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Corona-Krise

27.03.2020

Video statt Wartezimmer: Wie Ärzte das Coronavirus bekämpfen

Über eine Webcam kann der Arzt mit den Patienten sprechen.
Bild: M. Skolimowska, dpa

Eine Infektion verläuft bei Kindern meist harmlos. Sie können aber Risikopatienten anstecken. Experten setzen auf Videosprechstunden.

Normalerweise ist das in der Sprechstunde ja so: Arzt und Patient sind nur durch einen Schreibtisch getrennt. Sie sitzen im selben Raum, sind nur etwa einen Meter voneinander entfernt. Normal ist in diesen Tagen, in denen das Coronavirus das ganze Leben verändert, aber vieles nicht mehr. Und so kommt es nun auch immer öfter vor, dass zwischen einem Mediziner und einem Kranken viele Kilometer liegen: Der Patient sitzt zu Hause im Wohnzimmer, der Arzt vor einer Internet-Kamera in seiner Praxis.

Einer, der solche Videosprechstunden anbietet, ist der Augsburger Kinderarzt Dr. Christian Voigt. Erst vor wenigen Tagen sprach er mithilfe der modernen Technik mit einem jungen Asthma-Patienten, konnte am Bildschirm beobachten, wie er atmete, wie seine Gesichtsfarbe aussah. "Er musste so das Haus nicht verlassen und konnte das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, deutlich senken", sagt Voigt, der auch Obmann der Kinderärzte in Augsburg und Nordschwaben ist.

Corona-Krise: Es gibt nicht genug Schutzausrüstung

Ansonsten gesunde Kinder gelten zwar nicht als besonders gefährdet, viele haben bei einer Infektion mit dem Coronavirus so gut wie keine Symptome. Sie können das Virus aber weitertragen – und Risikopatienten mit bestimmten Vorerkrankungen anstecken. Also etwa andere Kinder mit Lungenerkrankungen oder ältere Menschen. Und sie könnten auch die Ärzte anstecken – Voigt zufolge gebe es nicht genug Schutzausrüstung. "Und wenn ein Arzt sich infiziert, wird die ganze Praxis lahmgelegt."

 

Voigt bittet Eltern derzeit dringend, nicht mit verschnupften Kindern in die Praxis zu kommen – denn man wisse schließlich nicht, ob das Kind das Coronavirus in sich trage. "Wenn die Kinder kein hohes Fieber und keine Schmerzen haben, wenn sie spielen und essen und komplett durchgeimpft sind, brauchen die Eltern sich keine Sorgen machen." Sie sollten lieber anrufen oder eben in seine Videosprechstunde kommen, wo man die Symptome besprechen könne.

Die App erinnert auch an anstehende Untersuchungen

Möglich wird die virtuelle Sprechstunde über die "Praxis-App", die sich Patienten kostenlos auf ihr Smartphone laden können. Das Programm bietet noch mehr Vorteile, etwa Erinnerungen an anstehende Untersuchungen oder aktuelle Informationen zum Coronavirus. Auch persönliche Tagebücher können angelegt werden. Ein Asthmapatient etwa kann mit einem speziellen Blasröhrchen jeden Tag sein Lungenstoßvolumen messen und diese Daten dann dem Arzt zur Verfügung stellen. Was den Datenschutz angeht, sei die App, die in München entwickelt wurde, extrem sicher, sagt Voigt.

 

Der Mediziner würde sich wünschen, dass das Modell Schule macht und künftig noch mehr Ärzte und Patienten das Programm verwenden. Gerade jetzt, wo zwischenmenschliche Kontakte so weit wie möglich vermieden werden sollen. Immer funktioniere das natürlich nicht, sagt Voigt. "Eine normale Diagnostik kann nicht komplett ersetzt werden. Aber in diesen Zeiten ist ein solches Modell unheimlich wichtig." Diese Zeiten erfordern noch mehr Schutzmaßnahmen. In Voigts Praxis werden am Vormittag diejenigen behandelt, die nicht akut krank sind. Also etwa die Kinder, die eine dringende Impfung brauchen. Oder Säuglinge, deren neurologische Entwicklung überprüft werden muss. Am Nachmittag dann kommen die Kinder in die Praxis, die Symptome haben.

 

Appell an die Eltern: Nicht ohne Anmeldung zum Arzt gehen

Derlei Vorsichtsmaßnahmen gibt es mittlerweile überall. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, richten Deutschlands Kinderärzte deshalb einen Appell an alle Eltern und bitten sie, nicht ohne Anmeldung in eine Praxis zu kommen. "Bitte suchen Sie auf keinen Fall ohne telefonische Anmeldung Ihre Kinder- und Jugendarztpraxis auf", heißt es in einem Aufruf des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Denn manche Praxen würden Vorsorge-Untersuchungen und Infekt-Sprechstunden zeitlich oder räumlich trennen.

Beim Verdacht, dass man selbst oder das Kind mit dem Coronavirus infiziert sei oder Kontakt zu Infizierten gehabt habe, sollten Eltern nach den regionalen Bestimmungen fragen. In einigen Regionen würden Patienten für einen Labortest zu Hause aufgesucht, in anderen gebe es Schwerpunktpraxen oder gesonderte Sprechstunden in der gewohnten Praxis.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus informieren wir Sie in unserem Live-Blog.

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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