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Bayern

15.07.2016

Wie der Klimawandel Geld vernichtet

Der Klimawandel schreitet schneller voran als bislang angekommen, warnen Experten.
Bild: Symbolbild: Sven Hoppe/Illustration (dpa)

Allein in der Landwirtschaft werden die Verluste auf 600 Millionen Euro geschätzt. Und das jedes Jahr. Die Ressource Wasser wird immer kostbarer. Was also ist zu tun?

Wenn Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel nicht besser koordiniert werden, drohen der Landwirtschaft im Freistaat Verluste von 600 Millionen Euro jährlich. Das geht aus Schätzungen der Landesanstalt für Landwirtschaft hervor, die Agrarminister Helmut Brunner (CSU) gestern in Würzburg vorstellte. Dem Pflanzenbau drohten klimabedingt Verluste von 500 Millionen Euro, der Tierproduktion von 100 Millionen Euro – andere Bereiche seien in der Schätzung noch gar nicht berücksichtigt.

Forschungsergebnisse müssen schneller in die Praxis umgesetzt werden

Der Klimawandel schreite schneller voran als bislang angenommen, warnte Brunner. Er sprach anlässlich des „Klimagipfels“ seines Ministeriums, der verschiedene Experten unter dem Titel „Dem Klimawandel gewachsen sein“ in Würzburg versammelte.

Der Minister forderte, dass Gegenmaßnahmen intensiviert, besser koordiniert und vernetzt werden müssten. Vor allem Erkenntnisse der Forschung müssten schneller in die Praxis umgesetzt werden, damit die Forst- und Landwirtschaft in Bayern „erfolgreich und wettbewerbsfähig bleibt“. Aus dem Klimawandel ergäben sich aber auch Vorteile für die bayerische Landwirtschaft, so Brunner. Ein Temperaturanstieg erweitere etwa das Anbauspektrum: So könne etwa Soja sicherer angebaut werden.

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Harald Lesch, Moderator und prominentes Mitglied des bayerischen Klimarats, sah in seinem Vortrag Vorteile durch den Klimawandel kritisch: „Netto ist der Klimawandel ein gewaltiger Nachteil.“ Gegen Skeptiker des Klimawandels fand der Professor für Physik klare Worte: „Wir reden hier über Naturgesetze, nicht über Spekulationen.“

Bewässerung spielt eine zentrale Rolle

In weiteren Referaten war viel von Anpassung die Rede, in Feld und Stall, in den Weinbergen. Hier wie dort spielt Bewässerung eine zentrale Rolle. Schon heute gibt es Streit um die Nutzung der Ressource, verdeutlichte Jörg Neumann vom Landesamt für Umwelt. Mit Blick auf die Niedrigst-Messwerte nach dem Rekordsommer 2015 befürchtet Neumann, dass die Grundwasservorräte schrumpfen werden.

Was also tun? Minister Brunner kündigte einen Vorschlag an mit dem Ziel, dass der Staat die Kosten für Elementarschadensversicherungen zum Teil übernimmt. Bauernverbands-Präsident Walter Heidl will wieder mehr staatliches Beratungspersonal, um den Boden fit zu machen für Starkniederschläge. Und Herrmann Kolesch, Präsident der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (Kreis Würzburg), will mehr Speicher in die Weinberge stellen, um Rebstöcke bewässern zu können. Das alles kostet Geld, viel Geld. Geld, das im Weinberg gut angelegt ist, wie Kolesch verdeutlichte. In Australien schrumpfe die Fläche des Weinanbaus bereits wegen der klimatischen Veränderungen. „Weine unter Trockenstress schmecken nicht“, sagte Kolesch und forderte eine bayernweite Strategie für den zukünftigen Wettbewerb um das Wasser.

Neue Ställe sollen Erleichterung für Tiere bringen

Anpassungsstrategien für Feld und Stall stellten Vertreter der Landesanstalt für Landwirtschaft vor. Andrea Sobczyk empfahl Maisanbau in Mulchsaat gegen die Bodenerosion, Sabine Obermaier erläuterte, wie man Ställe so bauen, begrünen und belüften kann, dass die Tiere nicht unter Hitze leiden müssen. Und die, das hatte nach Leschs Vortrag wahrscheinlich jeder begriffen, wird künftig häufiger auftreten als es die meisten erwarten. (mit dpa)

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