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Kommunalwahl

21.01.2020

Warum Serdar Duran für die CSU und Wahlkampf auf Türkisch macht

Serdar Duran – 32, Sohn türkischer Eltern, in München geboren und aufgewachsen und Muslim – kandidiert für die CSU für den Münchner Stadtrat.
Bild: Duran

Plus Serdar Duran ist türkischer Abstammung, Muslim und kandidiert für die CSU. Wie im Fall Wallerstein wurde auch er schon diskriminiert. Doch er hat sich durchgebissen.

Jetzt erst recht. Da ist sich Serdar Duran absolut sicher. "Selbstverständlich werde ich meine Kandidatur nicht zurückziehen." Duran vermittelt den Eindruck, dass er sich so schnell nicht unterkriegen lassen will. Dass er nach der Diskussion um den CSU-Bürgermeisterkandidaten in Wallerstein umso motivierter und zielstrebiger in den Wahlkampf ziehen will. Auch wenn die Zeit vor der Kommunalwahl im März für Duran einen bitteren Beigeschmack bekommen hat. "Ich bin sehr traurig, wenn ich sehe, was Sener Sahin in Wallerstein passiert ist. Es ist schade, dass ein politisch engagierter Mann wegen seiner Religion von einigen Mitgliedern der Partei ausgeschlossen wird."

Wertkonservativ zu sein, hat für Duran nichts mit Religion zu tun

Serdar Duran aus München kann vermutlich als einer von wenigen nachempfinden, wie es Sener Sahin aus dem Ort Wallerstein im Landkreis Donau-Ries ergangen ist. Sahin wollte eigentlich für die CSU als Bürgermeisterkandidat antreten, und die Partei wollte das eigentlich auch. Er zog aber seine Bewerbung zurück. Denn einige Parteimitglieder wollten ihn nicht unterstützen und drohten mit ihrem Rückzug. Weil Sener Sahin Muslim ist.

Mit ihm teilt Serdar Duran aus München viele Gemeinsamkeiten. Duran – 32, ebenfalls Muslim, Familienvater, als Sohn türkischer Eltern in München geboren und aufgewachsen, gut integriert und angestellt bei der Ausländerbehörde der Stadt – engagiert sich seit vielen Jahren in der CSU, ist selbst Vizechef des Ortsverbandes Am Hart. Dieses Jahr kandidiert er zum ersten Mal auf Listenplatz 32 für den Münchner Stadtrat. Für ihn sind die CSU und der Islam kein Widerspruch. "Ich denke, wenn Menschen einer Konfession angehören, gleichzeitig aber auch christliche Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Respekt, Anstand und Familie im Alltag leben, ist die CSU eine gute Wahl." Wertkonservativ zu sein, hat für Duran nichts mit Religion zu tun, und es dürfe nicht passieren, dass der Glaube zu einem Ausschlussgrund werde.

Warum Serdar Duran für die CSU und Wahlkampf auf Türkisch macht

Das sieht Evelyne Menges, Vizechefin der Münchner CSU, ähnlich, mit der Duran über den Fall in Wallerstein sprach und aus diesem Gespräch ein Zitat auf Social Media postete. "Die Frage des Glaubens ist sekundär, und wenn jemand noch dazu türkische Wurzeln hat, also Internationalität mitbringt, ist das eine Bereicherung." Und Serdar Duran ergänzt: "Man muss einen Menschen nach seinem Charakter und seinen Fähigkeiten beurteilen. Die Partei darf ihn nicht aufgrund von Rasse, Religion, Herkunft oder Geschlecht diskriminieren." Duran weiß aber auch, dass es dazu durchaus andere Ansichten innerhalb der CSU und in der Bevölkerung gibt. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für unsere Redaktion zeigt, dass fast jeder Zweite in Bayern ein Problem damit hätte, wenn der Bürgermeister der eigenen Stadt oder Gemeinde Muslim wäre.

Serdar Duran glaubt, dass das vor allem den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahren geschuldet ist: "Die AfD und Pegida, Türkei und Erdogan, Flüchtlinge und Migration, Islamophobie und Angst vor Fremden – alle Klischees und Vorurteile werden in eine Schublade gepackt. Und einen Mann wie Sener Sahin packt man dann eben auch dort mit rein." Ist der Fall in Wallerstein dann vielleicht ein Problem auf dem Land? Lebt sich multikulti in der Stadt einfach leichter? Serdar Duran sagt: "Gefühlt würde ich das bejahen. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, ist es doch so: Auf dem Land kann man sich viel besser kennenlernen und Beziehungen dort sind doch bestimmt viel beständiger als in der Stadt." Die Gemeinde Neufahrn bei Freising in Oberbayern macht es beispielsweise vor. Dort wurde Ozan Iyibas zum ersten muslimischen Bürgermeisterkandidaten der CSU ernannt.

Serdar Duran: "Aber da muss man sich ein dickes Fell zulegen"

Auch Serdar Duran hat in den vergangenen Jahren lernen müssen, dass es immer Menschen gibt, die etwas gegen ihn, seine Religion oder seine Herkunft haben. "Sie haben sich über mich lächerlich gemacht oder mir Steine in den Weg gelegt. Aber da muss man sich ein dickes Fell zulegen." Duran trat mit 25 Jahren der Jungen Union (JU) bei, ein Jahr später wurde er zum ersten türkischstämmigen Ortsvorsitzenden der JU in Bayern gewählt. "Damals hat es durchaus eine Rolle gespielt, dass ich Muslim bin und aus einer türkischen Familie stamme. Aber im positiven Sinn." Er sei von Anfang an von seiner Partei ermutigt worden, sich als gut integrierter Mann aus einer türkischen Familie zu engagieren. "Sie haben zu mir gesagt: Wir wollen das anerkennen, komm zu uns und mach bei uns mit. Solche Leute wie dich brauchen wir in der CSU."

All diese Erlebnisse will Duran jetzt in seinen Wahlkampf einbringen. "Für mich ist München bunt. Aber München wählt nicht bunt und der Stadtrat spiegelt dieses Abbild der Stadtgesellschaft nicht wider." Serdar Duran will verstärkt Leute mit Migrationshintergrund ansprechen und sie dazu bewegen, wählen zu gehen und sich politisch einzubringen. Dafür geht er direkt auf die Menschen zu und spricht sie in ihrer jeweiligen Muttersprache an. "Ich mache mithilfe meiner Freunde und Helfer Wahlkampf auf Türkisch, Kroatisch, Rumänisch, Polnisch und Griechisch. Das schafft gleich eine lockere und vertrauensvolle Atmosphäre." Duran will erreichen, dass sich diese Menschen noch mehr als Teil der Gesellschaft fühlen. "Demokratie funktioniert nur, wenn man sich beteiligt. Aber viele Menschen mit Migrationshintergrund wissen gar nicht, dass sie sich beteiligen können. Und wie sie sich beteiligen können."

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Ein Muslim in der CSU? Das passt schon!

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