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Bauern-Proteste

08.01.2020

Wer hinter der Bewegung "Land schafft Verbindung" steckt

Etwa 4500 Landwirte kamen zur Schlepperdemo der Bewegung „Land schafft Verbindung“ nach Memmingen, um gegen immer neue Auflagen in der Landwirtschaft zu demonstrieren.
Bild: Ralf Lienert

Plus Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ sorgt deutschlandweit mit Protestaktionen für Schlagzeilen. Wie sie entstanden ist und welche Rolle Whatsapp dabei spielt.

Der Kachelofen sorgt in der Stube des Bauernhauses außerhalb von Legau (Unterallgäu) für angenehme Wärme. Neben dem Holztisch leuchtet ein Christbaum in einem alten Metallständer, in der Ecke steht eine Krippe mit Holzfiguren. „Über die Feiertage hat meine Freundin mir das Handy weggenommen. Irgendwann muss man auch mal abschalten“, erzählt Norbert Riefer.

Die anderen drei nicken zustimmend. Sie alle arbeiten als Landwirte und sie alle gehören zu dem Team, das die Schlepperdemo Anfang Dezember in Memmingen mit 3000 Traktoren und 4500 Teilnehmern organisiert hat. Neben Riefer sind das Steffi und Christoph Egger aus Langerringen (Kreis Augsburg) und Andreas Schmid aus dem Ostallgäuer Weicht (Gemeinde Jengen). Die Bewegung, die die Vier zusammengeführt hat und mit deren Namen sie auf Flyern, Bildern und vor allem in den sozialen Netzwerken für eine Teilnahme geworben haben, ist „Land schafft Verbindung“ (LSV). Die Organisation demonstrierte auch in Seeon bei der Klausur der CSU-Landesgruppe.

In Google-Suchanfragen tauchte „Land schafft Verbindung“ bis vor wenigen Monaten gar nicht auf. Erst Ende September verzeichnete die Seite die ersten Suchanfragen. Diese stiegen immer dann schlagartig an, wenn die Landwirte mit ihren Schleppern demonstrierten. Ihren Ursprung hat „Land schafft Verbindung“ in der gleichnamigen Facebook-Gruppe.

Wer hinter der Bewegung "Land schafft Verbindung" steckt

„Land schafft Verbindung“-Koordination über Facebook und Whatsapp

Sie hat wohl die niedersächsische Landwirtin Maike Schulz-Broers am 5. Oktober vergangenen Jahres gegründet. Bis heute haben etwa 29.000 Menschen bei der Gruppe auf „Gefällt mir“ gedrückt. Ein Großteil des Informationsaustauschs findet aber auf einem anderen sozialen Netzwerk statt: dem Kurznachrichtendienst Whatsapp. Auf der Internetseite der Bewegung heißt es, dass etwa 100.000 Menschen in verschiedenen Gruppen organisiert sind.

Auch die Landwirte in der Legauer Stube sind in einigen dieser Gruppen. „Zuerst gab es eine für Bayern. Als die voll war, hat man weitere für die Regierungsbezirke gegründet“, erzählt Schmid. Inzwischen gebe es drei bis vier Gruppen allein für das Allgäu. Auf Whatsapp schrieb Norbert Riefer auch, dass die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nach Memmingen komme und ob man dort nicht eine Demo veranstalten wolle. „Dann hat sich ein Team gebildet. Sieben bis acht Leute, größer waren wir nicht“, erzählt Schmid. Diese Gruppe traf sich in Mindelheim, um Ort, Inhalt und Ablauf der Demo zu planen.

„So wie sich bei uns ein Kreis gebildet hat, hat sich auch ein Gremium auf Bayernebene entwickelt“, ergänzt Steffi Egger. Auf der LSV-Website sind sowohl für Deutschland als auch für einzelne Bundesländer Vorstände, Stellvertreter und „Ratsmitglieder“ aufgeführt. Philipp Jans ist Sprecher für Schwaben. Die LSV-Bewegung sei aber weder Verband noch Verein und habe auch „keine finanziellen Strukturen“, sagt der Illertissener.

Bauernverband stößt an eigene Grenzen

Interessengemeinschaften für Landwirte gebe es schließlich schon einige – und zu denen wolle man keine Konkurrenz aufbauen, betont Jans. Die größte landwirtschaftliche Berufsvertretung ist der Deutsche Bauernverband. In Bayern hat er nach eigener Aussage etwa 145.000 Mitglieder. Im Unterallgäu ist Helmut Mader Geschäftsführer des Verbands. „Wir müssen zugeben, dass es uns nicht mehr gelingt, die Massen zu mobilisieren“, sagt er. LSV schaffe dies und sei deshalb so wichtig. Die Bewegung sei aber keine Konkurrenz: „Mit großen Massen kann man mehr Druck auf die Politik ausüben. Das stärkt insgesamt den Berufsstand.“

Zu den Demonstrationen kämen so viele Menschen, weil LSV neutral sei, ist Steffi Egger überzeugt. An den Demonstrationen nehmen also auch Landwirte teil, die sich von bestimmten Verbänden nicht vertreten fühlen. Riefer, der Ortsobmann des Bauernverbands Legau ist, spricht von „verhärteten Fronten“. Er habe deshalb vor der Memminger Demo zu Bauernverband und Bundesverband Deutscher Milchviehhalter gesagt, „sie sollen die Flaggen unten lassen“.

Komplett unabhängig von den Verbänden arbeitet LSV jedoch nicht. „Ohne deren Verbindungen wären wir nicht an Michaela Kaniber rangekommen“, sagt etwa Riefer. „Wenn wir uns die Kanäle selber aufbauen, sind wir in fünf Jahren noch nicht so weit“, weiß auch Steffi Egger. Ihr Mann Christoph ergänzt mit Blick auf die Probleme des Berufsstandes: „Und diese Zeit haben wir nicht.“

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