sich zu der Schmerzensgeldklage über 20.000 Euro. Er wollte, dass sich noch einmal ein Gericht mit den Fragen befasst, die ihn umtreiben. 2013 reichte er mit seinem Anwalt Joachim Feller die Klage ein. Er hoffte, durch ein neues Urteil bis 2015 mit dem Tod seiner Schwester endgültig abschließen zu können.

Herrmann: Die Wahrheit lässt sich nicht einsperren

Ursula Herrmann†

Doch es kam anders: Nun kritisiert Herrmann, dass er sich einer psychiatrischen Begutachtung unterziehen musste, weil das Gericht bezweifelt habe, dass der Tinnitus eine Folge des Strafverfahrens ist. Auch die neuerliche Befragung einer Gutachterin des Landeskriminalamts zum Tonbandgerät überzeugte Herrmann nicht. „Kann es sein, dass der Augsburger Justiz nicht an wirklicher Aufklärung des Falles Ursula Herrmann ... gelegen ist?“, fragt er. Am kommenden Donnerstag hat Michael Herrmann Geburtstag. Er erwarte vom Gericht kein Geburtstagsgeschenk. Aber wenn die Kammer den sprichwörtlichen „Deckel auf die Kiste“ machen wolle, so solle sie wissen, „dass sich die Wahrheit nicht einsperren lässt“.

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