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Hitzewelle

01.08.2018

Wird der Sommer jetzt immer so heiß?

Vor allem für die Natur ist die wochenlange Hitze und Trockenheit eine große Herausforderung.
Bild: Anke Bingel, epd (Archiv)

Hitzerekorde und Tropennächte bringen Deutschland derzeit ins Schwitzen. Welche Schlüsse Klimaforscher aus dem Wetter ziehen und was das für uns bedeutet.

Jahrhundertsommer, Hitzerekorde, Tropennächte – was liest man in diesen Tagen nicht alles über die aktuelle Wetterlage in Deutschland. Während die einen über einen der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 klagen, greifen die anderen genüsslich ins Eisfach. Aber was ist das, was uns seit Wochen diese Hitze und diese Trockenheit beschert? Der Klimawandel? Oder ist es nur mal wieder richtig Sommer und alles gar nicht so besonders, wie es sich momentan anfühlt?

Ein Blick in die meteorologischen Geschichtsbücher zeigt: Es ist tatsächlich außergewöhnlich warm in diesen Wochen. Jedoch weniger, weil es vereinzelt bis an die 40 Grad heiß wird. „Das Besondere dieses Jahr ist, dass es über einen so langen Zeitraum hinweg so warm und so trocken ist“, sagt Gerhard Lux, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes.

Hitzerekorde im April und im Mai

Schon im April (durchschnittlich 12,4 Grad) und Mai (16 Grad) wurden Hitzerekorde aufgestellt. Juni (17,8 Grad) und Juli (20,2 Grad) schafften es in den Ranglisten zwar nicht an die Spitze, aber auch sie waren laut Lux „deutlich zu warm“.

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Woran das liegt, sei nur schwer zu erklären, sagt der Klimaforscher, das Wetter verhalte sich mitunter „absolut chaotisch“. Eine derzeit von Wissenschaftlern präferierte Theorie gehe davon aus, dass die Arktis eine entscheidende Rolle für die Hitze in Deutschland und Europa spielt. Weil es rund um den Nordpol aufgrund des globalen Klimawandels immer wärmer werde, würden Luftströmungen immer langsamer.

„Hoch- und Tiefdruckgebiete bleiben dadurch oft länger an einer Stelle, das Wetter ist weniger wechselhaft“, erklärt Lux. Dieser Trend sei seit Jahren zu erkennen und es sei sehr wahrscheinlich, dass es in Zukunft häufiger zu extremen und länger andauernden Wetterlagen komme.

Klimaforscher erwarten mehr Tage über 30 Grad

Es bestätige sich „mehr und mehr, was wir lange vorausgesagt haben“, sagt auch Mojib Latif, einer der bekanntesten deutschen Klimaforscher, und kritisiert die Politik. Angela Merkel sei „nie wirklich eine Klimakanzlerin“ gewesen und einen echten Klimaschutz gebe es nicht. Weder weltweit noch in Deutschland. Er gehe daher davon aus, dass uns künftig mehr Hitzetage mit über 30 Grad erwarten – und wenn es regne, „dann wie aus Kübeln“, erklärte Latif kürzlich der Welt.

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Ihnen ist zu heiß? Dann sehen Sie sich diese Orte an!
Bild: Jerome Delay, dpa

Und auch in diesem Jahr ist noch kein Ende des Sommers in Sicht, sagen die Wetterforscher. Bis Mitte nächster Woche werden Temperaturen bis zu 35 Grad vorhergesagt, danach soll es „kühler“ werden, in Bayern nur noch bis zu 30 Grad, prognostiziert der Wetterdienst. Wer nun zu stöhnen beginnt, dem sei gesagt, dass der Freistaat im Schnitt noch das kälteste aller 16 Bundesländer ist.

Die Wetterrekorde auf einen Blick

Der Deutsche Wetterdienst zeichnet seit dem Jahr 1881 Daten zum Wetter in ganz Deutschland auf. Folgende „Bestwerte“ sind registriert.

Der heißeste Tag: 40,3 Grad, gemessen am 5. Juli und 7. August 2015 im fränkischen Kitzingen.

Der heißeste Monat: Im Juli 2006 war es im Schnitt 22 Grad warm.

Der heißeste Sommer: Von Juni bis August hatte es im Jahr 2003 durchschnittlich 19,7 Grad.

Das heißeste Jahr: 2014 hatte es im Mittel aller Monate 10,3 Grad.

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05.08.2018

Wetter – Klima
Es gab in der Vergangenheit sowohl „verregnete kühle Sommer“ wie heiße Sommer. Der punktuelle Blick aufs Thermometer kann uns täuschen. Eigentlich zeigt er nur aktuell die Temperatur an. Doch die Statistik zeigt uns, dass die Jahresdurchschnittstemperaturen wie auch die Hitzetage zunehmen. Und die Wissenschaft kann Prognoserechnungen machen, wohin das führt.
Klimawissenschaftler sagen voraus, dass durch den Anstieg der Erdtemperatur um 2 ° Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit die Zahl der Menschen, die unter Wassermangel leiden werden, gegenüber heute um viele hunderte Millionen Menschen ansteigen wird. Jetzt im Jahr 2018 liegt die durchschnittliche Temperatur auf unserer Erde schon um etwa 1,3 ° C höher als vor der Industrialisierung, die zu starkem Verbrennen von fossiler Kohle sowie fossilem Öl und Gas und dadurch zum Ausstoß von Treibhausgasen führte und führt.
Wenn wir dies nicht aufhalten, werden unsere Kinder und Enkel massiv unter brutaler Hitze, Dürren und Wassermangel aber auch Extremstürmen, Extremregen, Meeresspiegelanstieg und Fluten leiden.
Jede/r von uns kann sich umwelt- und klimaschonend verhalten und außerdem Personen in die Parlamente wählen, die konsequent Klimaschutz machen.
Raimund Kamm

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