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Gast der Redaktion

05.08.2008

Wie OB Kurt Gribl die Zukunft Augsburgs sieht

Kurt Gribl über die Zukunft Augsburgs.

Von Visionen will Kurt Gribl nicht sprechen. Schon eher von einem "Fahrplan", den er sich vorgenommen hat. Wie sieht Augsburg aus im Jahr 2030? Antworten darauf gibt der Oberbürgermeister bei seinem Besuch unserer Redaktion. Von Jörg Sigmund

Augsburg. Von Visionen will Kurt Gribl nicht sprechen. Schon eher von einem "Fahrplan", den er sich vorgenommen hat. Wie sieht Augsburg aus im Jahr 2030? Es könnte die Hochtechnologiestadt, der High-Tech-Standort Bayerns werden, sagt der Oberbürgermeister, der bei der Kommunalwahl im März das Rathaus für die CSU überraschend erobert und Paul Wengert (SPD) aus dem Amt gekippt hatte.

Gribls Hoffnung gründet vor allem in der Ansiedlung von drei Forschungseinrichtungen, die für Augsburg ein "enormes Entwicklungspotenzial bedeuten". Mit den Frauenhofer-Instituten, die eng an neue Technologien rund um den Werkstoff Carbon (die Bezeichnung für Kohlenstoff) geknüpft werden sollen, erhalte die Wirtschaft Chancen für "ein völlig neues Profil".

Gribl als Gast unserer Redaktion: "Wir kommen endlich raus aus dieser Talsohle, die wir hatten aus dem klassischen Maschinenbau und den Nachwehen aus dem Niedergang der Textilindustrie."

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Und dann spricht Gribl doch von Visionen. Er will zwar - in Anspielung auf Silicon Valley - nicht den Begriff vom "Carbon Valley" bemühen ("Soweit gehe ich nicht"), ein weltweite Bedeutung würden die Kohlefasern gleichwohl bekommen. Carbon, "das "schwarze Gold", wie es der OB nennt, könne die Industrielandschaft verändern.

"Wir bauen ein Sprungbrett auf, das beachtlich ist." Der neue Werkstoff werde vor allem in der Luft- und Raumfahrt, im Maschinenbau, der Kfz-Produktion, aber auch beim Bau von Windkraft Anwendung finden. "Wenn wir hier die weltweit modernste Produktionsanlage für Carbonfasern schaffen, hat das eine ungeheure Magnetwirkung." Dann werde Augsburg auch in einer Metropolregion mit München ein "Alleinstellungskriterium" mitbringen und eine "große Rolle" spielen.

Bei all den guten Zukunftsperspektiven verhehlt der OB auch die finanziellen Probleme der Stadt nicht. Beispiel Kultur: Er bezeichnet die Situation im sanierungsbedürftigen Theater als "dramatisch" ("Die Skala der Millionenbeiträge steigt täglich"), spricht von "chaotischen Zuständen" in der Komödie, von einer "maroden Kongresshalle" und von einer "unattraktiven Schwabenhalle". Die Investitionen seien ein "Fass ohne Boden".

Beispiel Klinikum: In der Zeit von 2003 bis 2008 sind insgesamt 56,4 Millionen Euro an Betriebskostendefiziten aufgelaufen, die jetzt bezahlt werden müssen. Für das Jahr 2009 wird ein weiteres Minus von 30 Millionen Euro erwartet, für das die Stadt Augsburg mit 75 Prozent aufkommen muss.

Er lehnt es dennoch ab, das Großkrankenhaus zu privatisieren, "kategorisch ausschließen" will er es nicht. Inzwischen haben Stadt, Landkreis Augsburg, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer eine Resolution an Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein gerichtet, um zum wiederholten Male auf das Dilemma hinzuweisen.

96 Tage ist Augsburgs neuer OB nun im Amt. Der ehemalige Anwalt und politische Seiteneinsteiger nennt seine Bilanz "keineswegs enttäuschend". Auch wenn die Tätigkeit viel Kraft koste. "Und", sagt Gribl, der auch mit Querschüssen aus der eigenen CSU-Fraktion zu kämpfen hat, "ich hätte mir etwas weniger Begleitmusik gewünscht."

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