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Kultur

30.01.2019

Wirbel um Karl-Valentin-Orden für Andreas Gabalier

Andreas Gabalier soll am Samstag den Karl-Valentin-Orden erhalten.
Bild: dpa

Der berühmte Volkssänger steht für Humor und Intellekt. Und der österreichische Musiker? Ist er politisch zu rechts?

Was hat die Nachwelt nicht alles dem Volkssänger und Komiker Karl Valentin (1882–1948) zu verdanken. Etwa diesen Spruch: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ Oder „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Ein begnadeter Humorist mit hintergründigem Sprachwitz, ein Querdenker. Beim Valentin-Karlstadt-Musäum sieht man sein Andenken nun in Gefahr: Der österreichische Sänger Andreas Gabalier soll am Samstag den Karl-Valentin-Orden der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla erhalten.

Gabaliers gesellschaftspolitische Haltung sei rechtspopulistisch, eindeutig homophob und frauenfeindlich, kritisierte Museumsdirektorin Sabine Rinberger am Dienstag in München und sagt: „Hulapalu hat nichts mit Karl Valentin zu tun!“

Das sieht die Narrhalla anders. Valentin habe sich zeitlebens als Volkssänger gesehen und Gabalier sei eben ein „Volkssänger 2.0.“. Wie kein anderer verstehe er es, volkstümliche Musik mit Stadionrock zu verbinden. Gerade die Einordnung als Volkssänger ist nach Ansicht der Valentin-Expertin aber verkehrt. Das Volkssängertum sei eine Kunstgattung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gewesen. Bei Gabalier gebe es keinen Zusammenhang mit Valentins Sprachfertigkeit, seinem Doppelsinn und Genie oder seinem Querdenkertum. „Volks-Rock-’n’- Roller, das kann er ja sein, aber das hat nichts mit Valentin zu tun“, sagt Rinberger. Die Museumsleiterin stört sich auch an den Texten des 34-Jährigen, etwa im Song „A Meinung haben“. Die Narrhalla würdigt das Stück als ein „Loblied auf das Andersdenken, auf Menschen, die ihr politikverdrossenes Schweigen brechen und hinter ihrer Meinung stehen“. Darin heißt es „Dann schauns di an mit ganz großen Augen, wenn ana aufsteht und sagt, was er si denkt.“ Das gehe in die Richtung von „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“, findet Rinberger. „Als würde man bei uns nichts sagen dürfen!“ Solche Texte könne man ohne viel Fantasie als rechtspopulistisch interpretieren. Die Narrhalla kontert: „Texte von Künstlern sind vielseitig auslegbar und werden offensichtlich von bestimmten Personen je nach Neigung unterschiedlich wahrgenommen.“ Der Verein mache sich rechtspopulistische, homophobe sowie frauen- und fremdenfeindliche Texte nicht zu eigen. „Wir stehen für eine bunte, tolerante und soziale Stadtgesellschaft.“ Gabalier selbst freut sich schon auf die Ordensverleihung. Zur Kritik an der Ordensverleihung gab sein Management keine Stellungnahme ab. (dpa)

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