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Kriegsende

23.04.2015

Vor 70 Jahren zerstörten Bomber Hitlers Alpenfestung

Vor 70 Jahren zerstörten britische Bomber Hitlers Alpenfestung, den Obersalzberg.
Bild: dpa/Archiv

70 Jahre ist es her, dass britische Bomber den Obersalzberg dem Erdboden gleichmachten. Noch heute ist der Umgang mit dem schwierigen Erbe Obersalzberg nicht einfach.

Es ist der 25. April 1945, ein sonniger Frühlingstag, britische Bomberverbände greifen den Obersalzberg an. Die Flugabwehr von Hitlers Alpenfestung ist schon nach der ersten Welle fast ausgeschaltet. Dann beginnt der Hauptangriff. 45 Minuten später liegen die meisten Gebäude von Hitlers zweitem Regierungssitz in Schutt und Asche. Ein gigantisch ausgebautes Machtzentrum mit Dutzenden von Gebäuden hoch über Berchtesgaden ist dem Erdboden gleichgemacht. 300 Flugzeuge samt ihren 600-Kilo-Bomben haben ganze Arbeit geleistet.

Zeitzeugin: Die Bomben ließen die Erde am Obersalzberg beben

70 Jahre später sieht der Freistaat Bayern den Umgang mit dem schwierigen Erbe Obersalzberg als gelungen an. Zwei-Säulen-Konzept heißt das Zauberwort: Die Dokumentation Obersalzberg soll Lern- und Erinnerungsort sein, ein Luxushotel die touristische Nutzung der beliebten Ferienregion voranbringen. Während die Ausstellung eine Erfolgsgeschichte ist, bleibt die Auslastung der Fünf-Sterne-Herberge allerdings hinter den Erwartungen zurück.

"Es war wie ein letzter Donnerschlag nach einem heftigen Sturm", erinnert sich Irmgard A. Hunt in ihrem Buch "Als die Welt in Stücke ging - Eine Kindheit am Obersalzberg" an den Bombenhagel. "Zuerst versuchten sie, das Kehlsteinhaus zu treffen, doch dann leerten sie ihre Bombenschächte über dem Obersalzberg." Hunt verbrachte Kindheit und Jugend in Berchtesgaden, ehe sie 1958 in die USA auswanderte.

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"Wir verließen die Schule, und wenige Augenblicke später hörten wir bereits das Brummen der Bomber über uns."Und weiter: "Auf die Explosionen folgte ein gewaltiger, einem Sturm ähnlicher Luftzug, der mich von den Beinen geholt hätte, wenn ich mich nicht an der rauen Rinde der nächsten Fichte festgekrallt und gegen den Stamm gedrückt hätte." Die Erde habe gebebt, die Luft sei erfüllt gewesen vom Dröhnen der Flugzeugmotoren, dem pfeifenden Geräusch der fallenden Bomben und den Detonationen, beschreibt sie eindrucksvoll.

In dem Bunker-Bau hätte Hitler Jahre lang überleben können

Noch heute, 70 Jahre nach Kriegsende, empfinden viele Berchtesgadener die NS-Vergangenheit ihrer Heimat als Belastung. Das Hitler zum 50. Geburtstag von seiner Partei geschenkte Kehlsteinhaus - Relikt jener verhängnisvollen Nazi-Ära am Obersalzberg - zog schon bald nach 1945 Neugierige und Sympathisanten des NS-Regimes an. Fragwürdige Erinnerungen an den "Führer" wechseln dort immer noch die Besitzer.

Hitler hatte die Region schon vor seiner Regierungsübernahme kennengelernt. 1925 diktierte er seinem späteren Presse-Oberzensor Max Amann in einer Blockhütte am Obersalzberg Teile seiner Propagandaschrift "Mein Kampf". Im Sommer 1933 erwarb der neue Reichskanzler "Haus Wachenfeld" und ließ es pompös zum "Berghof" ausbauen. Nach und nach wurde der Obersalzberg eine regelrechte Festung und "Führer-Sperrgebiet".

Heute kommen Tausende Besucher in das Dokumentationszentrum Obersalzberg

1943 begann der Bau eines gigantischen Bunkersystems, wie im Katalog "Die tödliche Utopie" des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) beschrieben ist. Tausende Arbeiter schlugen Stollen von insgesamt über 6000 Metern Länge in den Berg, es entstanden unterirdische Wohnungen mit High-Tech-Anlagen. Hitler und seine Clique hätten dort Jahre überleben können. Der Bunker-Bau blieb freilich unvollendet.

Heute sehen Jahr für Jahr über 150.000 Besucher die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg. Die 2005 schon einmal erweiterte Dauerausstellung wird für 17 Millionen Euro erneut vergrößert. 2017 soll Eröffnung sein, dann steht mit 800 Quadratmetern die doppelte Fläche zur Verfügung. Der fast 600 Seiten dicke Katalog "Die tödliche Utopie" fand bisher über 80.000 Abnehmer. Neben dem Ausstellungsbesuch gehören Führungen, Audioguide-Angebote und die regelmäßigen "Obersalzberger Gespräche" mit Wissenschaftlern, Publizisten und Zeitzeugen zum Konzept der Dokumentation über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. dpa

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