Newsticker

Erstmals seit neun Tagen: Italien meldet weniger als 700 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden
  1. Startseite
  2. Bayern
  3. Wie eine 17-Jährige in Kaufbeuren einem Mann das Leben rettete

Alltagsheldin

12.01.2020

Wie eine 17-Jährige in Kaufbeuren einem Mann das Leben rettete

Sie hat einem Mann am Kaufbeurer Bahnhof das Leben gerettet: die 17-jährige Sabrina Wirth aus dem Ostallgäuer Biessenhofen.
Bild: Mathias Wild

Plus Als ein Mann am Bahnhof in Kaufbeuren umkippt, handelt die 17-jährige Schülerin Sabrina Wirth sofort. Worauf es bei der Ersten Hilfe ankommt.

Er ist ihr gleich aufgefallen. Ein älterer Mann, der schwankend zum Gleis kam, so als wäre er betrunken. Sabrina Wirth wartet an diesem Dezembertag gerade auf den Zug, der die 17-Jährige nach der Schule von Kaufbeuren nach Biessenhofen (Ostallgäu) bringt. Ein Passant wird ebenfalls auf den Mann aufmerksam, fragt ihn, ob er etwas getrunken hat. Kopfschütteln. Er wirkt unbeholfen, geradezu apathisch. Und dann kippt der Mann plötzlich um. Der Moment, in dem für Wirth klar ist: Sie muss helfen.

Gesicht und Nase des Mannes sind bereits blau angelaufen

Sofort eilt sie zu ihm, stellt fest, dass er nicht mehr ansprechbar ist, das Bewusstsein verloren hat. Derweil drückt ihr ein Zuschauer sein Handy in die Hand, die Nummer des Notrufes ist schon gewählt. Vielleicht habe er kein Deutsch gesprochen, vermutet die 17-Jährige heute.

Danach geht alles ganz schnell. Wirth schildert am Handy kurz, was passiert ist. Den Mann haben sie und ein Passant da schon in die stabile Seitenlage gebracht. "Atmet er noch?", will ihr Ansprechpartner bei der Integrierten Leitstelle wissen. Nein, vermutet Wirth. Denn Gesicht und Nase des Mannes sind bereits blau angelaufen. Eine schnelle Atemkontrolle gibt Gewissheit: Der Mann atmet nicht mehr. "Da habe ich angefangen, zu drücken und zu beatmen." Solange bis der Notarzt wenige Minuten später vor Ort eintrifft. Auf dem Monitor des Rettungsdienstes sieht Wirth dann das schlagende Herz des Mannes. "Das war für mich eine Erleichterung," sagt die 17-jährige Ostallgäuerin.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Worauf kommt es bei der Ersten Hilfe eigentlich an?

Als Wirth ihren Freunden und Bekannten von alldem erzählt, hört sie immer wieder Sätze wie: "Ich wäre völlig überfordert gewesen." Oder: "Keine Ahnung, was ich da hätte machen sollen." Die 17-Jährige ist geschockt. "Viel zu wenige wissen, was sie tun müssen, wenn so etwas passiert." Wie man Erste Hilfe leistet, Vitalfunktionen kontrolliert und eine Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert, das hat Wirth alles in vielen Ausbildungen gelernt. Mit gerade einmal vier Jahren trat sie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bei. Ihre ganze Familie engagiert sich bei der DLRG, erzählt die Schülerin. "Das wurde einem sozusagen in die Wiege gelegt." Und dennoch war sie an diesem Dezembertag am Kaufbeurer Bahnhof unglaublich aufgeregt. "Als ich den Notruf absetzte, habe ich am Ende gestottert", sagt Wirth. Danach sei sie schlicht in Routine verfallen.

Worauf kommt es bei der Ersten Hilfe eigentlich an? "Überhaupt zu helfen. Es gibt viele Leute, die einfach weggehen", entgegnet Wirth. Angst davor, etwas falsch zu machen, brauche niemand zu haben. Die Notrufzentrale helfe einem am Telefon, erklärt auch, wie eine stabile Seitenlage aussehen muss oder die Herzdruckmassage abläuft. "Bei der Geschwindigkeit kann man sich an dem Lied ’Yellow Submarine’ orientieren", erklärt die Schülerin – oder an "Stayin’ Alive".

"Es ist schade, dass ich nicht weiß, wie es ihm geht"

Es ist nicht das erste Mal, dass die 17-Jährige jemandem das Leben rettet. Sie war fünf, ihr kleiner Bruder zwei, als er im Sommerurlaub im Schwimmbecken fast ertrinkt. Der Pool sei zwar nicht tief gewesen, sagt Wirth. Doch ihr Bruder ist damals umgekippt, weil er zu viel Sonne abbekommen hatte. "Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als ich ihn am Arm rausgezogen habe."

Wie es dem Mann vom Kaufbeurer Bahnhof jetzt geht, weiß Wirth nicht. Er habe wohl keinen Alkohol getrunken, etwas anderes hat ihn in diese missliche Lage gebracht. Das hat die Schülerin beim Rettungseinsatz noch mitbekommen. "Es ist schade, dass ich nicht weiß, wie es ihm geht", sagt Wirth. Aber so gehe es Rettungssanitätern wohl Tag für Tag.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren