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Corona-Krise

11.05.2020

Wie geht es jetzt für Sportvereine und Fitnessstudios weiter?

Fitnessstudios müssen noch geschlossen bleiben.
Bild: Jonas Walzberg, dpa

Plus Ab diesem Montag ist kontaktfreier Individualsport im Freien wieder möglich. Abstand muss aber eingehalten werden. Und Fitnessstudios müssen weiter zu bleiben.

Alleine oder zu zweit joggen, radfahren, inlineskaten und spazierengehen: Das waren seit Mitte März, seit den Schließungen der Sport- und Fitnessstudios sowie der Sportvereine und -plätze in Bayern wegen Corona, bislang die unkompliziertesten Methoden, Sport zu treiben.

Ab Montag jedoch ist zumindest wieder kontaktfreier Individualsport wie Tennis, Leichtathletik oder Golf im Freien mit Abstand zugelassen. Kontaktsportarten wie Judo oder Karate müssen sich damit vorerst aufs reine Training beschränken. Wie gehen die Sportvereine nun mit der neu gewonnenen Freiheit um und was haben Sport- und Fitnessstudios, die erst einmal weiter geschlossen bleiben müssen, für Möglichkeiten, ihre Mitglieder trotzdem fit zu halten?

Vier Personen plus Trainer dürfen jetzt im Freien Sport treiben

Vier Personen plus ein Trainer: So viele Leute sind nun in einer Sporteinheit im Freien erlaubt. Ob sie das diese Woche schon anbieten könne, weiß Nicole Vogt, Geschäftsführerin des TSV Aichach, allerdings noch nicht. „Es ist aber unser Wunsch, mit zwei bis drei Sportarten anzufangen, wie Boxen, Ju-Jutsu oder Leichtathletik. Ob wir das alles aber in der kurzen Zeit umsetzen können, gerade auch mit Blick auf das umfangreiche Infektionsschutzkonzept, ist die Frage.“ Platz zum Sporteln im Freien habe der Verein mit einer Rundbahn und einem Hartplatz zum Glück. Um Andrang zu vermeiden und den Bedarf an Kursen zu ermitteln, arbeitet der Verein an einem Online-Buchungsmodul.

Wie geht es jetzt für Sportvereine und Fitnessstudios weiter?

Falls diese Woche aber noch kein Sport im Freien möglich sein sollte, bietet der Verein weiter sein Online-Programm „Fit daheim live“ mit Kursen wie Pilates oder Gymnastik an. „Am Anfang kam ich mir wahnsinnig komisch vor“, erzählt Vogt über ihre erste Fitnessmix-Stunde allein vor dem PC. Die Kurse seien für jeden über die TSV-Internetseite kostenlos zugänglich. „Während der Stunde haben die Teilnehmer ihr Mikrofon stumm geschaltet und die Webcam aus. So sehen und hören sie nur mich. Davor und danach reden wir kurz“, sagt Vogt. Da sie so nicht mal schnell zu einem Teilnehmer hingehen und korrigieren kann, erklärt sie die Übungen detaillierter. Diese Woche startet der Verein darüber hinaus auch das Online-Programm „Fit daheim kids“ für Kinder, für die es bis nach Pfingsten noch keine Kurse im Freien geben wird.

Fitnessstudios bieten Kurse via Video-Plattform Zoom an

Auch das Fitness-Center Parkstadt in Donauwörth bietet seit Freitag zunächst einmal pro Woche für seine Mitglieder einen Online-Kurs zum Mitmachen von zu Hause aus via Zoom an. „Wir müssen weiter geschlossen bleiben, wollen aber, dass unsere Mitglieder sportlich dabeibleiben“, sagt Studioleiterin Corinna Meier. Denn die würden schon anrufen und sagen, dass sie das Fitness-Center vermissen. Je nachdem wie der Kurs ankommt, soll das Angebot ausgeweitet werden. Zusätzlich bietet das Fitness-Center über Facebook und Instagram seit drei Wochen kurze Videos mit Übungen etwa für den Rücken an. Und Mitglieder können Equipment wie Kurzhanteln oder Faszienrollen kostenlos nach Hause ausleihen. „Hier staubt es nur ein“, erklärt Meier. Fast alles ist ausgeliehen. „Gerade meine Jungs sind ganz dankbar, dass sie so zu Hause weiter trainieren können“, sagt Meier.

