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Bayern

17.12.2015

Wie ein Knigge Flüchtlingen das Leben in Bayern erleichtern soll

Das Münchner Islam-Forum will Spannungen zwischen muslimischen Flüchtlingen und der einheimischen Bevölkerung durch einen Bayern-Knigge entschärfen.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa (Symbolbild)

Eine Broschüre soll Flüchtlingen die Integration erleichtern. Iman Benjamin Idriz erklärt, warum Verschleierung nicht nötig ist und wie Muslime und Christen sich am besten begrüßen.

Ein schmales Büchlein soll muslimischen Einwanderern helfen, sich in Deutschland zu integrieren. Insgesamt 16 Seiten hat die neue Broschüre des Münchner Forums für Islam. Wir haben mit dem Macher gesprichen.

Herr Idriz, in Ihrer Broschüre zitieren Sie ein arabisches Sprichwort: „Wenn du 40 Tage mit einem Volk lebst, bist du einer von ihnen.“ Ist das Ihre Wunschvorstellung?

Imam Benjamin Idriz: Natürlich, das wäre schön. Aber die Integration ist ein Prozess, sie braucht Energie und Zeit. Aber in einem neuen Land hat man keine andere Alternative. Integration ist auch aus islamischer Sicht gewünscht. Jeder muss sich dafür Mühe geben.

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In Ihrer Broschüre heißt es, wer den Weg der Integration wähle, verdiene das Lob des Propheten Muhammed.

Imam Idriz: Genau. Wenn ein religiöser Mensch seinen Glauben in Maßen lebt, gelingt die Integration. Denn Integration ist immer eine Sache des Kompromisses. Der Islam ist bereit, solche Kompromisse zu schließen. Gleichzeitig wollen wir Muslimen zeigen, dass die Religionsfreiheit in Deutschland einen sehr hohen Wert hat, dass auch ihre Religionsfreiheit gewährleistet ist. Sie wird sogar durch das Grundgesetz geschützt.

Haben Sie ein Beispiel für flexibel gelebten Glauben?

Imam Idriz: Der Islam verlangt, fünf Mal am Tag zu beten. Wenn aber die festen Gebetszeiten nicht mit den Arbeitszeiten kompatibel sind, können Muslime versuchen, ihren Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass ihnen das Gebet zu einer bestimmten Zeit sehr wichtig ist. Gelingt das nicht, erlaubt es der Koran, die Gebete zu einer Zeit zusammenzubringen.

Sie glauben, dass solche Ratschläge eher angenommen werden, wenn sie von muslimischer Seite kommen – nicht von deutschen Behörden. Warum?

Imam Idriz: Wenn ein gläubiger Mensch solche Ratschläge mit religiösen Zitaten untermauert sieht, kann er sich selbst damit identifizieren. Es hat keinen Sinn, in Zeiten wie dieser den Koran oder das Grundgesetz zu verteilen. Unsere Broschüre soll eine Brücke zwischen beiden sein.

Sie schreiben, dass es aus islamischer Sicht völlig in Ordnung ist, mit „Grüß Gott“ begrüßt zu werden. Wie sollen Muslime auf den Gruß reagieren?

Imam Idriz: In „Grüß Gott“ ist Gott ausdrücklich erwähnt. Muslime sprechen sehr gern über Gott. Wenn mich jemand mit „Grüß Gott“ begrüßt, sehe ich keinen Widerspruch darin, auch so zu antworten.

Heißt das, dass Christen Muslime auch mit deren Gruß „as-salamu aleikum“ ansprechen sollen?

Imam Idriz: Es gibt durchaus Nicht-Muslime, die uns mit „as-salamu aleikum“ grüßen. Das kommt sehr gut bei Muslimen an.

Sie schreiben, dass die „Vollverschleierung der Frauen weder islamisch erforderlich noch gesellschaftlich erwünscht“ ist. Unterstützen Sie den Vorschlag von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), diese in Bayern zu verbieten?

Imam Idriz: Mit der Broschüre wollen wir die Wahrnehmung vermeintlich islamischer Traditionen in der deutschen Gesellschaft bekannt machen. Islamisch ist es nicht verpflichtend und gefordert, sich zu verschleiern. Aber wir wollen keine Politik machen. Über ein Verbot zu reden, ist nicht unsere Sache.

Aus Ihrer Broschüre kann man auch als Deutscher noch einiges lernen. Der Deutsche sei fleißig, heißt es da. Und er spreche etwa im Bus immer leise, um andere nicht zu stören.

Imam Idriz: Ja, die Broschüre enthält auch viel Interessantes für Nicht-Muslime (lacht). Wir wollen damit schließlich auch gesamtgesellschaftliche Werte vermitteln.

Sie schreiben von Deutschland als „großherziger Gesellschaft, die anderen mit Toleranz begegnet“. Würden Sie das derzeit bestätigen?

Imam Idriz: Es gab immer wieder Angriffe auf Flüchtlinge und Islamfeindlichkeit. Aber viele Deutsche haben auch Angela Merkels Worte beherzigt: „Wir schaffen das.“ Es gibt viele Familien, die sich um Flüchtlinge gekümmert haben. In den Städten haben Helfer sie herzlich willkommen geheißen. Das kann uns alle ermutigen.

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