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Corona-Pandemie
20.01.2022

Sind Kinder Virenschleudern? Studie aus Bayern liefert neue Erkenntnisse

Kitas und Schulen zu: Für Eltern wurde vor allem das erste Jahr der Pandemie zur Zerreißprobe. Bayerische Forscher haben das Infektionsgeschehen in einer großen Studie untersucht – und kommen zu dem Schluss: Kinder waren keine Treiber der Pandemie.
Foto: Uli Deck, dpa (Archivfoto)

Monatelang wurde untersucht, wie sich das Virus unter Kindern verbreitet. Nun liegen Ergebnisse der Studie "Corona Kids Bavaria" vor. Welches Fazit es gibt – und welches Problem.

Als im Frühling 2020 die Pandemie über das Land hereinbricht, gibt es zunächst mehr Fragen als Antworten. Welcher Weg der richtige sein würde – keiner weiß das damals so genau. Vor allem die Rolle der Kinder ist lange reichlich unklar. Mittlerweile sind fast zwei Jahre vergangen. Nun gibt es Antworten – die allerdings auch Schwachstellen haben.

In den vergangenen Monaten haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der sechs bayerischen Universitätskliniken untersucht, wie sehr das Virus unter Kindern grassiert, ob geöffnete Kitas und Schulen die Gefahr einer unkontrollierten Sars-CoV-2-Ausbreitung erhöhen und welchen Einfluss die Pandemie eigentlich auf die psychische Gesundheit der Kinder hat. Am Donnerstag wurden nun erste Ergebnisse der Studie „Covid Kids Bavaria“ vorgestellt.

Von rund 7000 PCR-Tests waren nur 13 positiv

„Unsere Quintessenz ist: Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass Kinder in der Pandemie bisher die Virenschleudern waren, für die sie manche Kolleginnen und Kollegen gehalten hatten“, sagt Prof. Dr. Christoph Klein, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde am LMU Klinikum München und einer der Studienleiter. Unter rund 7000 durchgeführten PCR-Tests bei Kindern und Betreuerinnen und Betreuern seien gerade einmal 13 positiv gewesen, sagt Klein. „Die Zahlen kommen sehr unspektakulär daher. Aber sie sind für uns alle auch beruhigend.“ Die Testungen wurden in drei Erhebungszeiträumen an rund 150 Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen im Freistaat durchgeführt, zuerst nach den Sommerferien 2020, dann im November und Dezember und schließlich im März 2021.

Das ist mittlerweile viele Monate her – und darin liegt auch, wenn man so will, die Schwachstelle der Studie. Denn das Virus hat sich seither mehrfach verändert, derzeit grassiert die besonders ansteckende Omikron-Variante „Wenn sich die Natur des Virus ändert, dann gilt auch, dass wir die Daten, die in früheren Wellen erhoben worden sind, natürlich nicht eins zu eins übertragen können“, räumt Klein ein. Man müsse das nun neu bewerten.

Kinder von Omikron nicht stärker betroffen

Auch Prof. Dr. Johannes Hübner, Abteilungsleiter für Infektiologie der Klinik für Kinderheilkunde am LMU Klinikum und weiterer Studienleiter, erklärt, dass sich durch die neuen Varianten viele Dinge geändert hätten – viele aber auch nicht. „Die Übertragungsweise ist die gleiche, die Maßnahmen, die wir ergreifen können, sind auch die gleichen.“ Bei jeder neuen Variante sei die Rolle der Kinder wieder in den Fokus gerückt, fährt Hübner fort. „Auch bei der Alpha-Variante wurde erst gesagt, dass Kinder mehr betroffen sind – was sich dann hinterher nicht bewahrheitet hat. Das gleiche wurde auch bei Delta gesagt und jetzt auch bei Omikron.“ Doch erste Daten aus England und den USA würden zeigen, dass Kinder von Omikron eben nicht stärker betroffen seien als Erwachsene, es gebe auch keine schwereren Verläufe. „Die Kinderkliniken in England und den USA laufen nicht über“, sagt Hübner.

