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FFP2-Maskenpflicht

19.01.2021

Wo bleiben die FFP2-Masken für bedürftige Menschen?

Wo bleiben die zugesagten FFP2-Masken für bedürftige Menschen?
Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

Plus 2,5 Millionen FFP2-Masken werden Bedürftigen umsonst zur Verfügung gestellt. Warum sind sie noch nicht da – obwohl die verschärfte Maskenpflicht ja bereits gilt?

Martin N. ist ratlos. Denn er steht immer noch mit leeren Händen da. Trotz der Ankündigung der Politik, man würde Menschen wie ihm in dieser schweren Zeit schnell unter die Arme greifen. 2,5 Millionen kostenlose FFP2-Masken soll es für Bayerns Bedürftige geben. Martin N., der seinen ganzen Namen nicht im Internet lesen möchte, ist einer davon. Eine Maske hat der Hartz-IV-Empfänger aus dem Landkreis Neu-Ulm aber bisher nicht bekommen – obwohl die Pflicht zum Tragen der FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und Supermärkten bereits am Montag in Kraft getreten ist.

Ein Betroffener erzählt, wie ihm keine offizielle Stelle weiterhelfen kann

"Ich habe im Jobcenter angerufen, dort hat man die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und mir gesagt, dass sie mir da nicht helfen können", erzählt Martin N. Ähnlich erfolglos verlief der Anruf bei seiner Krankenkasse. "Schließlich habe ich eine E-Mail an das bayerische Gesundheitsministerium geschrieben. Ich wollte wissen, wie ich mich denn nun verhalten soll. Aber ich habe leider keine Antwort bekommen."

M. kaufte sich schließlich selbst eine Maske. Was für viele Menschen kein großes Problem ist, strapaziert den Geldbeutel des Arbeitslosengeld-Beziehers deutlich. "Das ist einfach ein Kostenfaktor, der nicht eingeplant ist. Für Ausgaben für Hygiene-, Pflege oder Gesundheitsprodukte habe ich 20 bis maximal 40 Euro pro Monat. Da kommt man nicht weit", sagt Martin N., der nun also weiter auf die versprochenen Masken wartet.

Beim Einkaufen und im ÖPNV gilt seit Montag in Bayern die FFP2-Maskenpflicht.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die Verteilung der Gratis-Masken ist für die Kommunen eine Mammut-Aufgabe. In der Stadt München etwa fühlt man sich ziemlich überfahren. "Der Freistaat hat die Zusage kurzfristig und unabgesprochen auf dem Rücken der Kommune getroffen und damit ein größtmögliches Chaos ausgelöst", sagt Sozialreferentin Dorothee Schiwy gegenüber unserer Redaktion. Details, wie die Masken in einer Stadt wie München verteilt werden sollen, habe der Freistaat überhaupt nicht bedacht. "Für unsere Verwaltung ist dies ein beispielloser Kraftakt, denn wir sind kein Logistikunternehmen", fährt Schiwy fort.

FFP2-Maskenpflicht: Sozialverbände forderten zügige, unbürokratische Lösungen für bedürftige Menschen

In der vergangenen Woche hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die verschärfte Maskenpflicht im Handel und im öffentlichen Nahverkehr angekündigt. Die Kritik vieler Sozialverbände folgte auf dem Fuße: Weil es mit einer Maske nicht getan sei, könnten Menschen mit geringem Einkommen oder Hartz-IV-Empfänger bei Preisen von drei bis sechs Euro pro Stück – deutlich teurer als herkömmliche Alltagsmasken – schnell an ihre Grenzen stoßen. Die Forderung: Es müsse zügige, unbürokratische Lösungen für Menschen, die etwa Grundsicherung im Alter oder Hartz-IV bekommen, geben.


Eine solche Unterstützung wurde dann am vergangenen Mittwoch auch zugesagt. Doch die Verteilung an die Landkreise und kreisfreien Städte hat erst jetzt begonnen. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums brachte das Technische Hilfswerk die Schutzmasken am Dienstagmorgen aus dem Pandemiezentrallager der Staatsregierung in alle Teile des Freistaats. "Die Masken sollen so rasch wie möglich an die Bedürftigen ausgegeben werden. Dafür haben die Kreisverwaltungsbehörden freie Hand", sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Sie könnten die Masken zum Beispiel über die Gemeinden verteilen lassen oder auch direkt an die Bedürftigen schicken. "Wir gehen davon aus, dass spätestens Anfang kommender Woche die Bedürftigen ihre Masken haben dürften", fährt Holetschek fort. Ab Anfang kommender Woche werden übrigens auch Bußgelder verteilt, wenn gegen die FFP2-Maskenpflicht verstoßen wird. Bis dahin zeigt sich der Freistaat noch kulant.

Wer gilt eigentlich als bedürftig? Wer bekommt FFP2-Masken gestellt?

