Wer zählt zu den bayerischen Kabarettisten, die man unbedingt einmal erlebt haben muss? Wer folgt heute den Spuren von Gerhard Polt und Karl Valentin? Wer ist der nächste Michael Mittermeier? Diese sieben Kabarettisten und Comedians aus Bayern sollten Sie kennen.
Maxi Schafroth aus Stephansried, Schwaben
Wer am Nockherberg predigen darf, der ist im Olymp der Kabarettisten angekommen. Starkbieranstich in München, das Traditionsfest der Satire – und Maxi Schafroth hat dort gleich zweimal als Fastenprediger gesprochen. Bis es knallte. Vor Markus Söders Augen ließ er es poltern: „Ihr seid’s keine Politiker, ihr seid’s hoch bezahlte Nebelmaschinen, und der Markus thront in der Mitte. Er hat seine Berufung gefunden: Discokugel. Er dreht sich um sich selber.“ Eine Predigt mit Folgen: Anpfiff, Rausschmiss – aber dass er damit seine Rolle als Prediger verlor, nahm Maxi Schafroth für die Pointe in Kauf.
Schafroth stammt aus Stephansried im Allgäu, ist ein Bauernsohn und das verschweigt er nicht. In seiner Bühnenrolle als CSU-Sonntagsredner im Trachtenjanker mokiert er sich über schwäbische Kauzigkeiten, über das Landleben und die Lage der Landwirtschaft. Für die Satire-Show „Extra3“ lauert Schafroth aber auch Spitzenpolitikern in Berlin auf. Schafroth, das Vielfachtalent: Er kann außerdem singen und ist Synchronsprecher – er steckt hinter der neuen Stimme von Pumuckl, dem bayerischsten aller Kobolde. Und wenn Schafroth nicht gerade spontan nach Grönland fliegt, um dort zum Spaß die Flagge der USA zu hissen, und damit einen internationalen Skandal auslöst (so wie im Januar 2026) – dann lieben die meisten Bayern den Berufs-Lausbub aus dem Allgäu. Info: www.maxischafroth.de.
Theresa Reichl aus Haunersdorf, Niederbayern
In jeder Pointe, die Theresa Reichl auf der Bühne reißt, steckt auch ein Appell, eine kleine Lektion – mit feministischem Wumms. Kein Wunder: Lehrerin wollte sie werden. Doch nach ihrem Studium ist Reichl, geboren 1996 in Haunersdorf, Niederbayern, schnell abgebogen vom Bildungsweg. Und zwar direkt auf die Comedy-Bühne. Über Sprache quatscht die studierte Germanistin aber weiter gerne. Von der Angst vor der „woken Sprachpolizei“ hält sie zum Beispiel gar nichts: „I bin Kabarettistin von Beruf, meint‘s ihr, i kann mei Maul halten?“
Das ist ihr Ton auf den Bühnen – sei es im „Vereinsheim Schwabing“ beim BR oder bei der „Ladies Night“ in der ARD. Dort redet sie ohne Selbstschutz und Schonung übers Frau-sein, Dick-sein, Lesbisch-sein – und über Literatur. In ihrem Podcast „Lesen ist schwul“ bespricht sie Bücher, von Romance-Schmökern bis Weltliteratur. Aber Reichl bleibt bodenständig in ihrer Wortwahl: Niedergang der deutschen Sprache? Panik vor dem Gendern? „Wenn ihr denkt‘s, es würd‘ uns allen besser gehen, wenn wir wieder reden würden wie Goethe damals, dann macht‘s doch!“, brüllt sie. „Also redet Hessisch!“ Info: www.teresareichl.com.
Martin Frank aus Hutthurm, Niederbayern
Bayerische Uniform? Trägt er gerne. Zum Beginn seiner Laufbahn als Kabarettist trat Martin Frank oft in Lederhosen und Janker auf. Typ netter Schwiegersohn, der aber mit den Augen wild kullern kann und liebevoll über das Leben auf dem Land lästert. Über seinen Job als Kirchenorganist und Standesbeamter zum Beispiel, aber auch über seine Eltern und das liebe Vieh am Hof zu Hause, in Niederbayern. „Vier Generationen unter einem Dach. In einem jeden Stockwerk stinkt‘s anders.“ Doch er sieht, wie langsam die Modernität ins Haus einzieht: „Mei Schwester backt nur no zuckerfrei. Und des Schlimme is: Ma siagts de Kuacha au a.“
Bayerisch hemdsärmelig? Dabei wollte Martin Frank doch Opernsänger werden. Dass das Mozarteum in Salzburg ihn abgelehnt hat, brachte ihn als Komödiant auf die Bühne. Und 2023 hatte er dann sein Coming-out als schwuler Mann – ganz beiläufig und mit Humor spricht er auch über diese Seite seines Lebens. Bayerisch, herzlich, selbstironisch. Info: www.martinfrank-kabarett.de.
Eva Karl Faltermeier aus Regensburg, Oberpfalz
Worüber reißt Eva Karl Faltermeier gerne Witze? Über ihren zweiten Vornamen zum Beispiel. Denn da hat sich ein männliches Element, also ein „Karl“ in ihren Künstlernamen eingeschlichen. Deshalb philosophiert die Frau mit der Denker-Brille auch so lässig über den aktuellen Stand der Emanzipation: „Manner? Für mi‘ die beste Erfindung nach Frauen. Noch vor Katzen“, sagt sie – im Slang der Oberpfalz.