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In der Studie wurde nicht nur untersucht, wie sehr sich das Virus unter Kindern verbreitet, sondern auch, wie sich die Pandemie auf deren Psyche ausgewirkt hat. Abschließende Daten dazu gibt es allerdings noch nicht, die rund 10.000 Fragebögen werden derzeit ausgewertet. Auch, wenn noch keine finalen Daten vorliegen, sagt Hübner: „Es ist uns glaube ich bewusster geworden, wie viele Kollateralschäden und Probleme wir bei den Kindern verursachen, wenn wir die Schulen und Kindergärten pauschal schließen. Da haben wir viel gelernt. Und da können wir jetzt auch auf Omikron besser reagieren.“

Schulen und Kitas sollen in den kommenden Wochen offen bleiben

Für Kinder sei die Pandemie eine enorme Herausforderung, sagt Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). „Denn gerade sie leben von sozialen Kontakten und sie benötigen Strukturen und Stabilität.“ Vor allem zu Beginn der Pandemie waren sie durch Schließungen von Schulen und Kitas besonders betroffen – weil man eben nicht wusste, wie stark sich dort das Virus verbreiten würde. Deswegen sei die Covid-Kids-Bavaria-Studie auch so wichtig gewesen. „Anhand der Rohdaten konnte uns die Studienleitung während der Laufzeit immer wieder ein Update geben“, sagt Sibler. Und so habe man auf Basis dieser Erkenntnisse die Frage nach Öffnungen und Schließungen immer wieder neu bewerten können. „In der Folge konnte auf weitere Schließungen verzichtet werden. Das war auch dringend notwendig.“

Auch in den kommenden Wochen soll es im Freistaat – trotz hoher Infektionszahlen durch die Omikron-Welle– keine flächendeckenden Schließungen von Kitas und Schulen geben. Das hat die bayerische Staatsregierung immer wieder mit Nachdruck betont. Auch aus Sicht der Wissenschaftler ist diese Strategie sinnvoll. „Mit den entsprechenden Maßnahmen ist Schulunterricht auch in Zeiten der Pandemie möglich und sicher“, sagt Studienleiter Hübner.

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.01.2022

Schon der Duktus, Kinder als „Virenschleudern“ zu bezeichnen, disqualifiziert jede/n, der ihn gebraucht.
Das es sich dabei vorzugsweise um Mitglieder des Teams „panische Hysterie“ handelt, ist bezeichnend.

Auch der sich wiederholende Prozess:
1.1. Hysteriker stellen ein Weltuntergangsszenario in den Raum
1.2. Politiker beschließen auf Basis dieser Szenarien absurde Maßnahmen
1.3. Die Maßnahmen verursachen massive Schäden
1.4. Der Weltuntergang fällt aus, ohne das die Maßnahmenwirkung bewiesen werden kann
1.5. Es gibt Belege, dass die Szenarien in ihren Grundannahmen falsch waren
1.6. Die Hysteriker Zucken mit der Schulter „Hätte ja sein können“.
2.1. Die Hysteriker stellen völlig neuartige Mutationen fest, die aber jetzt ganz

Usw. Usw.

Bis die Schäden aus den Maßnahmen die Gesellschaft irreparabel deformiert haben

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21.01.2022

Ich weiß ja nicht zu welchem Team Sie gehören, aber wo hier die Hysterie sein soll, ist mir nicht klar. Der provokannte Begriff "Virenschleuder" stammt von der Journalistin nicht von den Forschern. Die Frage, ob Kinder Überträger von Covid sind, ist eine legitime Frage (finden mit Sicherheit die Eltern von Kindergartenkindern, die jede Erkältungswelle mitmachen müssen) und es ist doch schön zu erfahren, dass es nach der Studie keinen Hinweis dafür gibt, dass Kinder in besonderem Maße zur Verbreitung beitragen. Schön wäre es, wenn die Fraktionen "egoistisch" und "wissenschaftsfeindlich" endlich die Kinder und die Erwachsenen in Ruhe lassen würden - in Ruhe zur Normalität zurückkehren lassen. Aber nein, wir sind immer noch nicht weiter mit der Pandemiebekämpfung und müssen immer noch über Maßnahmen streiten, weil sich diese Fraktionen nicht impfen lassen. Das unsolidarische Verhalten der Impfverweigerer deformiert die Gesellschaft und treibt Blüten bis hin zur Ablehnung unserer demokratischen Ordnung.

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21.01.2022

Na denn bleibt zu hoffen, dass die "Fraktion Hysterisch" endlich unsere Kinder in Ruhe lässt!

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21.01.2022

Dann bleibt zu hoffen, dass diese Studie berücksichtigt wird und wir nicht auch noch "gezwungen" werden, unsere Kinder zu impfen.

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20.01.2022

Sind Kinder Virenschleudern? Nein, sonst wären wir alle schon tot.

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20.01.2022

Damit reiht sich, auch im internationalen Vergleich, eine weitere Studie ein, die Kinder nicht als Treiber der Pandemie sehen - auch wenn dieses Narrativ immer wieder mal gepflegt wurde, auch politisch.

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