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München

06.03.2020

Wie die Debatte um Hochhäuser die Stadt München umtreibt

Die ganze Stadt München ist gespalten, wie sie zum dem Thema Hochhäuser steht.
Bild: Herzog & de Meuron (Illustration)

Plus Eine Studie soll untersuchen, wo in der Landeshauptstadt welche Hochhäuser gebaut werden könnten. Die bislang geltende 100-Meter-Grenze wackelt.

Vor 15 Jahren wäre die Idee für viele Münchner undenkbar gewesen: Hochhäuser, die mit 155 Metern weit in den Himmel reichen und das Wahrzeichen der Stadt überragen: die Frauenkirche. Genau das soll 2024 aber Realität werden. An der Friedenheimer Brücke, direkt an der S-Bahn-Haltestelle Hirschgarten im Münchner Westen, sollen rund um die Paketposthalle, das Briefzentrum der Post, zwei 155 Meter hohe Hochhaustürme gebaut werden – künftig die höchsten Gebäude der Landeshauptstadt.

Anwohner reagieren auf die Pläne der 155-Meter-Türme verhalten

Noch verrät das Viertel nichts von diesen Plänen. Das Areal erinnert an eine Baustelle, überall wuchern Sträucher, so als sei auf dem Gelände lange Zeit nichts verändert worden. Das Dach der denkmalgeschützten Halle ist in die Jahre gekommen, das in den 60er Jahren erbaute Gebäude mit der schwungvollen Bogenkonstruktion ist prägnant für den Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg. Künftig wird aber ein anderes Gebäude von Weitem ins Auge stechen.

Das Architekturbüro Herzog & de Meuron aus der Schweiz – Baumeister der Elbphilharmonie und der Allianz-Arena – wird an dieser Stelle das neue „PaketPost-Areal“ errichten. Konkret wird die rund 18.000 Quadratmeter große Paketposthalle saniert, entkernt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Daneben werden die beiden geschwungenen Türme errichtet; in dem einen sollen Büroflächen, in dem anderen ein Hotel, Gastronomie und Wohnungen entstehen. Wie teuer dieser Wohnraum sein wird, steht noch nicht fest. Auf Nachfrage heißt es nur: Es wird „Wohnen in jeder Größe und für jeden Geldbeutel geben“.

Anwohner reagieren auf die Pläne verhalten. Eine Frau, auf das kommende Projekt angesprochen, verzieht säuerlich das Gesicht. „Alle sind dagegen“, presst sie heraus. Ihr Begleiter stimmt nickend zu. Allzu viel möchten beide nicht sagen, zu unangenehm bläst der kalte Wind ins Gesicht. Eine Nachbarin sieht das Bauvorhaben gelassener. „Niemand möchte, dass vor seiner Haustür gebaut wird“, sagt sie. „Solange es nicht klobig aussieht, habe ich nichts dagegen.“ Eine junge Mutter mit ihrem Baby im Kinderwagen schließt sich dieser Meinung an. „Die Hochhäuser müssen architektonisch ansprechend gestaltet werden“, sagt sie. Das sei nicht immer gelungen. Zu viele Häuser in München seien nach der Bauweise „quadratisch, praktisch, gut“ aus dem Boden gestampft worden. „Ich wünsche mir, dass die alte Posthalle genutzt wird.“ Ein kulturelles Angebot zum Beispiel wäre doch vielleicht eine gute Möglichkeit.

Auf Platz zwei liegt das Uptown-Hochhaus mit 146 Metern Höhe. Es wurde 2004 fertiggestellt und steht im Stadtteil Moosach.
8 Bilder
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Bild: Fernanda Vilela/Telefónica Deutschland Holding AG/obs

Die Debatte um neue Hochhäuser in München wird so heiß wie seit langem nicht mehr geführt – und hat eine lange Geschichte. Ein Höhepunkt der Diskussionen war ein Bürgerentscheid 2004, der festlegte, dass Häuser nicht höher als 100 Meter – Bezugspunkt ist die Frauenkirche mit 99 Metern – gebaut werden dürfen. Formell war der Entscheid zwar nur für ein Jahr gültig, doch die Stadt beschloss die Haltung der Bürger über diese Frist hinaus zu respektieren. Das könnte sich jetzt ändern.

Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat eine Hochhausstudie in Auftrag gegeben, deren Entwurf im Planungsausschuss vorgestellt wurde. Mit dem Ergebnis: Das Gremium plant, die Öffentlichkeit an der Bewertung der Studie zu beteiligen und Bürger und Fachleute zu befragen. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird der Münchner Stadtrat entscheiden, wie er mit den Ergebnissen der Hochhausstudie umgehen will. Stadtbaurätin Elisabeth Merk sagte bei der Vorstellung: „Mit dem Gutachten sind wir in der Frage, wie wir in München künftig mit Hochhausprojekten umgehen wollen, einen großen Schritt weiter. Ich bin schon sehr gespannt auf den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und den Fachleuten.“

Bislang wurden für München zwei solcher Gutachten erarbeitet – im Jahr 1977 und 1995. Doch die Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile geändert, sagt Heide Rieke, Sprecherin für die SPD im Planungsausschuss: „Heute haben viele Münchner eine ganz andere Meinung zum Thema Hochhäuser.“

Auf die Fragen der Wohnungsnot werden Hochhäuser keine Antwort geben

Und was ist der Inhalt der Studie? Das Gutachten untersucht das gesamte Stadtgebiet und schlägt vor, wo und in welcher Höhe Hochhäuser umgesetzt werden könnten. „Fast alle im Ausschuss waren sich einig, nicht an der konkreten 100-Meter-Grenze festzuhalten“, sagt Rieke. Viel wichtiger sei den Mitgliedern, dass die Häuser in die Umgebung passen und einen Mehrwert für die Anwohner bieten. „Die öffentliche Nutzung der Hochhäuser steht im Vordergrund. Sie müssen ihrem Viertel auch etwas zurückgeben.“

Aus Sicht der Gutachter sind Hochhäuser ein wichtiges städtebauliches Gestaltungsmittel. Tatsächlich hat München schon einen großen Bestand an hohen Häusern – allein in der Kategorie über 40 Meter sind es über 200. Die Verfasser sehen nur für wenige Bereiche Möglichkeiten für Hochhäuser über 80 Meter, etwa entlang der Bahngleise zwischen Hauptbahnhof und Pasing. Auf die Fragen der großen Wohnungsnot in der bayerischen Landeshauptstadt werden Hochhäuser aber vermutlich keine Antwort geben. Statik, Brandschutz, Klima-, Sicherheits- oder Aufzugstechnik steigern die Kosten stark. „Wohnungen in Hochhäusern sind sehr teuer“, sagt Heide Rieke.

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