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Erster Schultag

30.08.2020

Verrücktester Schulstart aller Zeiten: Ein Vater erzählt

Eine Schultüte gibt's trotzdem, aber das ist auch schon fast das Einzige, worauf man sich am ersten Schultag verlassen kann.
Bild: Alexander Kaya

Plus Für Erstklässler ist der erste Schultag besonders aufregend. Müssen sie Masken tragen? Dürfen sie ins Klassenzimmer? Wie man sich als Familie darauf vorbereitet.

Frisch aus dem Kindergarten, ist für ABC-Schützen der erste Schultag eigentlich schon aufregend genug: Freude über eine bunte Schultüte, Stolz auf den neuen Ranzen, endlich zu den Großen gehören. Aber auch: lauter neue Gesichter, plötzlich still sitzen müssen und bloß nicht verlaufen im großen Schulhaus. Für die 115.000 Erstklässler des Schuljahres 2020/2021 – und vielleicht sogar noch mehr für ihre Eltern – kommt heuer die Corona-Ungewissheit dazu. Zwar soll die Schule am 8. September mit Regelunterricht starten – doch die Infektionszahlen steigen. Wie bereitet man sich auf einen ersten Schultag vor, von dem man nicht einmal weiß, ob er überhaupt stattfindet?

 

Möglichst normal, sagt Frederik Mayet. Sein Sohn Vinzent, 6 Jahre alt, kommt an der Grundschule Oberammergau in die erste Klasse. „Vinzent freut sich voll drauf“, erzählt sein Vater. „Wir werden vorher den Schulranzen packen, eine Schultüte gibt’s natürlich auch. Vinzent steht gerade total auf die Serie Cars.“ Viel mehr können Eltern im Moment nicht tun. Mayet sagt: „Wir wissen, dass das kein normaler Tag wird.“ Und jeder wisse auch, dass die „Situation in zwei Wochen schon wieder ganz anders aussehen kann“. Im Moment geht der Vater aber davon aus, dass Vinzents Schullaufbahn im Klassenzimmer startet und nicht daheim am PC.

Verrücktester Schulstart aller Zeiten: Ein Vater erzählt

Gerade für Erstklässler ist ein geregelter Schultag wichtig

Grundschulforscherin Bärbel Kopp von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) weiß, wie wichtig geregelte Schultage für die Erstklässler sind: „Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule ist eine Phase mit großen Veränderungen“, sagt die Professorin für Grundschulpädagogik und -didaktik mit Schwerpunkt „Lehren und Lernen“. Verlässliche Beziehungen, etwa zur Lehrkraft, könnten Kindern bei der Übergangsbewältigung und der Entwicklung einer starken Persönlichkeit helfen. „Daher ist die Anwesenheit in der Schule für Schulanfänger besonders wichtig.“

Ihre Kollegin Sonja Dollinger, Juniorprofessorin mit Schwerpunkt „Inklusiver Umgang mit Heterogenität“, ergänzt: „Das Gefühl, als Schulkind willkommen und wichtig zu sein, kann im Präsenzunterricht stärker unterstützt werden – wenngleich es sicher auch auf digitalem Weg Möglichkeiten gibt.“

Frederik Mayets Sohn kommt dieses Jahr in die erste Klasse. Eine Sache findet der Oberammergauer besonders schade.
Bild: Ulrich Wagner

Ab 20 Fällen gilt Maskenpflicht im Unterricht – auch für die Kleinsten

Über den Schulalltag entscheiden ab Herbst vier spezielle Corona-Grenzwerte. Liegt die Zahl der Corona-Infektionen in einer Stadt oder einem Landkreis auf eine Woche gerechnet bei unter 20 pro 100.000 Einwohnern, läuft der Unterricht normal. Ab 20 Fällen gilt Maskenpflicht im Unterricht – auch für die Kleinsten. Bei 35 und mehr Infizierten lernen Kinder abwechselnd daheim und in der Schule, ab 50 Fällen soll es wieder ausschließlich Homeschooling geben.

Vater Frederik Mayet fürchtet vor allem eine Maßnahme: „Maskenpflicht im Unterricht wäre richtig blöd für die Kinder.“ Wie ist es mit dem Lernen daheim? „Lesen und Schreiben zu üben wäre bei uns kein Problem. Aber gerade für das soziale Lernen ist die Schule extrem wichtig“, findet er.

Schulstart 2020: Austausch mit Eltern und Kindern ist entscheidend

Die Grundschulforscherinnen der FAU sind zuversichtlich, selbst wenn vom ersten Tag an auch Unterricht daheim stattfinden sollte. Bärbel Kopp ist sich sicher: Ein Morgenkreis etwa, der dem Tag der Kinder eine Struktur und Lehrern einen Gesprächsanlass gibt, sei auch bei Homeschooling möglich. Tages- oder Wochenpläne für die Eigenarbeit daheim bedeuten Kopp zufolge für Lehrer eine besonders strukturierte Planung. Auch Sonja Dollinger sieht die Lehrer in der Pflicht: Sie müssten „in regelmäßigen Feedbackgesprächen den Schulanfängern ihre Fortschritte verdeutlichen“. Auch der Austausch mit den Eltern dürfe nicht zu kurz kommen. Im März und April, als der Unterricht daheim noch für alle neu war, hatte die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern nicht immer funktioniert.

 

Eines bedauert der Vater des ABC-Schützen

Der Oberammergauer Vater Frederik Mayet glaubt, dass Vinzents Schule gut vorbereitet ist. Die Familie sei regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht worden. „Ich habe das Gefühl, dass sie sich wirklich Gedanken machen und das Beste aus der Situation rausholen wollen.“ Mayet fürchtet nicht, dass sein Sohn vom ersten Schultag mit Corona-Einschränkungen enttäuscht sein könnte. „Vinzent wird nichts vermissen, er hat ja keine Vergleichsmöglichkeit. Schule ist für ihn so, wie er sie jetzt kennenlernt.“ Frederik Mayet selbst wird schon ein wenig traurig sein: „In der Früh gibt es einen Gottesdienst mit Maskenpflicht, danach werden die Kinder in die Klassen begleitet – und wir Eltern dürfen nicht mit.“

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