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Corona-Hotspots

22.09.2020

Warum hat Würzburg immer wieder so hohe Corona-Infektionszahlen?

In der Stadt und im Landkreis Würzburg ist die Sieben-Tage-Inzidenz in diesen Tagen im bayernweiten Vergleich besonders hoch.
Bild: Moritz Frankenberg, dpa (Symbol)

Plus Seit Beginn der Pandemie war Würzburg regelmäßig mit hohen Infektionszahlen in den Schlagzeilen. Jetzt sind die Werte bayernweit wieder am höchsten. Warum?

München und Würzburg. Es sind die zwei Städte im Freistaat, die sich aktuell zu Corona-Hotspots in Bayern entwickeln. In beiden Kommunen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit einigen Tagen über der landesweiten Alarmierungsschwelle von 35 Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern. Würzburg sticht jedoch bayernweit besonders hervor, dort wurde in diesen Tagen der höchste Wert gemessen. Am Wochenende lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 79,8, am Montag bei 61,8 und damit weit über dem bayerischen Durchschnitt. Auch schon zu Beginn der Pandemie stand die unterfränkische Großstadt immer wieder wegen schlimmer Corona-Fälle und hoher Fallzahlen in den Schlagzeilen. Aber warum ausgerechnet immer Würzburg?

Der Landrat sagt: „Wir haben mehr getestet als jedes andere Gesundheitsamt in Bayern.“

Zumindest den rasanten Anstieg der Infektionszahlen Mitte vergangener Woche führt Eva-Maria Löffler, die zuständige Ressortchefin im Landratsamt Würzburg, vor allem auf die hohe Zahl von Tests zurück. Nach dem Corona-Ausbruch an einem Würzburger Gymnasium waren allein am vergangenen Montag in Würzburg rund 2900 Personen aus Stadt und Land in einem Testzentrum und auf einer eilends eingerichteten mobilen Teststrecke getestet worden. So sieht es auch Würzburgs Landrat Thomas Eberth. Er sagt: „Wir haben mehr getestet als jedes andere Gesundheitsamt in Bayern.“ Er geht deshalb davon aus, dass dabei auch viele Infizierte ermittelt wurden, die andernorts unerkannt blieben, weil sie keine Symptome hatten. Das nährt die Hoffnung, dass sich zumindest die offiziellen, durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit veröffentlichten Inzidenzwerte im Lauf dieser Woche wieder normalisieren.

 

Das ist jedoch nur eine scheinbare, weil rechnerische Entwarnung. Deshalb gelte im Gesundheitsamt weiterhin hohe Alarmbereitschaft, sagt Eva-Maria Löffler. Auch, weil es immer schwieriger werde, Infektionsketten zu verfolgen und mögliche Kontaktpersonen frühzeitig zu identifizieren. „Während des Lockdowns hatten wir pro Infizierten in der Regel eine einstellige Zahl an Kontaktpersonen, inzwischen sind es in manchen Fällen 20 und mehr.“ Das spezielle Ermittler-Team aus 15 Mitarbeitern des Gesundheitsamtes wird deshalb bereits seit Monaten von Mitarbeitern der Stadt Würzburg und weiterer Behörden sowie von Bundeswehrsoldaten unterstützt.

Für die Unvernunft aus den Reihen der 18- bis 25-Jährigen sei kein Verständnis da

Das Erstaunliche bei den Infektionszahlen ist: Im Landkreis Würzburg sind es aktuell die 18- bis 25-Jährigen, die sich am häufigsten mit dem Coronavirus infizieren. Am Montag gab Löffler dem Hauptausschuss des Kreistags einen Sachstandsbericht. 113 Personen aus dem Landkreis Würzburg wurden demnach seit dem 7. September positiv auf das Coronavirus getestet. 70 davon sind nicht älter als 35, und 41 gehören der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen an. Zum Glück zeigen diese Infizierten in der Regel nur geringe oder gar keine Symptome. Die hohe Zahl unter den 46- bis 65-Jährigen sei vor allem auf Kontakte mit der am stärksten betroffenen Altersgruppe zurückzuführen. Um so wichtiger sei es, ein erneutes Übergreifen auf Risikogruppen, vor allem auf ältere Menschen, zu vermeiden, warnte Landrat Thomas Eberth.

 

Er sieht in der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln deshalb nach wie vor die wirksamste Maßnahme, um eine weitere Infektionswelle und die damit einhergehenden Beschränkungen zu vermeiden. Für die Unvernunft aus den Reihen der besonders betroffenen Altersgruppe zwischen 18 und 25 habe er kein Verständnis, sagt Eberth und nennt als Beispiel den Corona-Ausbruch in einer Würzburger Shisha-Bar, wo die Wasserpfeife unter Besuchern weitergereicht worden sei. Eva-Maria Löffler vom Landratsamt rechnet in den kommenden Tagen mit einer leichten Entspannung der Situation, wie sie bereits am Montag verzeichnet wurde. Die Sieben-Tage-Inzidenz war im Landkreis Würzburg von 47,6 auf 40,8 gesunken; in der Stadt Würzburg war der Wert von 79,8 auf 61,8 gefallen. Gleichzeitig trifft das Gesundheitsamt weiterhin Vorbereitungen für eine mögliche weitere Infektionswelle.

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