Dass sie dabei so gar keine Miene verzieht, gehört zu ihrer Marke. Warum so ernst beim Spaß? Erfahrene Journalistin ist die Frau aus Regensburg eben auch. 2021 veröffentlichte sie ihr Buch „Der Grant der Frau. Geschichten einer unterschätzten Emotion“, in dem sie das Gefühl der weiblichen Wut aufarbeitet. Und dabei lästert sie auch über die Scheidung von ihrem Mann. Den hatte sie beim Schnapstrinken kennengelernt, nach „acht Rüscherln“. Zitat: „Es war eine super Ehe, weil er war entweder beim Schafkopfen, in da Oabat, beim Fußball oder am Heisl“. Ab 2023 moderierte sie ihre eigene Talkshow im BR. Der Name der Show? „Karlsplatz“. Info: www.eva-karl-faltermeier.de.
Freddy Ekué aus München, Oberbayern
Ein junger Mann stellt sich dem Publikum vor: „Mein ganzer Name ist Ekué Frédéric Ekouezoun-Ayih.“ Schweigen im Publikum, Fragezeichen auf allen Gesichtern. „Ja, so schauen da die meisten“, sagt der Comedian, und der ganze Saal lacht. Sein Name sei ja „eindeutig nicht Deutsch“ und deshalb klärt er gerne auf: „Ich bin ... Österreicher!“ – und damit landet Freddy Ekué schon die nächste Pointe, im Spiel mit den alten Klischees im Kopf.
„Mischgeburt“ nennt sich der junge Komiker, der in München aufgewachsen ist. Dort am Anna-Gymnasium, im Lehel, galt er noch als schüchterner Schüler. Dann folgten seine Lehrjahre bei Kabarett-Shows, in Comedy-Kellern und auf TV-Bühnen. Als Student hatte er auch noch als Model gearbeitet, doch seine Berufung wurde Comedy. Mit seinen Gags greift er jetzt Alltägliches auf, von ADHS-Diagnosen bis zum Trend zum Modetier Alpaka, aber vor allem witzelt er über Vorurteile und den Clash der Kulturen. Bis seine österreichische Mutter ihn bremst: „Gell, herst, Frédéric, dös kannst doch ned sagn!“ Er scheint seine Nische gefunden zu haben, seine Identität im Humor: „Ich bin ein deutsch-togolesischer Österreicher – aus Bayern“. Info: www.freddyekue.de.
Kathi Wolf aus Weißenhorn, Schwaben
Filmreifer Start für eine Comedy-Laufbahn: „Landrauschen“ hieß der Kinofilm, mit dem Kathi Wolf bekannt wurde. Die Komödie spielte in der schwäbischen Idylle rund um Weißenhorn – und sie die junge Heldin in der Sinnkrise. Eine Frau um die 30, Generation Langzeitpraktikum, kehrt von der Großstadt frustriert zurück aufs schwäbische Land. Ein Überraschungshit wurde dieser Heimatfilm, 2018 lief er sogar bei der Berlinale.
Aber Kati Wolf? Arbeitet heute vor allem als Humoristin, die auf der Bühne über den schwäbischen Kehrwochen-Blues lästert. Als Psychologin mit Bachelorabschluss gibt sie zudem Tipps fürs Überleben: „Also meine Tabletten sind der Knaller.“ Dann wagt sie eine Familienaufstellung der Bundesregierung und empfindet die Gesamtlage als „Kathistrophe“. Bei TV-Sendungen wie „Schwaben weiß-blau“ gibt sie sich aber wieder bayerisch-schwäbisch. Der Dating-Markt in ihrer Heimat? „Da stehst du als Frau ab 30 unter Beschuss“, sagt sie. Die Nachbarn bohren nach: keine Kinder? Warum noch ledig? „In Weißenhorn heiraten alle das Erstbeste. Oder das Letztmögliche.“ Info: www.instagram.com/kathiwolf__/.
Schlongonges (Lisa-Marie Fitz) aus Erlenbach am Main, Unterfranken
„Isch hab en leischde Dialekt“, sagt Schlongonges – als ob sie das ihrem Publikum noch erklären müsste. Die hören es doch selbst und zahlen auch gerne für diesen Sound: Sie, bürgerlich Lisa-Marie Fitz, ist bekannt für ihr breites Fränkisch, für chaotische Geschichten aus dem Alltag in und um Aschaffenburg, für spontane Comedy ohne festes Programm. Das Ergebnis nennt sie „lebendige Themaverfehlungen“. Was ihr Name bedeutet? Eine Freundin mahnte Fitz einmal: „Räum mal dei ganzes Schlembembes und Schlongonges fort.“ Und so war sie getauft.
Im Oktober 2024 gewann die Fränkin, Mutter einer Tochter, beim „NightWash Talent Award“ den Publikumspreis. Sie selbst nennt sich „eine alleinstehende Power-Maschine, die in ihren mitreißenden Geschichten schon öfter den Faden verloren hat, als deine Oma in ihrer gesamten Stricklaufbahn." Info: www.schlongonges.de.
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