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95. Geburtstag

15.01.2019

Was macht eigentlich Georg Ratzinger, der große Bruder des Papstes?

Georg Ratzinger, der Bruder des ehemaligen Papstes, wird 95.
Bild: Armin Weigel

Die Ratzinger-Brüder sind unzertrennlich. Doch aus einem großen Lebenstraum Georg Ratzingers wurde nie etwas. Ein Porträt zum 95. Geburtstag.

Eigentlich hatten sich die Brüder ihren Lebensabend ganz anders vorgestellt. Sie wollten den Ruhestand zusammen in Regensburg verbringen, viel lesen, viel reden, viel Zeit füreinander haben. Doch es kam bekanntlich anders – und Georg Ratzinger, dieser liebenswürdige, bescheidene, alte Herr, war anfangs gar nicht glücklich darüber, dass sein drei Jahre jüngerer Bruder Joseph zu Benedikt XVI. wurde. „Ich hatte gehofft, dass dieser Kelch an ihm vorübergeht“, sagte er damals nach der Papstwahl.

Georg Ratzinger lebt zurückgezogen

Das war am 19. April 2005, jenem Tag, der für die beiden Brüder alles änderte. Georg blieb unweit des Doms mitten in der Regensburger Altstadt wohnen und feierte weiterhin jeden Morgen um 7 Uhr in der kleinen Stiftskirche St. Johann neben dem Dom die Frühmesse. Und Joseph Ratzinger? Lebt trotz seines Rücktritts 2013 zurückgezogen im Vatikan und war nur mehr ein einziges Mal daheim in Bayern, wo er in Pentling bei Regensburg ein Haus besaß. Bei diesem offiziellen Papst-Besuch 2006 hatten die Brüder immerhin die Zeit, gemeinsam in Georgs Haus zu Mittag zu essen und später am Grab der Eltern und der Schwester zu beten.

Aber Georg Ratzinger hat ein eigenes Telefon, das ihn direkt mit seinem Bruder verbindet, der für ihn – Papst hin oder her – immer der Joseph geblieben ist. Fast jeden Tag sollen die beiden miteinander sprechen. Georg reist außerdem regelmäßig nach Rom, erst nach Weihnachten war er wieder im Kloster Maria Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, wo der ehemalige Papst heute lebt. „Obwohl das Alter inzwischen drückt“, wie Georg Ratzinger sagt. Er ist wegen eines Augenleidens fast blind und auch die Füße machen nicht mehr mit, sodass er auf Rollstuhl und Rollator angewiesen ist.

„Orgel-Ratze“ und „Bücher-Ratze“ lauteten die Spitznamen der Ratzinger-Brüder

Geboren 1924 in Pleiskirchen bei Altötting, studierte Georg Ratzinger – wie sein Bruder – nach dem Zweiten Weltkrieg Theologie und wurde zusammen mit ihm 1951 zum Priester geweiht. Für ihn, den „Orgel-Ratze“, wie er im Priesterseminar genannt wurde, war schnell klar, dass er sich der Kirchenmusik widmen würde. Während sein Bruder, der „Bücher-Ratze“ sich der Wissenschaft zuwandte. 1964 kam Georg Ratzinger nach Regensburg, jene Stadt, von der er sagt, dass sie „praktisch ein Stück von mir ist“.

Er wurde Domkapellmeister – und gleichzeitig Leiter der Regensburger Domspatzen. Jenes weltberühmten Knabenchors, den er 30 Jahre leitete und erfolgreich machte. Als vor neun Jahren Misshandlungen und sexueller Missbrauch bei den Domspatzen bekannt wurden, kam heraus, dass Ratzinger Teil des Gewaltsystems bei den Domspatzen war. Er entschuldigte dafür, Chorknaben geohrfeigt zu haben, und sagte, dass er sich seit 1980 strikt an das gesetzliche Züchtigungsverbot gehalten habe.

95. Geburtstag: Der Namenstag ist Georg Ratzinger wichtiger

Am Dienstag feiert Georg Ratzinger seinen 95. Geburtstag. Ohne den kleinen Bruder natürlich. Aber Geburtstage wurden im Hause Ratzinger ohnehin nie groß gefeiert. Der Namenstag war, wie es früher in gut katholischen Familien üblich war, viel wichtiger. 

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