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Darum schlägt Söder Ilse Aigner gerade jetzt als Bundespräsidentin vor

Bundespräsidentenwahl

Soll die Rivalin aus dem Weg? Darum schlägt Söder Ilse Aigner als Bundespräsidentin vor

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    Markus Söder spricht sich für Ilse Aigner als Bundespräsidentin aus. Doch offiziell hat sie ihren Hut noch nicht in den Ring geworfen.
    Markus Söder spricht sich für Ilse Aigner als Bundespräsidentin aus. Doch offiziell hat sie ihren Hut noch nicht in den Ring geworfen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archivbild)

    Markus Söder spricht gern in Fußball-Metaphern - und nun lautet die Frage: Ist dem CSU-Chef ein veritabler Franz-Beckenbauer-Gedächtnispass gelungen oder hat er eher in der Not einen rustikalen Befreiungsschlag fabriziert? Fest steht: Söder hat viele überrascht. Via Münchner Merkur teilte der Parteichef mit, was er bislang vermieden hat - nämlich, dass er Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) unterstützt, falls diese Bundespräsidentin werden will. „Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung“, sagte Söder.

    Söders Vorstoß hat Ilse Aigner überrascht

    Die Adressatin der Vorlage hat - so hört man es in München - mit Söders Steilpass zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. Auf jeden Fall denkt sie im Moment gar nicht daran, nun loszuspurten. Zu groß ist die Furcht, im Abseits zu landen. Schließlich lehrt die Erfahrung: Kandidaten, die zu früh genannt werden, haben am Ende keine Chance. Offiziell klang das dann am Freitag so. „Die Landtagspräsidentin wird sich weiterhin nicht an Personal-Spekulationen um die Nachfolge des Bundespräsidenten beteiligen - auch dann nicht, wenn ihr eigener Name fällt.“

    So oder so ähnlich äußert sich Aigner seit gut einem Jahr und der 30. Januar 2027 rückt immer näher. An diesem Tag soll die Bundesversammlung die Nachfolgerin oder den Nachfolger des SPD-Politikers Frank Walter Steinmeier wählen und Bayerns Landtagspräsidentin wird hartnäckig als mögliche Kandidatin gehandelt. Diesmal wird wieder die Union den Posten für sich beanspruchen und zudem gilt als unstrittig, dass es höchste Zeit für eine Frau im höchsten Amt der Republik ist. Die mit CDU-Chef Friedrich Merz befreundete Aigner hat sich in Bayern und Berlin Ansehen über die Parteigrenzen hinweg erworben und würde sich den Job zutrauen. Sie wäre nicht nur die erste Frau, sondern auch das erste CSU-Mitglied als Staatsoberhaupt.

    Bundespräsidenten-Wahl: Aigners Angst vor dem Abseits

    Eine noch nie da gewesene Ehre für die bayerische Regionalpartei also, doch ausgerechnet deren Chef Söder wollte bislang seinen Segen nicht geben. Nun ist er doch vorgeprescht, der Ball liegt bei Merz – und der spielt erst mal auf Zeit: „Ich habe vor, mich mit den Parteivorsitzenden der SPD und der CSU dazu im Herbst zu verständigen. Und bis dahin nehme ich Vorschläge mit Interesse zur Kenntnis“, sagte er am Freitag.

    Der Zeitpunkt jedenfalls war sicher kein Zufall. Wie Söder überhaupt selten etwas dem Zufall überlässt. Erst recht dann nicht, wenn es um ihn selbst geht. Und genau das glauben viele Parteifreunde. „Er brauchte einen Befreiungsschlag in eigener Sache, um die seit Wochen schwelende interne Kritik abzufangen“, sagt ein einflussreicher CSU-Mann und fügt hinzu: „Es wäre ein Signal an die eigenen Leute, dass er nicht nur seine eigene Karriere im Kopf hat.“ Hintergrund: Wird Aigner Bundespräsidentin, wären Söders immer wieder mal aufflackernde Kanzlerambitionen endgültig erledigt. Bei allem vor sich her getragenen bayerischen Selbstbewusstsein ist dem 59-Jährigen klar, dass gleich zwei CSU-Leute in den wichtigsten politischen Ämtern im Rest der Republik unvermittelbar wären.

    In Bayern aber wäre Ilse Aigner aus dem Weg. Die 61-Jährige gilt im Moment als einzige Person in der CSU, die Söder ersetzen könnte, falls der parteiinterne Unmut sich weiter hochschaukeln und in einen offenen Aufstand umschlagen sollte. In der Vergangenheit hat Aigner den Machtkampf mit Söder gescheut. Wechselt sie ins Schloss Bellevue, wären beide dem Showdown elegant aus dem Weg gegangen. Setzt sich Aigner innerhalb der Union nicht als Kandidatin durch, haben Kanzler Merz und seine CDU den schwarzen Peter - solange Söder glaubhaft machen kann, er habe nur entschlossen genug für seine Parteifreundin gekämpft.

    Bundespräsidentin: Theo Waigel traut Ilse Aigner das Amt zu

    Der Vorstoß des CSU-Chefs stößt, was selten genug ist, sogar bei Bayerns Grünen auf Beifall. „Ilse Aigner wäre eine gute Bundespräsidentin“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze, Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl spricht von einem „sehr charmanten Vorschlag“. Sein CSU-Kollege Klaus Holetschek sagt: „Sie wäre eine gute Bundespräsidentin: nahbar, bodenständig und verbindend“. Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel traut Aigner zu, „das Amt des Staatsoberhauptes mit Klugheit und Wärme auszufüllen. Als Landtagspräsidentin hat sie gezeigt, wie man unparteiisch die auseinanderstrebenden Kräfte in unserer Demokratie zusammenhalten und zusammenführen kann“, sagte Waigel unserer Redaktion. Aber nicht nur in Bayern gibt es viel Lob für Aigner. Profilierte Bundespolitiker wie Hubertus Heil (SPD) und CDU-Fraktionsvize Sepp Müller sind angetan, Müller versprach ihr gar „volle Rückendeckung“.

    Und so könnte es kommen wie auf dem Fußballplatz. Wenn am Ende ein Tor fällt, war noch jeder Befreiungsschlag ein Traumpass.

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