Weniger Auto fahren, weniger Sprit verbrauchen, weniger tanken müssen – wer will das nicht in Zeiten, in denen einem beim Blick auf die Tankstellen-Preistafel schon mal schwindelig werden kann? Doch auf das Auto zu verzichten, fällt schwer. Das ist nicht nur eine persönliche Sache, sondern vor allem eine praktische. 53 Kilometer macht der eigene Weg zur Arbeit aus – vom Dorf in Nordschwaben bis ins Industriegebiet am Augsburger Stadtrand. Die Frage, wie man da in diesen Zeiten aufs Auto verzichten soll, überfordert selbst Google Maps.
38 Minuten Fahrzeit mit dem Auto rechnet der Routenplaner brav vor – direkt auf die B2, kurz vor Augsburg auf die A8. Eine Alternative zum Auto kennt die App, zumindest für die erste Strecke zum Bahnhof, nicht. Kein Wunder, wenn man abseits jeder Zugverbindung lebt. Sucht man sich selbst Busfahrpläne und Zugverbindung zusammen, kommt man schon irgendwann am Arbeitsplatz in Augsburg an – genau gesagt eine Stunde und 57 Minuten später. Nach Hause aber geht es von 18 Uhr an gar nicht mehr.
Home-Office? Ist nur bedingt machbar. Natürlich sinnvoll: Spritpreise vergleichen
Einmal mehr droht eine Spritpreis-Krise vor allem die Bevölkerung auf dem Land abzuhängen. Denn es ist ja so: Dass der Liter Diesel zuletzt bis zu 70 Cent mehr kostete als noch vor Beginn des Iran-Kriegs, trifft jene am härtesten, die keine Alternative zum Auto haben: die Menschen, die weit weg von jedem Bahnhof oder einer regelmäßig verkehrenden Busanbindung auf dem flachen Land leben. Pendler, für die das Auto für die tägliche Wegstrecke zur Arbeit die einzige gangbare Möglichkeit ist. Auszubildende ebenso wie Menschen mit niedrigem Einkommen, bei denen die hohen Diesel- und Benzinpreise sehr viel stärker ins Gewicht fallen als bei Normal- und Gutverdienern.
Was also bleibt? Der oft bemühte Hinweis, so viel wie möglich im Home-Office zu arbeiten? Gut gemeint, aber eben nur bedingt machbar. Weder für eine Krankenpflegerin noch für eine Lehrerin oder einen Mitarbeiter im Verkauf ist Arbeiten von Zuhause aus eine Option. Sinnvoll: Spritpreise vergleichen und möglichst dann tanken, wenn Diesel und Benzin vergleichsweise günstig sind – also lieber am Vormittag als am Abend und nicht um 12 Uhr mittags, also zu der Zeit, zu der die Mineralölkonzerne nach der neuen Tankregel die Preise nur noch erhöhen dürfen. Und, natürlich, spritsparend fahren, unnötige Fahrten vermeiden. Für manche Strecken mag das E-Bike eine Alternative sein. Für andere, die es sich leisten können und wollen, lohnt sich jetzt womöglich die Investition in ein E-Auto.
Und doch muss jetzt noch mehr gehen in Sachen Mobilitätswende – in Zeiten, in denen Benzin und Diesel teuer sind wie nie, erst recht auf dem Land, wo die hohen Spritpreise eben umso mehr durchschlagen. Tatsächlich wurde über Jahre viel zu wenig für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs jenseits der Städte und Ballungszentren getan, siehe Busfahrplan. Doch richtig ist auch: Es reicht nicht, mehr Bushaltestellen zu installieren und dort mehr Busse halten zu lassen. Ein solches Angebot muss von den Bürgerinnen und Bürgern auch angenommen werden.
Was ist Gewohnheit, was schon Bequemlichkeit bei der Nutzung des eigenen Autos?
Man mag es Gewohnheit nennen oder auch Bequemlichkeit. Tatsache ist: Gerade auf dem Land ist das Auto selbstverständlich für die tagtäglichen Strecken. Man nutzt es – verständlicherweise – zum Lebensmittel- oder Getränkeeinkauf. Doch man fährt eben auch mit dem Pkw zum Semmeln holen, zum Sport – obwohl das genauso gut mit dem Fahrrad ginge. Oder man bringt die Kinder jeden Tag selbst zur Schule – obwohl genauso ein Bus verkehren würde.
Natürlich ist es einfach, über die viel zu hohen Spritpreise zu schimpfen, darüber, welche Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump mit entfachte Iran-Krieg für unseren Alltag hat. Schließlich gehören steigende Spritpreise zu den Dingen, die uns Deutsche ziemlich aufregen. Dass die Bundesregierung sich nun dazu durchgerungen hat, die Energiesteuer zu senken, ist ein richtiger Schritt – sofern die Entlastung denn komplett bei den Autofahrern ankommt. Trotzdem muss mehr passieren angesichts des Spritpreishochs – gerade auf dem Land. Es braucht die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu hinterfragen: Muss in diesen Zeiten wirklich für jede Strecke das Auto genutzt werden? Lohnt es sich nicht auch mal zu hinterfragen, wann genau der Bus im Ort hält und wie lange man damit in die Stadt braucht? Und warum sitzt meist nur eine Person im Auto, wenn man doch auch zusammen fahren könnte? Wann genau sind Fahrgemeinschaften, die über Jahrzehnte für den Weg zur Arbeit üblich waren, aus der Mode gekommen?
Tatsächlich aber winken die meisten nur genervt ab. Nach dem Motto: Wir sollen aufs Autofahren verzichten, weil der Sprit so teuer ist – wo kommen wir denn da hin? Nur: Damit machen wir es uns etwas zu einfach.
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