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Hotel Mama

13.04.2017

Wo in der Region die meisten Nesthocker wohnen

Auf dem Land wohnen besonders viele junge Erwachsene noch bei ihren Eltern.
Bild: Jens Kalaene, dpa (Symbolbild)

Männer ziehen im Schnitt deutlich später zu Hause aus als Frauen. In unserer interaktiven Karte sehen Sie, in welchen Landkreisen es besonders viele Nesthocker gibt.

Bei den Eltern ist es doch am schönsten. Aber deswegen bei ihnen wohnen? Irgendwann kommt der Moment, an dem junge Frauen und Männer das eben nicht mehr wollen und ausziehen. Doch in welchem Alter sie das tun, da gibt es große Unterschiede. Das ist unter anderem davon abhängig, ob es sich um eine junge Frau oder um einen jungen Mann handelt. Denn eine Studie des Leibniz-Institutes für Länderkunde hat ergeben, dass der Anteil der Frauen, die mit über 20 Jahren noch zu Hause wohnen, deutlich geringer ist als der Anteil der Männer. Zudem gibt es große Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Deutlich mehr junge Männer wohnen noch zu Hause

Aber erst einmal zu den Unterschieden zwischen den Geschlechtern. Tatsächlich zeigt sich, dass es in jeder untersuchten Altersgruppe und in jedem Landkreis weniger Frauen als Männer gibt, die noch zu Hause wohnen. Ein Beispiel: der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es dort fast 74 Prozent der Männer, die noch im Elternhaus leben, und nur 64 Prozent der Frauen.

Bei den etwas Älteren ist der Unterschied noch größer: In der Altersspanne von 25 bis 29 Jahren wohnen in Neuburg-Schrobenhausen etwas mehr als 43 Prozent der Männer bei Mutti. Bei den Frauen sind es gerade einmal 24 Prozent.

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Ein Grund: Frauen werden mehr in den Haushalt eingebunden

Woran liegt es, dass Frauen offensichtlich früher ausziehen? Forscher Tim Leibert, der die Studie angefertigt hat, hat eine Vermutung: „Für den Geschlechterunterschied dürfte ursächlich sein, dass Eltern Töchter tendenziell stärker kontrollieren als Söhne und von ihnen auch mehr Mithilfe im Haushalt erwarten. Für junge Frauen bedeutet der Auszug folglich einen größeren Autonomiegewinn als für junge Männer“, schreibt er in seiner Studie. Weil junge Frauen im Elternhaus also häufiger kochen und die Wäsche waschen, ziehen sie früher aus. Leibert bezieht sich dabei auf andere Studien, die diese unterschiedliche Behandlung von Söhnen und Töchtern nahelegen. Für junge Frauen sei es deswegen ein größerer Gewinn an Freiheit, aus dem Elternhaus auszuziehen als für junge Männer.

 

Zum Auszug fehlt häufig das Geld

Ja, die Männer, die genießen es aber auch, von den Eltern umsorgt zu werden und sich um nichts kümmern zu müssen, oder? Dieses Klischee lässt sich durch Leiberts Studie nicht untermauern. Denn der Wissenschaftler hat festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein junger Mann zu Hause wohnt, deutlich höher ist, wenn er ein niedriges Bildungsniveau und/oder keinen Job hat.

Daraus lasse sich schließen, „dass männliche Nesthocker aus ökonomischer Notwendigkeit im „Hotel Mama“ logieren und nicht, wie oft kolportiert wird, weil sie von Mutti und Vati umsorgt werden“, so Leibert. Bei Frauen ist kein so deutlicher Zusammenhang mit der finanziellen Situation zu erkennen.

 

 

Auf dem Land ist der Anteil der Nesthocker um ein Vielfaches höher

Jetzt zu den Unterschieden zwischen Stadt und Land. Auf den Karten fällt auf, dass der Anteil der Nesthocker in den kreisfreien Städten deutlich niedriger ist als in ländlichen Regionen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Stadtkinder das Elternhaus besonders früh satthaben. Denn in diesem Punkt wird die Statistik durch den Zuzug von Studenten entscheidend beeinflusst. In Augsburg etwa studieren aktuell mehr als 20.000 junge Menschen. Viele von ihnen sind von zu Hause aus- und dann nach Augsburg gezogen.

Deshalb Vorsicht bei den Zahlen: Die beziehen sich immer auf die Menschen, die noch in dem jeweiligen Landkreis leben. In den Städten, in die viele junge Menschen zum Studieren ziehen, wohnen daher besonders viele junge Menschen, die bereits aus dem Elternhaus ausgezogen sind. Oder, wie Leibert es ausdrückt, in den Städten sinke „der relative Anteil der im Haushalt der Eltern lebenden erwachsenen Kinder durch die große Zahl von Zuziehenden aus anderen Regionen, unabhängig vom Auszugsverhalten der Einheimischen“.

Um verlässliche Daten zu haben, die sich auch auf die einzelnen Landkreise herunterbrechen lassen, griff Leibert auf Daten der Volkszählung von 2011 zurück. Die Daten des Mikrozensus werden zwar jährlich erhoben, aber sind auf einzelne Landkreise bezogen nicht mehr repräsentativ.

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