Die Stadt Augsburg hat vergangene Woche bereits mit den Vorbereitungen und der Organisation des Versands von über 130.000 FFP2-Masken begonnen. Als "bedürftig" würden seitens des Freistaats Leistungsempfangende aus SGB II (Arbeitslosengeld II und Sozialgeld) und SGB XII (Sozialhilfe), Nutzer von Angeboten der "Tafel" sowie Obdachlose betrachtet. "Wir haben den Kreis derer, die als bedürftig gelten, für Augsburg weiter gefasst und beziehen explizit auch Beziehende von Wohngeld, von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und des Kinderzuschlags in die Bedarfsberechnung mit ein", sagt Oberbürgermeisterin Eva Weber.

Im Landkreis Augsburg haben die Gemeinden bereits am Dienstagvormittag Masken erhalten und können sie nun persönlich oder per Post ausgeben. „Um eine schnellstmögliche Verteilung sicherzustellen, haben wir unsere Bestände, bestehend aus früheren Lieferungen des Freistaats, für die Verteilung herangezogen“, sagt Jens Reitlinger, Sprecher des Landratsamtes. Diese Bestände würden nun mit den vom Freistaat verschickten Masken wieder aufgefüllt.

Landkreis Günzburg: Die Masken werden nicht vor Donnerstag verschickt

Im Landkreis Günzburg indes dauert es noch. „Ich gehe davon aus, dass die Masken an die Leistungsempfänger nicht vor Donnerstag, gegebenenfalls auch erst am Freitag versandt werden“, teilt eine Sprecherin des Landratsamtes mit. Es sei nicht möglich gewesen, die Masken vor dem 18. Januar zu versenden. „Wir haben erst am vergangenen Freitag die ersten Informationen zum Kreis der Bedürftigen erhalten.“ Bereits in der vergangenen Woche seien aber Masken aus dem eigenem Bestand an die Caritas – etwa für die Verwendung bei den Tafeln – geliefert worden.

Martin N. aus dem Landkreis Neu-Ulm hofft, dass auch er bald Masken bekommen wird. Mehr als die eine, die er jetzt hat, will er sich nicht kaufen. Deswegen wird er sie jetzt weiterhin tragen. Er wisse, dass man das eigentlich nicht machen sollte, da die Masken nicht wiederverwendbar seien. "Aber es hilft ja nichts. Ich werde sie jetzt so lange verwenden, bis ich neue Masken bekomme."

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.01.2021

Was mach ich wenn mir das Geld zu etwas fehlt? Ich spare an einem anderen Ende ein um mir das Gut kaufen zu können oder ich verzichte auf das Gut und kaufe es nicht.,

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19.01.2021

.
Es ist schon richtig, wenn Bedürftige kostenlos und ausreichend
mit FFP2-Masken versorgt werden.

Hinweis für alle anderen, vor allem aber diejenigen, die die fehlende
Gelegenheit bedauerten/bedauern, in der Vorweihnachtszeit und
auch derzeit Bratwürste und Glühwein oder sonstige alkoholische
Getränke auf dem Rathausplatz, vor der City-Galerie oder Maximilian-
straße oder sonstwo zu konsumieren (es werden wohl nicht wenige sein):

Man könnte das so gesparte Geld in den Kauf von FFP2-Masken
investieren (so es denn einem die eigene Gesundheit und ein
eigener Beitrag zur Eindämmung der Pandemie wert ist )

Certifizierte FFP2-Masken (dieselben wie auf Berechtigungsschein
aus der Apotheke) waren und sind bislang im Onlinehandel problem-
los zu haben (z.B.100 Stück - 89,00 Euro).
.

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19.01.2021

Schon mal darüber nachgedacht, wie viele der genannten Personen auch über einen entsprechenden Online-Zugang verfügen.

Es redet sich immer leicht über ein Thema, wenn es einem selbst IMMER zur Verfügung steht.

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19.01.2021

.
Zu Andreas D.:

Mir scheint, Sie sind einer von denen, die gerne ein Haar in der
Suppe suchen und/oder gerne mit Banalitäten widersprechen.

Tolle "Leistung" zu erwähnen, dass man online nur mit einem
Online-Zugang bestellen kann.

Viele der Nichtbedürftigen ("Hinweis für alle anderen") haben
aber einen und können für sich selbst (also keine Ausflüchte)
wie auch im Weg der Absprache für solche, die keinen haben
(Verwandte, Nachbarn, Bekannte) eine Sammelbebestellung
vornehmen.

Begriffen?
.

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19.01.2021

Ist doch wie immer.

Die Regierung, besser gesagt der Herr Söder, beschließt, ohne auch nur ansatzweise den daraus resultierenden Rattenschwanz zu bedenken.

Dieses gilt nicht nur für die Regierung in Bayern.

Dies kann man 1:1 auch auf die Bundesregierung übertragen.

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