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Diebstahl
23.11.2022

Gestohlener Goldschatz: Einbruch dauerte nur neun Minuten

Eine eingeschlagene Vitrinenscheibe wird vor Beginn einer Pressekonferenz der Polizei im Kelten-Römer-Museum gezeigt.
Foto: Peter Kneffel, dpa

Nur neun Minuten brauchten die Unbekannten, um Hunderte wertvolle Goldmünzen aus dem Manchinger Museum zu stehlen. Wer sie waren, ist am Tag danach völlig unklar - die Ermittler prüfen aber Zusammenhänge mit anderen spektakulären Museumsdiebstählen.

Der Einbruch in das Kelten Römer Museum in Manching, bei dem Hunderte wertvolle Münzen gestohlen wurden, hat nur neun Minuten gedauert. In der Nacht zum Dienstag sei um 1.26 Uhr eine Außentür aufgehebelt worden, sagte der Vizepräsident des Landeskriminalamts, Guido Limmer, am Mittwoch in Manching bei Ingolstadt. Dann hätten die Diebe die Münzen aus zwei Vitrinen entwendet und das Museum um 1.35 Uhr bereits wieder verlassen.

Wer die Täter sind, war am Mittwoch noch unklar. Die Ermittler prüfen auch Zusammenhänge mit dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden und dem Münzklau aus dem Bode-Museum in Berlin. Es gebe "Parallelen", sagte Limmer. Ob tatsächlich Verbindungen bestehen, sei aber noch völlig unklar, man stehe mit den Kollegen im Osten in Kontakt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Einbruch mit einer Sabotage an einer Betriebsstelle der Telekom in Manching zusammenhängen könnte, die kurz vor dem Diebstahl das Telefonnetz, das Internet und damit auch die Alarmanlage des Museums lahmgelegt hatte.

Als in der Nacht das Telefonnetz ausfiel, hatten die Ermittler zunächst befürchtet, Banken und Geldautomaten könnten das Ziel von Kriminellen werden. Dass diese aber wohl das Manchinger Museum im Visier hatten, sei erst klar geworden, als Museumsmitarbeiter den Einbruch am Dienstagvormittag bemerkten und die Polizei alarmierten. Zwischen der Betriebsstelle und dem Museum liegt den Angaben zufolge nur ungefähr ein Kilometer.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Kriminellen zunächst zwei Türen des Museums aufbrachen und sich danach an den beiden mit Sicherheitsglas geschützten Vitrinen zu schaffen machten und den insgesamt 3,724 Kilo schweren Goldschatz mitnahmen.

Eine 20-köpfige Sonderkommission wurde gebildet. Sie trägt den Namen einer keltischen Siedlung: "Oppidum". Ermittelt wird wegen schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung.

Laut dem Direktor der Archäologischen Sammlung München liegt der Handelswert der in Manching gestohlenen Goldmünzen bei rund 1,6 Millionen Euro. Man gehe von einem Verkaufspreis von 3000 bis 4000 Euro pro Münze aus, sagte Rupert Gebhard. Den reinen Materialwert des Goldes bezifferte Gebhard auf aktuell rund 250.000 Euro.

Sollten die Täter das Gold nach dem Einbruch und Diebstahl im Kelten Römer Museum in Manching einschmelzen, wäre dies ein "Totalverlust", sagte Gebhard. Für europäische Archäologen seien die 483 Münzen - der größte keltische Goldfund, der im vergangenen Jahrhundert bei regulären Grabungen auftauchte - ein "wirkliches Kleinod".

Kunstminister Markus Blume (CSU) bezeichnete den Diebstahl als einen Angriff auf das kulturelle Erbe Bayerns. Der Keltenschatz sei "von kulturhistorisch unschätzbarem Wert", sagte Blume der Deutschen Presse-Agentur. Ende der 90er Jahre sei er ein "Sensationsfund" gewesen, der einen Blick in das Leben der Menschen in Bayern vor mehr als 2000 Jahren möglich gemacht habe. "Es ist insofern auch eine Attacke auf unser kulturelles Erbe und auch auf den Kulturstaat", sagte Blume.

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