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Kirche

14.05.2020

Wofür steht der neue Bischof Bertram Meier?

Dr. Bertram Meier wird am 6. Juni zum Augsburger Bischof geweiht.
Bild: Nicolas Schnall, pba

Plus Lange musste Bertram Meier wegen des Virus auf seine Weihe warten. Anfang Juni ist es nun soweit. Was Katholiken von ihrem Oberhirten erwarten können.

In wenigen Wochen wird Prälat Bertram Meier zum Augsburger Bischof geweiht – doch wofür steht er eigentlich? Noch vor seiner Weihe, die wegen der Corona-Pandemie vom 21. März auf den 6. Juni verschoben wurde, lässt sich das recht genau sagen. Es lässt sich sogar eine erste Bilanz ziehen, wie er das Bistum mit seinen knapp 1,3 Millionen Katholiken bislang führte. Denn das tat er – seit Anfang Juli 2019 als Diözesanadministrator, als Bistumsleiter in der „bischofslosen Zeit“ also. Danach seit Ende Januar als ernannter Bischof, der Ende März zudem zum Apostolischen Administrator ernannt wurde. Ein Amt, das den Noch-nicht-Bischof Meier schon mit allen Rechten eines Diözesanbischofs ausstattete.

Im Unterschied zu seinem Vorgänger Konrad Zdarsa meldete sich Meier bereits häufig zu Wort – und wurde bundesweit wahrgenommen. Das innerkirchliche Echo sowie Reaktionen aus der breiten – auch medialen – Öffentlichkeit fielen ganz überwiegend positiv aus. Und noch etwas bestätigte sich: Meier kann nicht in die verbreiteten Kategorien „katholisch-konservativ“/„reformorientiert“ einsortiert werden. Er sucht die Mitte – und will Mittler sein. Auch auf weltkirchlicher Ebene, wo er künftig zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan vermitteln möchte. Mitte bedeutet in seinem Fall allerdings nicht fehlenden Mut zu klaren Positionen.

Bertram Meier: „Ich will keine Exzellenz sein“

So betonte er mehrfach, er stehe hinter den wegen der Corona-Krise verhängten Gottesdienstverboten – zum Missfallen mancher katholischer Hardliner wie jüngst Kardinal Gerhard Ludwig Müller oder der strenggläubigen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Müller hatte zudem einen Aufruf unterzeichnet, der die Pandemie als Vorwand betrachtet, eine „verabscheuungswürdige technokratische Tyrannei“ zu errichten. Bertram Meier widersprach ihm scharf: „Hier von einer Weltverschwörung zu reden, empfinde ich geradezu als zynisch“, sagte er. Indirekt reagierte Müller in der katholischen Zeitung Die Tagespost auf derartige Kritik. Der Kardinal sagte: Für manche sei der Aufruf „das gefundene Fressen, um mit absurden Anwürfen und Unterstellungen Empörungsbedürfnisse abzureagieren und sich wechselseitig zu bestätigen“.

Meier wird diese Aussage nicht gelten lassen. Er hat klare Positionen, steht zu ihnen – und dürfte deshalb durchaus auch einmal anecken.

Das lässt ebenfalls eine Kritik erahnen, die nicht an ihn persönlich gerichtet wurde – ihn aber mit meinte. Ende März weihte Meier das Bistum Augsburg der Gottesmutter Maria, was er unter anderem mit „der ganz besonderen Situation“ begründete, die sich aus der Corona-Pandemie ergebe. Julia Knop, katholische Theologie-Professorin an der Universität Erfurt, stellte daraufhin infrage, ob „die Weihe ganzer Bistümer an das Herz der Gottesmutter, Generalabsolutionen und Ablässe im Jahr 2020 angemessene und tragfähige kirchliche Reaktionen auf die Corona-Krise sind“. Nicht wenige Katholiken seien „ernsthaft verstört angesichts des Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert“.

Ein Blick auf Meiers Positionen:

Selbstverständnis

„Ich will keine Exzellenz sein. Auch als Bischof bin ich im Volk Gottes“, sagte er gleich in einem der ersten Interviews nach seiner Ernennung. Monate zuvor lautete sein erster Appell als Diözesanadministrator, dass im Bistum Augsburg das Miteinander gestärkt werden solle, da es „auch Nebeneinander oder gar Gegeneinander“ gebe. Unter den Bischöfen Mixa und Zdarsa war es zu Kontroversen zwischen reformorientierten und katholisch-konservativen Gruppen gekommen. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt – auch dank Meier.

