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Angriff auf Bahn-Mitarbeiter Serkan C.: Die Angst fährt bei Zugbegleitern immer mit

Tödliche Attacke im Zug

„Kollegen fühlen sich nicht mehr sicher“: Zugbegleiter aus Bayern äußert sich nach tödlichem Angriff

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    Trauer am Bahnhof in Landstuhl: Schaffner Serkan C. wurde im Zug von einem Fahrgast schwer attackiert. Mittlerweile ist er tot.
    Trauer am Bahnhof in Landstuhl: Schaffner Serkan C. wurde im Zug von einem Fahrgast schwer attackiert. Mittlerweile ist er tot. Foto: Patrick von Frankenberg, dpa

    An diesem Freitag bekommt Michael Korte seine Bodycam und die Schulung, wie er die Körperkamera richtig einsetzen soll. Der 54-jährige Zugbegleiter hofft dann auf ein Stück mehr Sicherheit im Dienst, darauf, dass er mit einem besseren Gefühl in der Bahn unterwegs ist. Gerade in den Abendstunden, gerade auf den Strecken von Kempten nach Ulm oder München seien viele Kollegen mit einem mulmigen Gefühl unterwegs, sagt Korte. Auch ihm geht es manchmal so. Von anderen Zugbegleitern hat er gehört, dass eine Bodycam in manchen Fällen deeskalierend wirken könne. „Aber wenn jemand aggressiv ist, weiß ich natürlich auch nicht, ob ihn die Kamera abschreckt“, sagt Korte.

    Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz ist die Fassungslosigkeit groß. Michael Korte, der seit 2020 bei der DB Regio Allgäu arbeitet, ist noch immer geschockt, genauso wie viele seiner Kollegen, mit denen er in den vergangenen Tagen gesprochen hat. Weil den Zugbegleitern klar wird, dass die Gefahr immer mitfährt, dass es letztlich jeden treffen kann.

    Der Fall, der Deutschland fassungslos macht, hat sich am Montagabend in Rheinland-Pfalz ereignet. Serkan C. kontrolliert in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl und Homburg einen allein reisenden Mann, der kein gültiges Ticket hat. Der 36-Jährige fordert den Schwarzfahrer – einen 26-jährigen Griechen – auf, den Zug beim nächsten Halt in Homburg zu verlassen. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlägt der Schwarzfahrer Serkan C. daraufhin unvermittelt und mehrmals heftig mit den Fäusten gegen den Kopf. Der Zugbegleiter verliert das Bewusstsein, muss reanimiert werden und stirbt anderthalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache, wie aus dem Obduktionsbericht hervorgeht: eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Gegen den 26-Jährigen ergeht Haftbefehl wegen Totschlags.

    Zugbegleiter Michael Korte sagt: Das Unbehagen, das schlechte Gefühl, sei in den vergangenen Jahren bei vielen gestiegen.
    Zugbegleiter Michael Korte sagt: Das Unbehagen, das schlechte Gefühl, sei in den vergangenen Jahren bei vielen gestiegen. Foto: Sammlung Korte

    Dass man als Schaffner angepöbelt und beschimpft wird, wenn man einen Schwarzfahrer vor die Tür setzt – das hat Michael Korte schon erlebt. Ein tätlicher Angriff war zum Glück noch nicht darunter. Für viele Zugbegleiter gehört das aber mittlerweile zu ihrem Arbeitsalltag. Das zeigen auch die Zahlen der Deutschen Bahn. Danach nehmen die Übergriffe auf Mitarbeiter seit Jahren zu, die Hemmschwelle sinke kontinuierlich, heißt es. Im vergangenen Jahr gab es der Bahn zufolge mehr als 3000 Angriffe, ungefähr acht pro Tag. Die Hälfte der Attacken richtet sich laut Bahn gegen Beschäftigte im Regionalverkehr, Sicherheitskräfte seien in gut einem Drittel der Fälle betroffen. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte an Bahnhöfen würden angegangen.

    Jeden Tag gibt es acht Angriff gegen Zugbegleiter oder Bahn-Mitarbeiter in Deutschland

    Ein Schaffner, totgeprügelt von einem Schwarzfahrer bei der Ticketkontrolle: Es ist ein Fall, wie es ihn hierzulande noch nie gab. Bahn-Chefin Evelyn Palla spricht von einem „tragischen Tod“, der „fassungslos und traurig“ mache. „Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum kommt es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen?“ Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, sieht nach der Attacke eine „neue, schlimme Qualität“ erreicht. „Der Kollege hat keinen Fehler gemacht, soweit wir wissen, ist behutsam vorgegangen und ist am Ende seinen schweren Kopfverletzungen erlegen, obwohl es noch Hilfe im Zug gab“, sagt Burkert. Eine Umfrage der Gewerkschaft unter Bahn-Mitarbeitern habe ergeben, dass 32 Prozent Angst hätten, in die Arbeit zu gehen. „Das ist ein unglaublich hoher Wert.“

    Bisher sind vor allem Polizisten mit Bodycams ausgestattet. Doch auch Bahn-Mitarbeiter fordern den verstärkten Einsatz.
    Bisher sind vor allem Polizisten mit Bodycams ausgestattet. Doch auch Bahn-Mitarbeiter fordern den verstärkten Einsatz. Foto: Monika Skolimowska, dpa

    Michael Korte führt als Betriebsrat und Schwerbehindertenvertreter viele Gespräche mit Kollegen. Er kennt Zugbegleiter, die aus genau diesem Grund gekündigt haben. „Die haben gesagt: Das mache ich nicht mehr mit“, berichtet er. Andere seien nach Übergriffen monatelang ausgefallen. Das Unbehagen, das schlechte Gefühl, sei in den vergangenen Jahren bei vielen gestiegen, erzählt er. „Wir haben ja überwiegend Schichten, wo wir allein auf dem Zug sind“, sagt Korte. Die Gewerkschaft EVG fordert seit Jahren, dass Zugbegleiter nur noch in Doppelbesetzung unterwegs sein sollen. „Die einzelnen Kollegen fühlen sich nicht mehr sicher.“

    Korte hat vor sechs Jahren nach einem Arbeitsunfall zum Zugbegleiter umgeschult. Teil der mehrmonatigen Ausbildung war auch ein Deeskalationstraining, wo Angriffe auf die Schaffner simuliert werden. Doch auch das helfe nur bedingt, räumt Korte ein: „Jede Situation ist anders. Das kann man nicht trainieren.“

    EVG-Chef Burkert sagt: „Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten. Wir erwarten, dass die Politik jetzt sofort Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreift. So ein Fall darf sich niemals wiederholen.“

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