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München

07.10.2017

Was ein Profi-Einparker im Luxushotel erlebt

Tesfa Weldegiorgis ist seit sieben Jahren Garagenchef im Münchner Luxushotel Bayerischer Hof.
Bild: Sebastian Mayr

Ein Alltag zwischen Benz und Bentley: Als Chef-Einparker darf Tesfa Weldegiorgis jeden Tag die exklusiven Autos Münchner Hotelgäste fahren. Worauf es dabei ankommt.

Teure Sportwagen, edle Limousinen, wuchtige SUVs. Bentley, Mercedes, BMW, Audi, Tesla. Dann ein japanischer Kleinwagen. Zwischen manchen Autos ist nur ein Spaltbreit Platz, sie stehen eng aneinandergeparkt zwischen Säulen und gelben Linien. Tesfa Weldegiorgis tritt aus dem kleinen Bürohäuschen in der Tiefgarage. Der schmächtige Mann mit den schwarzen, kurz geschnittenen Locken ist Garagenchef des Luxushotels Bayerischer Hof in München. Tag für Tag nimmt er die Schlüssel der Gäste entgegen, setzt sich hinter das Steuer und lenkt den Wagen in die passende Lücke. Zentimetergenau. Egal, ob es ein Smart ist oder ein VW-Bus.

Gäste können immer kommen, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Die Garage ist immer besetzt. Weldegiorgis, seine fünf Kollegen und derzeit drei Aushilfen arbeiten in drei Schichten. In den zehn Jahren, die der 52-Jährige beim Bayerischen Hof arbeitet, hat er nur ein Mal an Silvester frei gehabt. „Ich habe das akzeptiert“, sagt er und lächelt. Tesfa Weldegiorgis ist ein zurückhaltender Mann. Keiner, der sich über etwas beschweren würde. Keiner, der ein schlechtes Wort über einen Gast oder dessen Auto verlieren würde. Ob er verschmutzte Fahrzeuge kennt und Raucherautos mit überquellenden Aschenbechern? „Jedes Auto ist bei uns willkommen. Für mich ist nur wichtig, dass es einen Schlüssel hat.“

Ein Bentley ist sein Lieblingsauto

Seit sieben Jahren ist Weldegiorgis nun schon der Chef in der Garage des Bayerischen Hofs. Mit dem Autofahren begonnen hat er in Eritrea, seinem Heimatland in Ostafrika. Seine Theorieprüfung für den Führerschein hatte er bereits abgelegt. Dann, 1985, floh Weldegiorgis vor dem Krieg, der in seinem Land tobte, nach Deutschland. 1989 hatte er den deutschen Führerschein. 2007 entdeckte er die Zeitungsanzeige des Bayerischen Hofs. Ein Bewerbungsgespräch, drei Tage Probearbeiten und der Eritreer begann dort zu arbeiten. Die ersten Tage, erinnert er sich, waren die schwierigsten. Mit der Zeit kam die Ruhe.

Heute drücken die Gäste des Luxushotels Weldegiorgis vertrauensvoll die Schlüssel ihrer teuren Fahrzeuge in die Hand. Privat fährt er ein japanisches Fabrikat – doch sein Lieblingsauto ist ein anderes. „Der Bentley. Das ist wie bei einer Frau. Sie sehen sie und Sie wissen, das es stimmt“, sagt der Garagenwart – so seine offizielle Bezeichnung im Hoteldeutsch. Also rein ins Auto, rein in die Lücke, im Durchschnitt 50 Mal pro Schicht. Je nach Parkplatz braucht Weldegiorgis zwischen einer und drei Minuten. Bei vielen Autos röhrt der Motor beim Tritt aufs Gaspedal. Innen bleibt immer alles, wie es ist. „Auf keinen Fall wird am Auto etwas verändert – vom Sitz bis zum Spiegel“, sagt Weldegiorgis. Wenn der Autobesitzer groß ist, rutscht Weldegiorgis auf dem Sitz ganz nach vorne. Wenn normalerweise ein kleiner Mensch hinter dem Steuer sitzt, zieht der Einparker die Beine an.

Zwei Kratzer in zehn Jahren

60 Parkplätze hat die Garage. Aber nur, wenn man so parkt, wie Tesfa Weldegiorgis und seine Kollegen. Einige Autos stehen in zweiter Reihe, zu manchen Stellplätzen rangieren die Einparker rückwärts im Zickzack. Wie das klappt? Geschick, Erfahrung und Ruhe, darauf komme es an. „Bei uns gibt es keinen Stress“, betont Weldegiorgis. Er prüft, wie viele Gäste an einem Tag anreisen, ob Veranstaltungen stattfinden, wie voll die Garage wohl wird. Entsprechend teilt er seine Kollegen ein. In manchen Schichten ist es einer, in anderen sind es drei.

Doch manchmal kommen alle Gäste auf einmal. Dann stehen sechs oder sieben Luxusschlitten in einer Reihe. Kein Problem. „Wir haben Platz, hier könnte man Fußball spielen“, sagt Weldegiorgis. SUVs hierhin, flache Sportwagen dorthin. Die Autos von Langzeitgästen nach hinten, die von Kurzbesuchern in die zweite Reihe.

Der Garagenchef kennt die Tricks. Er hat Markierungen am Boden und an den Wänden anbringen lassen, damit die Fahrer immer erkennen, wie breit ein Stellplatz ist und wo eine Säule im Weg steht. Wenn er eine Türe öffnet, greift er mit der Hand an die Außenseite der Türkante, damit die nirgendwo anschlagen kann. Und er kennt die Assistenzsysteme. Weiß, was die Monitore im Mercedes anzeigen, wenn nur noch ein Zentimeter Platz ist. Darauf verlassen würde er sich nie. Es gibt ja noch die Markierungen. Weldegiorgis erinnert sich an zwei Kratzer in zehn Jahren. Alle Einparker eingerechnet.

Komplizierter ist es, wenn doch jemand schnell weg will, der ganz hinten eingeparkt ist. „Wir schaffen das schon“, sagt Weldegiorgis schulterzuckend. Nur nicht aus der Ruhe bringen lassen.

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