Alleine oder zu zweit joggen, radfahren, inlineskaten und spazierengehen: Das waren seit Mitte März die leichtesten Methoden Sport zu treiben. Nun ist wieder mehr erlaubt.
Bild: Christoph Soeder, dpa (Symbol)

Wer sich keine Fitnessgeräte ausleihen kann, hat immer noch die Möglichkeit, sie online zu kaufen. Ergometer, Laufband oder Rudergerät: alles ist lieferbar. Aber Achtung: Die Nachfrage hat sich wegen Corona stark erhöht. Das bestätigen sowohl Hammer Sport aus Neu-Ulm als einer der größten Heimfitnessgeräte-Hersteller in Europa als auch Sport-Tiedje aus Schleswig als Europas größter Fachmarkt und Online-Versandhändler für Heimfitnessgeräte auf Nachfrage unserer Redaktion. Deshalb könne es zu Lieferverzögerungen von bis zu 18 Tagen kommen.

Doch sich allein zu Hause zum Sport zu motivieren ist nicht jedermanns Sache. Wie wäre es stattdessen mit einem Tennisdoppel auf einem von 19 Freiplätzen des TC Augsburg? Denn vier Spieler plus ein Trainer auf einem Platz sind dort ab Montag wieder erlaubt. Trainer Yannick Paul ist glücklich, seinen Job wieder zu haben. Zur Überbrückung bot er den ganzen April mit seinem Kollegen Christian Plöckl täglich mit „Beat the coach! Deine tägliche Fitness Challenge!“ ein virtuelles Konditionstraining mit Übungen zu Kraft, Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit über die Internetseite des TC Augsburg an. „Aber als absehbar war, dass wir bald wieder spielen dürfen, haben wir die Challenge zum 1. Mai auslaufen lassen“, erklärt Paul. Um nun wieder Tennis zu spielen, muss sich jeder über das Online-Buchungssystem anmelden. „Die Leute sind ganz heiß darauf, wieder zu spielen. Manche wollen sich gleich zweimal am Tag einbuchen.“

Sportwissenschaftler: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier"

Das scheint die Einschätzung von Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Augsburg, zu bestätigen: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.“ Deshalb geht der Experte davon aus, dass die Menschen mit der heutigen teilweisen Öffnung der Sportstätten auch wieder dort hingehen werden. „Der Mensch ist ein soziales Wesen, das den Kontakt mit anderen braucht“, erklärt Brandl-Bredenbeck. Alleine zu Hause vor einem Computer Sport zu machen, scheint also keine dauerhafte Alternative zu sein.

Darauf hofft auch Manuela Maslin, Inhaberin des Yogastudios Wolke 34 in Augsburg. Doch noch darf das Studio nicht öffnen. Daher bietet das Yogastudio Online-Kurse via Zoom an. Die Yogalehrer geben die Stunden von zu Hause aus, die Teilnehmer machen parallel bei sich daheim mit. „Wir haben sofort damit gestartet, als wir wussten, wir müssen schließen“, sagt Maslin. Sobald die Stadt Augsburg ihr Okay gibt, will Maslin zumindest wieder „Yoga im Park“ anbieten, wenn auch nur in Kleingruppen. Das wäre zumindest ein Hoffnungsschimmer zurück zur Normalität.

Lesen Sie dazu auch: Schule, Sport, Handel: Diese Corona-Regeln gelten ab sofort in Bayern

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