Ökumene

Der ernannte Bischof steht seit Jahren besonders für das Thema Ökumene. Bei allen Unterschieden zwischen katholischer und evangelischer Kirche betont er das Gemeinsame. An Ostern ging er mit Axel Piper, dem Regionalbischof des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Augsburg und Schwaben, für ein Videoformat spazieren. Sie redeten über Gott, die Welt und Corona – und duzten sich dabei.

Frauenpriestertum

Meier hält Priesterinnen für unrealistisch. Er verweist dabei auf Papst Johannes Paul II., der klar gesagt habe, es sei endgültig festgelegt, dass Frauen nicht die Priesterweihe empfangen.

Zölibat

Für Meier ist die priesterliche Ehelosigkeit, der Zölibat, „eine segensreiche Lebensform“. Infragestellen wolle er sie nicht.

XXL-Pfarreien

Meier lehnt Großpfarreien ab. Er setzt auf eine „Beziehungsnetz-Kirche“. Was er damit meint? Er kann sich angesichts des Priestermangels zum Beispiel vorstellen, „auch andere Gottesdienstformen“ zuzulassen und engagierte Katholiken stärker mit einzubeziehen – etwa bei sonntäglichen Wort-Gottes-Feiern. Mit Blick auf die Wochen des Lockdowns erklärte er: „Rückkehr in die Normalität“ solle nicht dazu führen, Seelsorge in den gewohnten ausgetretenen Bahnen zu praktizieren. Das legt nahe, dass er moderne und digitale Formen von Seelsorge und Verkündigung fördern wird. Er selbst ließ seine Gottesdienste streamen oder sich auf Facebook von Nutzern befragen. Zudem wird er anstreben, dass seine Seelsorger und er bei Gläubigen wie Nicht-Gläubigen (noch deutlich) präsenter werden.

Synodaler Weg

Den Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland zwischen engagierten Laien und Bischöfen betrachtet Meier als „geistliches Experiment“: „Es kann explodieren, es kann aber auch zu harmonischen Lösungen führen.“ Ob am Ende tatsächlich die von vielen erhofften und erwarteten Reformen stehen, etwa in den Bereichen kirchliche Sexualmoral oder Frauen in kirchlichen Ämtern, sieht er realistisch: Es sei offen, ob und in welcher Weise die einzelnen Bischöfe für ihre Diözesen die Beschlüsse umsetzen würden, sagte Meier.

Missbrauch

Am 13. März wurde Meier von Ministerpräsident Markus Söder vereidigt – und sparte in seinem Redemanuskript das Thema Missbrauch nicht aus. Darin hieß es, dass „jeder körperliche, psychische oder sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (durch Kleriker) ein Missbrauch zu viel und durch nichts zu rechtfertigen ist“. Die Bearbeitung dieses Themas durch die Kirche sei längst nicht zu Ende. Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln lehnte er ab.

Kirchenfinanzierung

Wie er zur Kirchensteuer steht, hat Meier noch nicht ausführlich dargelegt. Für eine Ablösung der sogenannten Staatsleistungen – in Bayern fallen darunter unter anderem die Bischofsgehälter – zeigte er sich jedoch offen. Unter Staatsleistungen versteht man die jährlich gezahlten Millionensummen der Bundesländer an die Kirchen – als Ausgleich für Enteignungen kirchlichen Eigentums im Rahmen der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts.

Personalien

Besonders die Ernennung der 53-jährigen Pastoralreferentin Angelika Maucher zu seiner Nachfolgerin in der Leitung des Seelsorgeamtes hat Signalwirkung: kein Priester, sondern eine Frau, in einem Bereich, den er als den „Augapfel eines Bischofs“ bezeichnete.

Eine andere wichtige Personalie wird sein, wen Meier zu seinem Generalvikar ernennen wird – und damit zu seinem „alter ego“. Wird es wieder Harald Heinrich, der bereits unter Konrad Zdarsa Generalvikar war? Den hat Meier schon zu seinem Ständigen Vertreter als Apostolischer Administrator bestellt. Ein Generalvikar ist unter anderem oberster Dienstvorgesetzter aller diözesanen Mitarbeiter.

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