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"Safer Cities Map"

17.01.2020

Wie (un-)sicher ist München für Mädchen und Frauen?

Viele Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie im Dunklen allein unterwegs sind. Wo, das können sie nun auf der "Safer Cities Map" eintragen.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbol)

Aus Angst meiden viele Frauen bestimmte Orte. Auf einer Karte werden solche Stellen nun gesammelt. Mit den Ergebnissen soll die Stadt sicherer werden.

Wie sicher fühlen sich Mädchen und junge Frauen in München? Gibt es Orte, die sie aus Angst meiden? Haben sie irgendwo bereits Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Diskriminierung oder Gewalt gemacht?

Genau diese Fragen möchte die Kinderhilfsorganisation Plan International beantworten und hat dazu das Online-Tool "Safer Cities Map" (deutsch: "Sicherere-Städte-Karte") ins Leben gerufen. Bis Mitte März können Mädchen und Frauen auf einer interaktiven Karte eintragen, welche negativen - oder auch positiven - Erfahrung sie wo in München gemacht haben.

"Safer Cities Map": Plan International will München sicherer machen

Die Daten werden im Anschluss ausgewertet und veröffentlicht. "Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich Mädchen und Frauen frei und sicher bewegen können und mit welchen Gefahren sie im Großstadtleben zu kämpfen haben. Sie bilden gleichzeitig die Grundlage, um positive Veränderungen in den Städten anzustoßen", heißt es in einer Mitteilung von Plan International.

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An wen genau die Ergebnisse weitergeleitet werden, steht bislang noch nicht fest. Sprecherin Anabela Brandao erklärt: "Wir wollen erst einmal abwarten, ob sich ein Fokus herauskristallisiert. Liegt der Schwerpunkt der markierten Orte im öffentlichen Nahverkehr, dann werden wir die Ergebnisse an die Verkehrsbetriebe weitergeben. Stellt sich heraus, dass eher fehlende Beleuchtung ein Problem ist, dann gehen sie an einen Ansprechpartner der Stadt München." Zudem hofft die Hilfsorganisation, dass sich mögliche Projektpartner melden, die helfen wollen, unsichere Orte sicherer zu machen.

Dunkler Fußweg im Hasenbergl, einsamer Bahnhof Donnersbergerbrücke

Bislang gibt es für München erst wenige Markierungen auf der "Safer Cities Map" (Stand: 17. Januar 2020). So schreibt eine Userin, die einen Fußweg im Münchner Stadtteil Hasenbergl markiert hat: "Dieser Fußweg ist nicht beleuchtet. Das ist auf dem Heimweg im Dunkeln beängstigend, da in diesem Park die verschiedensten Menschen herumlaufen und man dort häufig von Fremden angesprochen wird. Gerade als junge Frau habe ich schon immer ein mulmiges Gefühl, diesen Weg zu laufen."

Eine weitere Markierung liegt auf dem S-Bahnhof Donnersbergerbrücke: "Verwinkelter, einsamer, schlecht einsehbarer Bahnhof. Habe während ich dort gewohnt habe aufgrund meines Schichtdienstes im Spätdienst immer das Auto genommen", heißt es dazu.

Orte meiden, Umwege in Kauf nehmen, statt öffentlicher Verkehrsmittel lieber mit dem Auto fahren - für viele Frauen gehört das zum Alltag. Neben München nehmen die Initiatoren auf der "Safer Cities Map" auch die Großstädte Köln, Hamburg und Berlin unter die Lupe. Eine frühere Befragung von Plan International in den Metropolen Delhi, Sydney, Kampala, Lima und Madrid hat gezeigt, dass sich ein großer Teil der Mädchen und jungen Frauen in den Städten nicht sicher fühlt. Von insgesamt über 21.000 Orts-Markierungen waren fast 80 Prozent negativ.

Sicherheitslage auch in westlichen Städten oft negativ

Während viele eine Großstadt in Indien oder Uganda tendenziell als gefährlicher einschätzen würden als in Australien oder Spanien, hat das Online-Tool "Safer Cities Map" andere Ergebnisse zutage gebracht. Anabela Brandao erklärt: "Die Ergebnisse aus Sydney und Madrid waren teilweise noch negativer als die aus Delhi oder Kampala. Mangelnde Sicherheit für Mädchen und Frauen ist kein Problem, das nur in Entwicklungsländern oder Ländern mit eingeschränkter Sicherheit auftritt, sondern auch in westliche geprägten Städten, wo die Sicherheitslage als besser eingeschätzt wird."

Auch deshalb hat Plan International das Tool nun auch für deutsche Großstädte eingerichtet. Brandao sagt: "Wir haben es erstmal exemplarisch auf die vier Städte Hamburg, Berlin, Köln und München begrenzt und wollen die Resonanz abwarten. Wir können uns aber durchaus vorstellen, das auch für weitere Städte zu machen."

Sie wollen auch einen Ort markieren, an dem Sie sich unsicher fühlen? Hier geht's zur "Safer Citites Map".

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17.01.2020

Haben Sie, als Verfasserin des Artikels, nachgesehen auf welchen Wegen sich die "Userin" bewegt hat?

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17.01.2020

No-Go areas machen die Stadt nicht sicherer, sondern sind eine Demonstration des Versagens des Rechtsstaates.

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