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Donauwörth

27.04.2018

Wie Kinder Opfer eines Priesters wurden

Das Kloster Heilig Kreuz Donauwörth. Hier war das Kinderheim untergebracht.
Bild: Barbara Würmseher

Das Ausmaß des Skandals in einem früheren Donauwörther Heim ist größer als bislang bekannt. Bischof Zdarsa schaltet sich ein. Wie es jetzt weitergeht.

Das Entsetzen war groß, als vor knapp zwei Monaten bekannt wurde, wie Kinder im Donauwörther Kinderheim über Jahre körperlich und seelisch gepeinigt worden sind. Nun wurde bekannt, dass es offenbar auch sexuellen Missbrauch gab. Im Zentrum des Skandals steht dabei der damalige Kinderheim-Leiter und Pfarrer Max Auer. Er starb 1980.

Die Pädagogische Stiftung Cassianeum, zu der das 1977 geschlossene Heim gehörte, rief im Februar dazu auf, dass sich weitere Betroffene melden sollen. Jetzt gab es ein erstes Treffen in Leitershofen (Landkreis Augsburg), zu dem neun Betroffene kamen. Zwei weitere waren terminlich verhindert, sagt Peter Kosak, Vorsitzender der Stiftung. Die Gespräche dauerten rund fünf Stunden, informiert er. Kosak rechnet damit, dass sich noch weitere Betroffene melden werden. Bei dem Treffen wurde klar, dass es auch sexuellen Missbrauch gegeben hat.

Mit fünf Jahren sexuell missbraucht

Bettina H.* war von 1965 bis 1975 im Donauwörther Kinderheim untergebracht. Sie ist froh und dankbar, dass die Geschichte aufgearbeitet wird. „Auer hat uns damals im Beichtstuhl gefragt, ob wir uns unten angefasst hätten, oder hat an unseren Händen gerochen, um das zu überprüfen.“ Dabei habe der Priester so lange nachgehakt, bis die Kinder etwas beichteten, das sie gar nicht getan hätten. Hinterher gab es dann Schläge als Strafe.

Sie wurde zudem Opfer eines älteren Heimbewohners. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt sie, dass sie im Alter von fünf Jahren sexuell von diesem missbraucht worden sei. „Ich habe nachts geweint und er hat vorgegeben, mich trösten zu wollen, die Schwester kam damals leider zu spät in das Zimmer.“ Ihr damaliger Peiniger habe noch über Jahre hinweg Zutritt zu dem Kloster gehabt. Als sie neun Jahre gewesen sei, sei zudem eine Ordensschwester ihr gegenüber sexuell übergriffig geworden.

Von Übergriffen durch Auer berichtet auch Stefan Schmid im Bayerischen Rundfunk. Als Privatministrant von Auer musste er täglich bei der Messe dienen. Davor oder danach soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Schmid musste ihn befriedigen oder aber der Priester vergewaltigte ihn. „Mit wem hätte ich reden sollen, der Max Auer hat mir das so verkauft, dass das dazugehört, das gehöre zur Kirche und sei gottgewollt. Und es war ja niemand da, dem man sich hätte anvertrauen können“, sagt Schmid.

Kinder mussten ihr Erbrochenes essen

Zu den Strafmaßnahmen in dem Kinderheim gehörte laut ehemaligen Bewohnern auch, dass Kinder nichts zu essen oder trinken bekamen. Hans* berichtete gegenüber unserer Zeitung, er habe es immer wieder erlebt, dass Kinder ihr Erbrochenes essen mussten und Kinder, die eingenässt hatten, anschließend noch zwei Tage in dieser Bettwäsche schlafen mussten. Er lebte von 1955 bis 1958 in der Einrichtung.

Der Fall hat inzwischen solche Dimensionen angenommen, dass der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa das Ganze zur Chefsache erklärt und den ehemaligen Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Augsburg, Manfred Prexl, mit der Koordination beauftragt hat. Kommende Woche starten die Einzelgespräche mit der Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg, Rechtsanwältin Brigitte Ketterle-Faber, so Kosak. Da würden die Schilderungen dann auf ihre Plausibilität geprüft.

Da die Fälle juristisch verjährt sind, erhalten die Opfer eine Summe als „Anerkennung für erfahrenes Leid“. Wie hoch diese sein wird, hänge vom Urteil der Beauftragten und der Deutschen Bischofskonferenz ab. Dorthin schickt die Beauftragte ihre Berichte und das Gremium berät dann über jeden Fall und gibt eine Empfehlung dazu ab, wie hoch die Summe sein soll. In drei Fällen hat die Diözese bereits vor einigen Jahren gezahlt. „Wir werden den Prozess gründlich und schnell vorantreiben, um den Opfern gerecht zu werden“, verspricht Kosak.     

*Namen wurden geändert, sind der Redaktion aber bekannt.

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