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Umweltschutz

28.06.2020

Was genau macht eigentlich ein Nationalpark-Ranger?

Ranger in Bayern beobachten ganz genau, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt verändert. Für Wanderer und Besucher stehen sie für Fragen bereit – und ermahnen bei falschem Verhalten.
Bild: Jens Büttner, dpa

In ganz Bayern arbeiten sogenannte Ranger in Nationalparks und Naturschutzgebieten. Zwei von ihnen erzählen von ihren Aufgaben und den Herausforderungen.

Siegfried Schreib muss ein paar Schritte gehen, bis er einen Platz gefunden hat, an dem der Handyempfang stabil genug ist. Übers Telefon hört man den 51-Jährigen laut stapfen, Zweige knacksen, Blätter rascheln im Hintergrund. „Ich bin mitten in der Wildnis“, erzählt er. „Und ich bin dankbar, jeden Tag hier sein zu dürfen und zu beobachten, wie die Natur sich entwickelt.“ Schreib arbeitet seit 26 Jahren als Ranger im Nationalpark Bayerischer Wald. Ranger? Das klingt wie eine Art Sheriff oder Polizist. „Offiziell heißen wir Nationalparkwacht. Aber ich sehe meine Aufgabe eher darin, Menschen für die Natur zu begeistern und ein Bewusstsein zu schaffen, wie sehr der Mensch die Natur braucht.“

Viele Kollegen von Siegfried Schreib teilen dieses Verständnis von ihrem Beruf. Überall in Bayern und auch in ganz Deutschland gibt es sie, die Ranger. Sie arbeiten – zum Teil schon seit einigen Jahrzehnten – in Nationalparks, Naturparks und Naturschutzgebieten. Es sind Geologen, Biologen, Ökologen, Forstwirte, jeder mit einem eigenen Schwerpunkt wie Pflanzen, Tiere, Pilze oder Biodiversität. Und es werden immer mehr.

Erst am Montag traten zwei neue Ranger ihre Stellen am oberbayerischen Walchensee an. Ihre Aufgaben werden sein, dort die Natur in der Umgebung zu schützen und den Tourismus zu lenken. Aber Schreib will eines betonen: „Es ist wichtig, zu unterscheiden zwischen Nationalpark und Naturpark. Da hat der Ranger unterschiedliche Aufgaben.“

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Siegfried Schreib

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist noch „Wildnis pur“

Siegfried Schreib zum Beispiel kümmert sich im Nationalpark Bayerischer Wald um ein bestimmtes Gebiet, nämlich rund um den Berg Lusen. Dort wandert er jeden Tag umher, beobachtet, wie sich die Natur entwickelt und wie Menschen, Tiere und Pflanzen zusammenwirken. „Hier wird die Natur wieder sich selbst überlassen, das ist Wildnis pur.“ Darüber hinaus hat Schreib viel Kontakt zu Besuchern und Wanderern. Er beantwortet Fragen zum Naturschutz und erklärt, was im Nationalpark erlaubt ist und was nicht. „Und die Menschen sind immer neugierig und dankbar für Informationen.“

Doch seit Corona ist vieles anders. „Wir alle brauchen die Natur, um zu genesen und damit sich unsere Seele erholen kann. Aber seit diesem Jahr kommen einfach viel mehr Menschen und wir beobachten eine deutliche Steigerung an Verstößen.“ Manche Besucher bleiben zum Beispiel nicht auf den Wegen, zertreten Pflanzen, stören seltene Tierarten bei der Aufzucht, zelten mitten im Wald oder fahren mit dem Fahrrad durchs Unterholz, erzählt Schreib. „Das Unrechtsbewusstsein nimmt ab, die Leute treten – vielleicht auch coronabedingt – sehr aggressiv auf.“ Und wenn alles Erklären nichts hilft, muss Schreib in schlimmen Fällen härter durchgreifen: Denn alle Ranger im Nationalpark dürfen Personalien aufnehmen und einen Platzverweis erteilen. Verstöße werden dann angezeigt.

Die Ranger suchen das Gespräch und bauen auf das Verständnis der Menschen

Solche Maßnahmen kann die 28-jährige Theresa Hilber nicht ergreifen. Sie ist Rangerin im Naturpark Nagelfluhkette in den Allgäuer Alpen und erklärt: „Im Gegensatz zu einem Nationalpark, wo die natürliche Entwicklung und der Naturschutz an oberster Stelle stehen, geht es bei uns im Naturpark vor allem um die nachhaltige Entwicklung und Bewirtschaftung der Kulturlandschaft.“ Die studierte Biologin muss deshalb auf Freiwilligkeit setzen, und auf das Verständnis der Menschen. „Wir suchen das Gespräch, erklären die Probleme und versuchen so die Menschen zu überzeugen, dass sie bestimmte sensible Bereiche nicht betreten. Und das klappt in der Regel auch meistens ganz gut.“

Theresa Hilber

Genauso wie ihr Kollege Siegfried Schreib ist auch Theresa Hilber Ansprechpartner für Wanderer und Besucher, die sie vor Ort trifft, wenn sie im Naturpark unterwegs ist. „Das war der große Reiz für mich an dem Beruf. Viel draußen sein, und kein Tag ist wie der andere.“

Hilber stellt fest, dass manche Menschen vieles über den Naturpark gar nicht wissen und dankbar sind, wenn sie aufgeklärt werden. „Und wenn mal jemand mault, darf man das einfach nicht persönlich nehmen.“ Drüber hinaus kümmern sich die Naturpark-Ranger um Bildungsangebote für Wanderer und Schüler, sie ermitteln sensible Gebiete, lenken die Besucherströme mithilfe von Warnschildern und erfassen Probleme. „An den Ausflugswochenenden hatten wir zum Beispiel ein Problem mit den vielen Autos der Tagesausflügler und den überfüllten Parkplätzen. Wir wollen niemanden aussperren, aber es ist wichtig, Grenzen zu respektieren. “

Mit drei anderen Kollegen gemeinsam betreut die Rangerin das 405 Quadratkilometer große Naturparkgebiet. Auf ihren Streifzügen sind sie für Wanderer und Ausflügler leicht zu erkennen, sagt Theresa Hilber. „In ganz Bayern tragen alle Ranger eine ähnliche Arbeitskleidung, und darauf ist außerdem ein Logo gestickt.“

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