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Zehn Jahre "Problembär" Bruno
20.06.2016

Wieso Bär Bruno in Bayern heute kein anderes Schicksal finden würde

Der präparierte Bär Bruno steht heute im Museum. Vor zehn Jahren wurde er in Bayern von Jägern erschossen.
Foto: Peter Kneffel/dpa

Vor zehn Jahren erlegten Jäger den wilden Braunbären Bruno. Jetzt steht er im Museum. Auch heute können Wildtiere in Bayern noch kaum angesiedelt werden. Das Problem: der Mensch.

Der erste Bär, der 171 Jahre nach der Ausrottung wieder Deutschland betrat, wurde weltweit beachtet - weit über die Bundesrepublik hinaus erregte Bruno die Gemüter. Die Häscher des damals berühmtesten Bären der Welt aber wurden zu Hassfiguren: Mehr als eine Morddrohung erreichte die Verantwortlichen der bayerischen Staatsregierung für den Abschussbefehl.

Zehn Jahre, nachdem am 26. Juni 2006 an der Kümpflalm an der Rotwand mehrere Schüsse die Stille der frühen Morgenstunden zerrissen, sind die Jäger des damals berühmtesten Bären der Welt ein bis heute streng gehütetes Geheimnis. Dass die Namen nicht veröffentlicht wurden, scheint aus Sicherheitsgründen für die Jäger bis heute sinnvoll. Denn Ärger und Hass über die Tötung des Tiers wabern bis heute durch die sozialen Netzwerke.

Noch zwei Tage vor der Ankunft des offiziell als JJ1 bezeichneten Braunbären rief der damalige bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) ein herzlich gemeintes "Willkommen" aus. Der längst aus der Politik ausgeschiedene Schnappauf ahnte damals ganz offensichtlich ebenso wenig wie sein Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), dass ein Braunbär nicht immer ein kuscheliger Gast ist.

Bei Bruno war das Problem ein Mix aus Hunger und fehlender Menschenscheu. Der Bär plünderte, wo er nur konnte. Weder Schafe auf Almweiden noch Bienenstöcke oder Kaninchenställe waren vor ihm sicher. Selbst das Meerschweinchen eines Mädchens schluckte er auf seiner Räubertour hinunter.

Ministerpräsident Stoiber sprach vom "Problembär" Bruno

Während sich damals alle auf das Sommermärchen 2006 vorbereiteten, wurde das Naturmärchen der Bärenrückkehr für Schnappauf zur Schauergeschichte. Vor allem das furchtlose Eindringen auf vom Menschen besetztes Terrain machte Sorgen. Bruno plünderte unmittelbar neben Häusern, er besuchte sogar eine zur Nachtzeit verlassene Polizeistation.

"Der Bär ist offensichtlich außer Rand und Band", äußerte Schnappauf daraufhin. Ministerpräsident Stoiber sprach das Wort "Problembär" aus. Drei unbekannte bayerische Jäger beendeten schließlich das Tierdrama.

Obwohl in den Nachbarländern Bären leben, folgte dem inzwischen ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur ausgestellten Bruno bislang kein Bär mehr nach Bayern. Ändern kann sich das aber jederzeit. Eine Sprecherin des bayerischen Landesamts für Naturschutz verweist darauf, dass von den wie einst Bruno im italienischen Trentino lebenden 60 Bären immer wieder einzelne abwandern.

Ein zunächst herzliches Willkommen wie 2006 dürfte der erste Bär nach Bruno allerdings nicht erwarten. Inzwischen gibt es einen damals noch fehlenden Managementplan für Bären, ein neuer Problembär dürfte schneller abgeschossen werden. Doch auch wenn es ein sich völlig arttypisch verhaltender Braunbär wäre, dürfte ihm das Leben schwer gemacht werden.

Nicht nur Bären, auch Luchse und Wölfe sind oft nicht akzeptiert

Der im Berchtesgadener Land für die dortigen Almbauern zuständige Kaspar Stanggassinger sagt, die Bauern und die Bevölkerung in der Bergregion sagten ganz klar nein zur Rückkehr des Bären. "In der heutigen Zeit ist kein Lebensraum mehr für das Tier." Heute gebe es Skifahren, Bergsteigen oder Mountainbiken, als Vieh seien Nutztiere angesiedelt worden. Wer die Rückkehr des Bären wolle, habe keine Ahnung von diesen Realitäten.

Das Landesamt für Umwelt versucht, mit öffentlichen Veranstaltungen für die Akzeptanz von Bären, aber auch Luchsen und Wölfen zu werben - weitgehend erfolglos. So wurden seit 2010 in Bayern fünf Luchse ermordet, die Pläne zur Wiederansiedlung erhalten immer wieder neue Dämpfer. Für Bären gibt es erst gar keine Pläne zur gezielten Rückkehr. Ob ein neuer Bär sich dauerhaft ansiedeln könnte, zweifeln hinter vorgehaltener Hand deshalb auch bayerische Behördenvertreter stark an. AFP

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