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Bauer AG will 500 Millionen Euro investieren und eine neue Rechtsform

Schrobenhausen

Bauer AG will 500 Millionen Euro investieren und keine AG mehr sein: Das steckt dahinter

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    Die Bauer AG ist weltweit aktiv, wenn es um Tiefbau geht. Nun soll eine neue Rechtsform schnellere Entscheidungen möglich machen.
    Die Bauer AG ist weltweit aktiv, wenn es um Tiefbau geht. Nun soll eine neue Rechtsform schnellere Entscheidungen möglich machen. Foto: Bauer AG

    Der Schrobenhausener Tiefbauspezialist Bauer ist weltweit vor Ort, wenn technische Kompetenz gefragt ist. Das Unternehmen ist beim Bau von U-Bahn-Stationen in Kairo nahe den Pyramiden genauso dabei wie bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München. Gleichzeitig hat Bauer auch eine unruhige Zeit hinter sich: Der Haupteigentümer hat gewechselt, das Führungspersonal wurde mehrmals ausgetauscht, rote Zahlen liegen noch nicht lange zurück. Mittlerweile sieht es besser aus. „Die Bauer AG hat sich finanziell und wirtschaftlich stabilisiert“, sagt Aufsichtsratschef Professor Peter Bömelburg. Bauer will jetzt die Weichen stellen, um den Kurs abzusichern. Dafür sollen bis 2030 500 Millionen Euro investiert werden. Zudem soll das Unternehmen eine neue Rechtsform bekommen.

    Im Geschäftsjahr 2025 hat Bauer vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rund 234,7 Millionen Euro Gewinn (Ebitda) geschrieben, ein Plus von fünf Prozent. Nach Steuern steht ein Gewinn von 12,5 Millionen Euro, 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Nettoschulden sind nach Unternehmensangaben um 28 Prozent auf 293 Millionen Euro gesunken. Dies seien „sehr gute Nachrichten“, kommentierte Aufsichtsratschef Bömelburg. „Das Unternehmen geht jetzt in seine nächste Entwicklungsphase.“

    Unterstützung der Familie Doblinger als Mehrheitsaktionärin

    Die Pläne sehen vor, bis 2030 eine halbe Milliarde Euro zu investieren. Bauer will sich damit fit machen für härtere Zeiten. „Wir stehen in Europa wie auch in der Welt vor einem Wendepunkt, die Zeiten sind geopolitisch und wirtschaftlich herausfordernd, die Energiepreise hoch“, kommentierte Bömelburg. Rund 270 Millionen Euro will das Unternehmen im Bereich Maschinen investieren. „Hardware lebt heute von KI, von Digitalisierung und Vernetzung“, sagt er. Zudem sollen weitere Kunden- und Servicecenter gebaut werden. Der Konzern will seine Präsenz in Italien, England und den USA ausbauen. Insbesondere aber werde auch der Heimatstandort gestärkt: In Aresing bei Schrobenhausen baut Bauer derzeit eine neue Produktionshalle, eine Logistikhalle und ein Trainingscenter. „Die Investitionen sind ein klares und langfristiges Bekenntnis zum Standort“, versichert Bömelburg.

    Die Mittel sollen großteils aus dem laufenden Geschäft – dem Cash-Flow – finanziert werden. Denkbar sei auch eine moderate Erhöhung der Kredite. „Wir haben das klare Bekenntnis der Familie Doblinger als Mehrheitsaktionär“, betonte er. Die Familie Doblinger – bekannt durch das Bauunternehmen Dibag in München – hält seit 2023 die Mehrheit an der Bauer AG. Derzeit arbeiten 10.500 Beschäftigte weltweit für das Unternehmen, dies soll sich nicht ändern. Änderungen sind allerdings bei der Rechtsform geplant.

    Erhofft sich mehr „mittelständische Schlagkraft“ durch die Umwandlung in eine KG auf Aktien: Professor Peter Bömelburg, Aufsichtsratschef der Bauer AG.
    Erhofft sich mehr „mittelständische Schlagkraft“ durch die Umwandlung in eine KG auf Aktien: Professor Peter Bömelburg, Aufsichtsratschef der Bauer AG. Foto: Bauer AG

    Aus der Bauer AG in Schrobenhausen soll eine KGaA werden

    Die Pläne sehen vor, aus der bisherigen Aktiengesellschaft eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) zu machen. „Wir erhoffen uns dadurch mehr mittelständische Schlagkraft und wollen wegkommen von der lähmenden Struktur, die man von Kapitalgesellschaften an der Börse kennt“, sagt Bömelburg, der selbst lange Jahre geschäftsführender Partner und Mitgesellschafter der Nürnberger Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl war und viele Mittelständler betreut hat. Die Entscheidungswege bei Bauer sollen schlanker und schneller werden.

    Eine KGaA ist in Deutschland eine seltenere Rechtsform, die unter anderem mehrere Fußballvereine, aber auch einige Dax-Konzerne wie Henkel nutzen. Die KGaA gibt den haftenden Gesellschaftern – den sogenannten Komplementären – mehr Rechte. „Für die Bauer-Aktionäre wird sich aber nichts ändern“, betont Bömelburg. „Es gibt weiter eine Hauptversammlung, die Aktionäre behalten ihre Anteile, es wird auch kein Abfindungsangebot geben.“ Der Aufsichtsrat bekomme weiter die Strategie des Unternehmens vorgelegt, die Zusammensetzung aus sechs Vertretern der Arbeitgeber- und sechs Vertretern der Arbeitnehmerseite bleibe bestehen. 

    Die Hauptversammlung der Bauer AG muss den Beschluss am 29. Juli treffen

    Für Mitarbeitende hätte ein möglicher Rechtsformwechsel keine Auswirkungen auf bestehende Arbeitsverhältnisse, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Mitbestimmungsrechte, teilte das Unternehmen mit. Die Entscheidung über die neue Rechtsform müsse die Hauptversammlung am 29. Juli treffen.     

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