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Freizeit

27.09.2020

Was Hallenbad-Besucher in Corona-Zeiten wissen müssen

Badegäste schwimmen im Hallenbad in Buchloe im Kreis Ostallgäu: 985 Hallen- und Freibäder gibt es in Bayern. Viele starten in diesen Tagen in die Saison. Besucher müssen sich oft für Zeitfenster anmelden und Hygieneregeln beachten.
Bild: Michael Lindemann

Plus Bahnen ziehen, Ball spielen, saunieren: Hallenbäder empfangen diesen Herbst der Pandemie wegen weniger Gäste. Betreiber und Schwimmmeister berichten von neuen Herausforderungen.

Einen Kilometer vom Frei- ins Hallenbad umzuziehen ist für Martin Gruber so, als wenn er in eine neue Wohnung zieht. In Nördlingen im Kreis Donau-Ries schleppt der 49-Jährige Akten und Schwimmnudeln von A nach B, baut Computer ab und auf. Ist der Leiter der Nördlinger Bäder wehmütig, dass der Sommer zu Ende ist? Gruber sucht nach Worten, sagt dann: „Es ist ungewiss, was kommt.“ Er meint die bevorstehende Hallenbad-Saison, die der Pandemie wegen anders wird.

In diesen Tagen öffnen in vielen Städten und Gemeinden in der Region Hallenbäder – oder sie sind bereits offen. Coronabedingt dürfen allerdings deutlich weniger Menschen gleichzeitig Bahnen ziehen und Ball spielen. In Nördlingen etwa reduziert sich die Zahl der Gäste auf 20. In normalen Zeiten könnten 60 Menschen parallel da sein. Mehr Platz haben Thermen, die aber auch deutlich weniger Gäste empfangen.

Schwimmen gehen trotz Corona: Oft müssen sich die Besucher vorher anmelden

In vielen Bädern müssen sich Besucher vorher anmelden. In allen müssen sie Abstandsregeln einhalten und eine Maske in Umkleiden sowie Sanitäranlagen tragen. In der Schwimmhalle ist das nicht vorgesehen.

Zweimal zehn Schwimmer: Das sind die Maßgaben, die Martin Gruber für das Nördlinger Schwimmbad beachten muss. Der Meister für Bäderbetrieb teilt das 25 Meter lange und zehn Meter breite Becken in zwei Hälften, sodass zwanzig Badegäste in zwei Kreisen schwimmen.

Zweimal die Woche gibt es Wassergymnastik für 15 Personen. Am Samstag, Warmbadetag mit 31 Grad, sind die Bahnen aufgehoben. In Nördlingen berechnet sich die Zahl der Gäste, die rein dürfen, nach der Wasserfläche des Beckens. Es gibt zwischen zwei und vier Zeitblöcke je Tag, für die Schwimmer Tickets buchen können.

Für Schwimmmeister Martin Gruber stellen sich viele Fragen: „Wie nehmen die Gäste die neuen Regeln auf?“, „Wie reagieren sie?“, „Wie spielt sich das neue System ein?“. Erste Erfahrungen sammelte Gruber während des Sommers. Für den Aufenthalt im Nördlinger Freibad gab es das Zeitblock-System schon. Die Hallensaison sei aber eine andere, sagt Martin Gruber. Das Hallenbad hat keine Aufenthaltsfläche, keine Rutsche, kein Nicht-Schwimmerbecken, wo sich Menschen verteilen könnten. Schwimmkurse für Kinder fallen aus, weil es die Abstandsregeln nicht zulassen.

Es wird wegen der Corona-Pandemie weniger Badegäste geben

985 Hallen- und Freibäder gibt es in Bayern. Die Zahl stammt von der Deutschen Gesellschaft für das Badwesen. Ihre Sprecherin Konstanze Ziemke, 59 Jahre alt, sagt: „Die Bäder sind vorbereitet. Es wird in diesem Winter coronabedingt weniger Badegäste geben.“ Es blieben eher Gäste aus, die einen Tag Urlaub im Freizeitbad machen wollten, sagt Ziemke und fügt hinzu: „Der Spaßfaktor ist gebremst.“

Trotzdem kämen Hallenbäder ihrer Daseinsvorsorge nach. „Bahnen ziehen ist überhaupt kein Problem und viele Kurse sind gut besucht“, sagt Expertin Ziemke. Auch Schüler, Vereinssportler, Eltern mit Kindern könnten weitgehend normal schwimmen. „Die Leute wissen zu schätzen, einen Platz im kommunalen Schwimmbad zu ergattern.“

Ein Schwimmbad der besonderen Art ist die Therme in Bad Wörishofen im Unterallgäu. Es gibt dort auf 7000 Quadratmeter Palmen, Dampfbäder, einen Saunagarten und textilfreie Samstagabende. 800 bis 1000 Gäste dürfen nun zeitgleich rein, was etwa der Hälfte der Auslastung entspricht. Am 27. Juni hatte die Therme nach dem Lockdown erstmals wieder offen. Nun gilt Maskenpflicht in Umkleiden bis hin zu den Duschen. Im Innenbereich sowie in den Saunen brauchen Gäste keinen Mund-Nase-Schutz.

Schutz vor Covid-19: In der Hallenbad-Umkleide muss eine Maske getragen werden

Birgit Ernst, 57 Jahre alt, arbeitet bei der Therme in Bad Wörishofen. Einen wirklichen Saison-Start gibt es für die Therme nicht, sagt sie. Schon an schlechten Sommertagen seien viele Leute da gewesen. „Wir müssen uns überraschen lassen, was uns diesen Winter erwartet“, sagt Birgit Ernst. Bisher sei es nur an wenigen Tagen eng geworden. „An Sonntagen hat sich schon mal eine Schlange gebildet, wenn Gäste nach einem späten Frühstück zu uns kommen wollten.“ An Wochenenden, an denen schlechtes Wetter herrscht, sei die Therme voraussichtlich maximal ausgelastet.

Es wird also eine ganz besondere Hallenbad-Saison werden - für Betreiber und Gäste. Letzte sollten dem bayerischen Wirtschaftsministerium zufolge eine Mund-Nase-Bedeckung im Eingangs- und Umkleidebereich tragen. In Feuchträumen wie Duschen, Toiletten, in Schwimmhallen sowie im Freibereich der Thermen kann auf sie verzichtet werden. Beschäftige sollten immer dann eine Maske tragen, wenn sie sich nicht allein in einem Raum befinden. Überall ist ein Abstand von eineinhalb Meter einzuhalten. Jeder Betrieb muss für Gäste und Mitarbeiter ausreichend Waschgelegenheiten, Flüssigseife und Einmalhandtücher bereitstellen. Die Bäder sollten darauf verzichten, Schwimmhilfen sowie -brillen zu verleihen. Eine angemessene Belüftung der Thermen- und Bäderanlagen ist wichtig. Dies sei besonders in kalten Monaten für die Betriebe herausfordernd, sagt eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums.

Lesen Sie dazu auch: Durch die Corona-Krise lernen tausende Kinder nicht schwimmen

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