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Freizeit

04.08.2020

Wo gibt es im Allgäu noch das stille Gipfelglück?

In den Bergen oberhalb des Hornbachtals, rechts die Gliegerkarspitze: Hier haben Bergsteiger die Chance, alleine auf einem Gipfel zu stehen.
Bild: Michael Munkler

Plus Es gibt Modeberge, die regelrecht überrannt werden, und wenig besuchte. Was die Attraktivität eines Berges ausmacht und wo im Allgäu noch die Ruhe zu finden ist.

Grünten, Riedbergerhorn, Hochgrat, Rubihorn, Alpspitze oder Tegelberg: Die Liste der sogenannten Modeberge im Allgäu ist lang. Und es sind nicht nur besonders leichte oder schnell erreichbare Gipfel, die Karriere gemacht haben – wenn man das in diesem Zusammenhang über einen Berg sagen kann. Auch Hochvogel, Mädelegabel und Hohes Licht zählen zu den beliebtesten Gipfelzielen im Allgäu.

Gut markiert mit leichten Pfaden: Seit Jahren schlagen alpine Wanderführer die gleichen Berge vor

Der Oberstdorfer Bergführer Andi Tauser ist seit fast vier Jahrzehnten mit Gästen im gesamten Alpenraum unterwegs und kennt in der Region jeden Gipfel. Dass viele Menschen sich für Modeberge als Ziel entscheiden, hat seiner Meinung nach mehrere Gründe. "Es ist schwerer, Unbekanntes zu suchen, als sich an dem zu orientieren, was publiziert ist", nennt der 57-Jährige ehemalige Einsatzleiter der Oberstdorfer Bergwacht einen Grund. Und tatsächlich: Durchforstet man den alpinen Büchermarkt zum Thema Touren in den Allgäuer Alpen, stößt man – mit wenigen Ausnahmen – immer auf die selben Tipps.

Zumeist sind es Berge, auf die gut markierte, beschilderte und nicht zu schwierige Wege und Pfade führen. Und es sind oft auch landschaftlich besonders reizvolle Ziele. Dazu gehört der Heilbronner Weg, die hochalpine Verbindung zwischen Rappenseehütte und Kemptner Hütte über den Allgäuer Hauptkamm. In den Sommermonaten pilgern an schönen Wochenenden Karawanen über den Grat. Wer einsamere Ziele ansteuert, müsse sich intensiver mit der Materie beschäftigen, erläutert Tauser. Touren in weniger häufig besuchten Gegenden können seiner Meinung nach unter Umständen auch risikoreicher sein.

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Seilbahnen und Hütten machen Berge attraktiv für Besucher

Auch die Nähe zur Autobahn, zu einer Seilbahn oder einer Hütte trägt zur Attraktivität eines Berges bei. Generell gilt: Vor allem in der Nähe der Bergstationen von Seilbahnen halten sich mehr Menschen auf. Beispiel Hochgratbahn: Nur 15 Minuten Aufstieg sind es von der Bergstation zum Hochgrat-Gipfel, der höchsten Erhebung der Nagelfluhkette. Und besonders viel los ist natürlich überall dort, wo an Bergbahn-Stationen spezielle Attraktionen warten: Sommerrodelbahnen, Kinderspielplätze oder Streichelzoos ziehen vor allem Familien mit Kindern an. So entsteht vielerorts eine Art Besucherlenkung, der Bergführer Tauser durchaus auch Positives abgewinnen kann: Somit würden die Besucherströme kanalisiert und "nicht jeder läuft kreuz und quer".

Gipfelsturm auf die Schochenspitze in den Tannheimer Bergen in der Nähe der Landsberger Hütte: Hier ist man selten allein.
Bild: Michael Munkler

(Alpenvereins-)Hütten sind ebenfalls Besuchermagneten, die Gipfel zu Modebergen machen können: So wird zum Beispiel der Aggenstein bei Pfronten gerne von der Bad Kissinger Hütte aus bestiegen, an schönen Tagen besuchen Hunderte den knapp 2000 Meter hohen Berg, der zudem mit Hilfe der Breitenbergbahn erreichbar ist.

Bergführer: Manche Gipfel haben besondere, mythische Anziehungskräfte

Bergführer Bernd Zehetleitner von der Bergschule Oberallgäu stand schon auf vielen Modebergen in der ganzen Welt. Ob Montblanc, Kilimandscharo, die großen Viertausender im Schweizer Wallis oder auch die Zugspitze: Ähnlich wie bei der Alpenüberquerung Oberstdorf-Meran hafte diesen Gipfeln ein gewisser Mythos an, glaubt Zehetleitner. Jeder, der sich fürs Bergsteigen interessiere, "will da hin".

Doch wo jeder hin will, wird es bisweilen eng und Probleme entstehen. Rolf Eberhardt, Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette, hat fast täglich mit den Problemen zu tun. Ranger des Naturparkzentrums sind unterwegs, um rund um und auf der Nagelfluhkette nach dem Rechten zu schauen. Und um den Besuchern die ökologischen Zusammenhänge zu erklären.

Nach Ansicht von Eberhard entstehen Modeberge und viel besuchte Örtlichkeiten in den Bergen vor allem auch durch Infos in den sozialen Netzwerken. Da werde beispielsweise dazu aufgerufen, an irgendwelchen Bergseen oder auf Gipfeln "besonders coole Selfies" zu machen und ins Netz zu stellen. Solchen Aufforderungen von sogenannten Influencern im Netz kämen zumeist junge Leute dann massenhaft nach. Beste Beispiele sind der Schrecksee oder der Gaisalpsee mit dem Rubihorn in den Oberstdorfer Bergen.

Geheimtipp inmitten alpiner Hotspots: Hier geht es noch ruhig zu

Trotz aller Modegipfel und alpiner Hotspots: Es gibt auch im Allgäu noch viele Ecken in den Bergen, in denen es ruhig zugeht. So werden die Gipfel in der Peischelgruppe und rund ums Hornbachtal nur selten bestiegen. Wege und Pfade sind dort meist nur dürftig markiert, Hütten gibt es kaum. Wer hier unterwegs ist, braucht alpinen Spürsinn.

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04.08.2020

Diese Gipfel gibt es, da muss man aber zu Fuss hoch. Also kein Lift! Ich kenne solche Berge, die sind sehr oft neben einem sogenannten Modeberg, die Anstiege sind oft auch länger, ich behalte diese Orte für mich sonst sonst sind die auch überlaufen.

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