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31.01.2018

Wie ein Zugereister den Deckel der Puppenkiste aufmachte

In dritter Generation führt Klaus Marschall die Augsburger Puppenkiste und grüßt mit dem Kasperl die „liaben Buabele und Mädele“.
Bild: Ulrich Wagner

Mit Jim Knopf, Urmel und Monty Spinnerratz wurde die Augsburger Puppenkiste weltberühmt. Ein Zugereister eröffnete sie damals. Was heute noch ihre große Stärke ist.

Griaß eich, liabe Buabele und Mädele! Wer den Kasperl der Augsburger Puppenkiste so herzhaft schwäbisch grüßen hört, könnte glatt vergessen, dass sein Papa vor 70 Jahren ein Zugereister war. Walter Oehmichen stammte nämlich aus Magdeburg und kam erst 1931 nach Augsburg. Von da ist er aber nie mehr weggegangen, weil er so vernarrt ins Marionettentheater war und am 26. Februar 1948 in seiner Augsburger Puppenkiste zum ersten Mal den Deckel aufzog.

Die Leute haben geschaut, als Oehmichen dann 1951 selber neben seinen Puppen aufgetreten ist – als der abgestürzte Flieger im „Kleinen Prinz“. So, mit einem Schauspieler, wird der Klassiker heute noch gespielt. Noch mehr staunten die Leute, als am 21. Januar 1953 die Augsburger Puppenkiste erstmals im Fernsehen auftauchte. Triumphe sollte sie in der Flimmerkiste feiern und ganze Generationen fesseln, dass sie noch ihren Kindern und Enkel vorschwärmen, wie gern sie „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, „Der Löwe ist los“ oder „Urmel aus dem Eis“ angeschaut haben. Eine Marke für Kinderunterhaltung war gesetzt.

Augsburger Puppenkiste - Wer die Fäden zieht, muss ein Kindskopf sein

Die Marionetten aus der Augsburger Kiste sind tapsig und klein, aber verschmitzt und pfiffig, schlagfertig und schlau. Sie behaupten sich neben den Großen, schalten listig die Bösen aus und bringen mit ihren Tricks, die so nur Puppen ausführen können, alle zum Lachen. Ihre kleine Welt ist liebevoll gebaut und fantasievoll ausgestattet, etwa mit dem Plastikfolienmeer, das ständig wogt.

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Wer in der Puppenkiste die Fäden zieht, muss selbst ein Kindskopf geblieben sein, ein Lausbub mit großem Herz. Manfred Jenning, der viele Stücke mit witzigen Dialogen und auch das berühmte Lummerlandlied („Eine Insel mit zwei Bergen“) geschrieben hat, war so einer. Und Klaus Marschall, der in dritter Generation die Puppenkiste führt, ist es auch, wenn er beim Silvesterkabarett den Kasperl sinnieren lässt.

Alles haben sie in der Puppenkiste selber gemacht. Die Marionetten schnitzte jahrzehntelang Hannelore Marschall-Oehmichen und dann ihr Sohn Jürgen. Die Kostüme schneiderte Oma Rose Oehmichen. Sogar die Musik macht das Ensemble bis heute meistens selber. Nach Amerika, nach Japan und sogar in die arabische Wüste sind die Puppenspieler gereist. In New York drehten sie den Kinofilm „Die Story von Monty Spinnerratz“. Jetzt ist die Puppenkiste ins Kino zurückgekehrt mit verfilmten Weihnachtsgeschichten. Die größte Stärke sind nach wie vor Märchen, ganz modern erzählt wie jüngst die Bremer Stadtmusikanten.

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