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Verbrechen
07.07.2021

Cyberkriminalität in Bayern nimmt weiter zu, die Polizei hält dagegen

Das Mobile IT-Forensiklabor des Polizeipräsidiums Oberfranken ist aktuell ein Modellversuch. Damit soll Cyberkriminalität besser bekämpft werden.
Foto: Marlene Weyerer

Ermittler in Bayern müssen immer häufiger gegen Kriminalität im Internet vorgehen. Um sie zu bekämpfen hat die Polizei nun auch ein „mobiles IT-Labor“.

Eine schwäbische Firma erhält per E-Mail angebliche Bewerbungsunterlagen. Ein Mitarbeiter öffnet die Datei, dadurch installiert er, ohne es zu wissen, eine Schadsoftware auf dem Rechner. Im Hintergrund verschlüsselt diese Schadsoftware wichtige Daten. Plötzlich kann das Unternehmen nicht mehr darauf zugreifen. Einzige Lösung, um aus der Notlage zu kommen: Die Cyberkriminellen bezahlen. Solche und ähnliche Fälle erlebt das für Cyber-Kriminalität zuständige Kommissariat der Augsburger Kriminalpolizei immer häufiger.

Das Leben verlagert sich ins Digitale. So auch die Verbrechen. „Der Banküberfall von früher ist die Online-Erpressung mittels Schadsoftware von heute“, erklärte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer dem bayerischen Innenausschuss am Mittwoch. Die Kriminellen gehen mit der Zeit. So stand auch die Cyber-Kriminalität im vergangenen Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie. Straftaten mit Bezug zum Online-Shopping nahmen zu. Die Zahl der Anzeigen gegen sogenannte Fake-Shops versechsfachten sich fast. Das sind betrügerische Seiten, die Geld einstreichen, aber keine Ware verschicken.

Cyber-Kriminelle brauchen inzwischen kaum mehr Informatik-Kenntnisse

Die Aufklärungsquote bei Straftaten mit dem „Internet als Tatmittel“ lag in Bayern 2020 knapp unter 50 Prozent. In diese Kategorie fallen Online-Erpressungen von Firmen, aber auch Beleidigungen in Sozialen Medien. Bei „Cybercrime im engeren Sinn“, wozu Computersabotage oder das Ausspähen von Daten gehören, wurden nur 34,5 Prozent der Fälle gelöst.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Um eine Online-Erpressung durchzuführen oder einen Fake-Shop zu bauen, müssen die Kriminellen laut den Polizisten im Ausschuss inzwischen kaum mehr Informatik-Kenntnisse haben. Im Darknet können Verbrecher Schadsoftwares kaufen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der Polizei beschränkt. Polizeipräsident Schmidbauer wünscht sich von den Politikern die sogenannte Vorratsdatenspeicherung. Dadurch würden Daten von Internetnutzern über längere Zeit gespeichert. Datenschützer kritisieren eine solche Speicherung. Ein Sprecher des Chaos-Computer-Clubs sagte auf Anfrage der Redaktion: „Statt die Ermittlungsbehörden mit immer mehr Befugnissen zum Sammeln von immer mehr Daten auszustatten, die sie am Ende nicht vernünftig auswerten können, finden wir es sinnvoller, in gute Ausbildung und bessere Ausstattung zu investieren.“

Polizei: Bei Cyberkriminalität muss es sehr schnell gehen

Bei Fällen von Cyberkriminalität muss es gerade wegen der fehlenden Speicherung oft schnell gehen. „Da bei Online-Straftaten meisten nur flüchtige Daten erhoben werden können, wird versucht, möglichst zeitnah beweiserhebliche Daten zu sichern“, heißt es von der Augsburger Kriminalpolizei. Um das zu vereinfachen gibt es ein Modellprojekt in Oberfranken. Das „mobile IT-Forensiklabor“ ist ein Transporter mit drei Arbeitsplätzen, großen Speichermengen und Internetzugang. Damit können bei einem Cyberangriff vor Ort schnell Daten gesichert und ausgewertet werden.

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Die Kriminalpolizei Augsburg empfiehlt unterdessen jedem Nutzer vor dem Klick im Internet nachzudenken. „Das schwächste Glied ist insbesondere bei Betrugstaten immer der Mensch.“

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