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Bayern

24.06.2019

Zoff am Gartenzaun: Darüber ärgern sich Nachbarn in der Region

Manchmal genügt schon ein zu langer Ast, um einen Streit mit dem Nachbarn vom Zaun zu brechen. Zumeist geht es aber um Lärm.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Eine Umfrage zeigt: Viele Bayern liegen mit ihren Nachbarn im Clinch. Eine Suche nach den Gründen – und besonders skurrilen Auseinandersetzungen in der Region.

Lärm, Schmutz, und vielleicht auch persönliche Befindlichkeiten. Gründe für einen Streit mit dem Nachbarn gibt es genug – und die kommen gar nicht so selten vor. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hat herausgefunden: Vier von zehn Bayern, genau 39,2 Prozent der Bevölkerung, hatten schon einmal Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn.

Oft geht es dabei um Lärm. Elf Prozent der insgesamt 4000 Befragten gaben an, sich deshalb schon einmal mit ihren Nachbarn gestritten zu haben. Mit deutlichem Abstand folgt der Garten: Der ist in 5,4 Prozent der Fälle Grund für Zwist. Falsch geparkte Autos und mangelnde Sauberkeit sind hingegen eher selten, nämlich in 3,6 beziehungsweise knapp einem Prozent der Fälle, Auslöser für Streit. Doch abseits davon finden sich viele weitere Gründe, die zwar seltener vorkommen, aber umso skurriler sind.

So landete kürzlich ein Mann aus Augsburg vor Gericht, weil ihm seine Nachbarin Sachbeschädigung vorwarf. Der Grund: Er soll Brennholz im Wert von 80 Euro durchnässt haben. Juristisch gesehen eine Lappalie, für die Frau aber Grund genug, vor den Richter zu ziehen. Ihre Anzeige wirkte wie ein Gegenangriff. Denn der Nachbar hatte zuerst Anzeige erstattet – wegen eines Blechdachs, das die Frau angeblich entfernt hatte, weil es über die Grundstücksgrenze hinausragte. Über das Dach lief das Wasser wohl auf das Holz der Nachbarin. Das Gericht stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein.

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In Bayern gibt es eine juristische Besonderheit

Grenzstreitigkeiten wie diese kommen oft vor, erklärt Miriam Holzmann, Fachanwältin für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in Augsburg: „Meistens geht es um überhängende Äste oder Überbauten, die auf das Grundstück des Nachbarn ragen.“ Solche Kleinigkeiten sind der 40-Jährigen zufolge aber selten der wirkliche Grund für langjährige Auseinandersetzungen. „Dafür gibt es andere Gründe, die länger zurückliegen.“ Und bringen Gerichtsprozesse wieder Frieden in die Nachbarschaft? „Grundsätzlich kann das schon helfen. Die gegenseitige Abneigung besteht aber weiterhin“, sagt sie.

Wer sich jetzt in Gedanken schon Anzeige gegen seinen verhassten Nachbarn erstatten sieht, sollte jedoch eines beachten: In Bayern gibt es eine juristische Sonderregelung, das obligatorische Schlichtungsverfahren. Bevor ein Streit zwischen Nachbarn vor Gericht landet, müssen beide Parteien einen Schlichter, oft ein Anwalt, einschalten und nach einer Lösung suchen. „Meiner Erfahrung nach sind die meisten Schlichtungen aber nicht erfolgreich“, sagt Holzmann. Dann landet der Streit vor Gericht.

So auch der Fall aus dem Landkreis Dillingen. Dort wurde einem Landwirt vorgeworfen, die Haustiere aus der Nachbarschaft totzuschlagen. Das leugnete er zwar, räumte aber ein, früher durchaus bereits Katzen getötet zu haben. Einmal legte er sogar ein totes Tier auf das Auto seiner Nachbarin. In einem anderen Fall hatte der Landwirt eine Katze erschossen, um zu beweisen, dass sie sich auf seinem Grundstück herumtrieb. Wieso er nicht einfach ein Foto von dem Tier machte? „Ich hab’s halt geschossen. Das konnte ich besser als fotografieren“, sagte er vor Gericht.

Motorsensen im Ries, Silo-Mauern in Illertissen

Im Vergleich dazu ist ein Nachbarschaftsstreit in Asbach-Bäumenheim (Kreis Donau-Ries) vergangene Woche glimpflich ausgegangen. Ein erboster Rentner war mit einer Motorsense auf einen 18-Jährigen losgegangen und verletzte den jungen Mann an Armen und Beinen. Weniger gewalttätig, dafür umso kreativer gipfelte ein Zoff in Illertissen. Dort hatten sich Anwohner über den Geruch eines landwirtschaftlichen Anwesens beschwert. Daraufhin stapelte der Landwirt Silageballen zu einer mehrere hundert Meter langen und 2,5 Meter hohen Wand auf. Die Freude über die neue Sehenswürdigkeit in der Stadt hielt sich nicht nur bei den Nachbarn in Grenzen.

Auch wenn es angesichts der Beispiele nicht so wirkt: Insgesamt sind die Bayern zahmer als die Menschen in anderen Bundesländern. Das zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa: Demnach liegt die Streitlust der Bayern unter dem bundesweiten Schnitt – 46 Prozent der Deutschen waren schon einmal in einen Nachbarschaftsstreit verwickelt. Besonders gerne geraten offenbar die Norddeutschen (54 Prozent) mit ihren Nachbarn aneinander.

Lesen Sie auch: Nachbarschaftsstreit verhindert Blühstreifen in Kriegshaber

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