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Giftnotruf München

16.09.2017

Wenn Gemüse aus dem eigenen Garten giftig wird

Bitterstoffe in Gemüse können auf eine Giftkonzentration hinweisen.
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Gemüse aus dem eigenen Garten kann giftige Bitterstoffe enthalten. Seit Schlagzeilen über "Killerzucchini" sind einige Hobbygärtner verunsichert. Was der Giftnotruf in München rät.

Im August 2015 schockte eine Vergiftung die Welt der Hobbygärtner. Es kursierte die Nachricht von den "Killerzucchini" und dazu die Frage: Kann das eigene Gartengemüse tödlich sein? Auslöser war der Todesfall eines 79-jährigen Rentners aus Heidenheim.

Der Mann starb an einem Auflauf mit Zucchini, die er selbst gezüchtet hatte - sie enthielten eine lebensgefährliche Dosis Cucurbitacin. Der Bitterstoff löst die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt auf, dadurch können Darmkeime zu einer Blutvergiftung und Organversagen führen.

Beim Giftnotruf in München gibt es zur Erntezeit wöchentlich zwei bis drei Hilferufe von besorgten Menschen, die bitteres Gemüse verspeist haben. Das berichtet der zuständige Professor Florian Eyer, Leiter der Abteilung für Toxikologie am Klinikum rechts der Isar. "Anfang September hatten wir einen Fall, der klinisch symptomatisch war, der kam aus Frankfurt", sagt Eyer.

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Akute Notfälle seien beim Giftnotruf allerdings die Ausnahme. Meist melden sich Menschen, die einen bitteren Geschmack in ihrem Gemüse festgestellt haben und wissen wollen, wie gefährlich das sei.

Wie es zur Gift-Konzentration in Gemüse kommen kann

Nach der Vergiftung des Heidenheimer Hobbygärtners 2015 lautete die einhellige Expertenmeinung: Es handelte sich um einen Extremfall - dass sich im Gemüse aus dem eigenen Garten Bitterstoffe in tödlicher Konzentration ansammeln, kommt nur selten vor. Denn der Bitterstoff Cucurbaticin ist aus Kürbisgewächsen wie Gurken und Zucchini längst herausgezüchtet worden.

Bei seltsgezüchteten Sorten kann es allerdings zu einer Art Rückmutation kommen. Und das Risiko dafür erhöht sich, wenn Gewächse wie Kürbis und Zucchini im Beet nebeneinander wachsen.

"Über Bienen ist ein genetischer Austausch zwischen den Pflanzen möglich und so können Bitterstoffe quasi vom einen ins andere Gemüse 'eingebaut' werden", erklärt Toxikologe Florian Eyer. Wie viel Bitterstoffe eine Gemüsesorte enthält, hänge auch von Wassergehalt ab: In einem trockenen Gartenjahr sei die Wahrscheinlichkeit für bitteres Gemüse höher.

"Wenn eine Zucchini bitter schmeckt: Finger weg!"

Für Gärtner, die bittere Zucchini, Kürbisse oder Gurken aus dem Gemüsebeet holen, hat Professor Eyer eine einfache Regel: "Der Mensch ist sich selbst der beste Bio-Indikator. Wenn Sie etwas essen und ein auffallend bitterer Geschmack da ist, dann Finger weg - lassen Sie's sein!" rem

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