In der bayerischen Industrie sind die Erwartungen gedämpft, das Münchner Ifo-Institut sieht in der Autoindustrie sogar ein „drastisch“ verschlechtertes Geschäftsklima.Foto: Armin Weigel, dpa
Zuletzt hat es den Landshuter Schuhhändler Sutor getroffen, der Anfang Mai Insolvenz anmelden musste. Dort stehen rund 400 Arbeitsplätze im Feuer. Die gleichen Probleme hat der schwäbische Sägeblatt-Hersteller Eberle mit 250 Betroffenen. Geht Firmen das Geld aus, kann dies ganz individuelle Ursachen haben, häufen sich aber diese Fälle, ist es ein Indikator, dass es wirtschaftlich im Land nicht gut läuft. Regelrecht alarmiert ist die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Drei Fakten, wie es um die Wirtschaft im Freistaat steht.
1
Die Konjunkturerwartungen brechen ein
Zu Beginn des Jahres herrschte noch Zuversicht. „Die beiden Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur ließen positive Impulse erwarten“, erinnerte vbw-Präsident Wolfram Hatz bei der Vorstellung der Konjunkturzahlen. In der Industrie hatten die Aufträge 2025 um drei Prozent zugelegt, die Baugenehmigungen um zehn Prozent. Doch vom Optimismus ist seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs nicht viel geblieben: „Die bayerische Wirtschaft kommt nicht in Schwung“, sagte er. Erwartet werde dieses Jahr allenfalls „ein Miniwachstum“. Der bekannte vbw-„Weißbierindex“ zur Lage der bayerischen Wirtschaft verharrt auf nahezu identischem Niveau bei 87 Punkten. Zuletzt waren es 86 Punkte. Der Normalwert wäre 100, der Mittelwert seit der Einführung im Jahr 2004 liegt bei 110 Punkten.
Besondere Sorgen macht Hatz, dass es in der Industrie nicht rund läuft. Das Münchner Ifo-Institut beobachtete im April ebenfalls eine deutliche Eintrübung des Geschäftsklimas – vom verarbeitenden Gewerbe über den Bau, den Großhandel, den Einzelhandel bis hin zu den Dienstleistungen. In der chemischen Industrie habe sich das Geschäftsklima „erheblich“, in der Autoindustrie sogar „drastisch“ verschlechtert. Lichtblicke gibt es bei Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Geräten sowie dem Maschinenbau
vbw-Präsident Wolfram Hatz erwartet für dieses Jahr keine wirtschaftliche Erholung mehr.Foto: Sven Hoppe, dpa
2
Die Lieferketten stehen abermals unter Stress
Ein großes Problem für die bayerische Wirtschaft ist der Iran-Krieg mit der Blockade der Straße von Hormus. Wie in der Corona-Krise gerät Sand in das komplexe Getriebe globaler Warenströme. „Im Moment sind die Folgen des Iran-Kriegs im Wesentlichen kräftige Preissteigerungen – nicht nur bei Energie, sondern auch bei verschiedenen industriellen Grundstoffen, die in der Golfregion hergestellt werden“, sagte Hatz. Dazu zählen chemische Grundstoffe wie Naphta oder Methanol, Stickstoffdünger, Farbstoffe, Helium, Schwefel oder Aluminium. Stark abhängig von Öl und Gas aus der Golfregion ist auch Asien. Muss dort die Produktion eingeschränkt werden, könnten der deutschen Industrie wichtige Bauteile fehlen.
Hatz selbst spürt in seinem Unternehmen den gestörten Schiffsverkehr: Gussteile aus Indien müsse er per Luftfracht einfliegen, was rund achtmal so teuer und umweltschädlicher sei.
3
Bisherige Reformen der Koalition lassen die Wirtschaft kalt
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Wochen ihre Reform-Agenda abgesteckt. Neben einer Gesundheitsreform soll auch die Pflege, die Rente, das Energie- und Steuersystem geändert werden. Die bisherigen Entwürfe lassen die Wirtschaftsvertreter aus Bayern aber kalt: „Reformwille ist bei der Koalition ja durchaus erkennbar, aber bei der Umsetzung hakt es gewaltig“, sagte Hatz. Enttäuscht sei sein Verband vom Entwurf zur Gesundheitsreform: „Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und der Versicherungspflichtgrenze führt zu einer erheblichen Mehrbelastung von Arbeitgebern und Versicherten“, kritisiert er.
Als Bremsklotz nahm der vbw-Präsident die SPD wahr, die nicht mehr ausreichend für die Interessen der Arbeiter eintrete. „Aber mir ist ein mittelmäßiger Sozi immer noch lieber als ein guter oder schlechter AfDler“, fügte Hatz an.
Diskutieren Sie mit
XXX 0 Kommentare
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren