Einigung bei Wanzl: Statt 900 werden „nur“ 650 Stellen abgebaut
Leipheim
Statt 900 gehen „nur“ 650 Stellen verloren: Einigung über Jobabbau bei Wanzl
Der Einkaufswagen-Hersteller Wanzl schließt zwei seiner vier Werke. Jetzt sind die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen. Wie die Einigung aussieht.
Das Unternehmen Wanzl um Chef Peter Allaart will sich komplett neu aufstellen, rund 650 Stellen sollen abgebaut werden, um wieder wettbewerbsfähig zu sein.Foto: Bernhard Weizenegger/Wanzl
Dass die Entscheidung aus dem vergangenen Jahr bitter, aber richtig war, das zeigt sich aus Sicht von Peter Allaart, Chef des Unternehmens Wanzl aus Leipheim im Kreis Günzburg, besonders in diesen Tagen: „Die Endkunden spüren die Folgen des Iran-Kriegs und der neuen Ölkrise“, sagt er. „Und unsere Kunden - der Einzelhandel selbst - spüren dies auch.“ Wanzl ist ein weltweit führender Anbieter von Einkaufswagen, Ladeneinrichtung, Eingangsanlagen, Kühlung sowie Transportwagen und Logistiklösungen. Die ganze Branche stünde unter Druck. Zahlreiche Beschäftigte hatte es im Dezember 2025 wie ein Schock getroffen, als Wanzl bekannt gab, zwei seiner vier Werke in der Region schließen zu wollen. Bis zu 900 Stellen seien betroffen, hieß es damals. Jetzt liegt nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern die Einigung auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan vor. Die Tendenz: Die Einschnitte werden tief sein, aber nicht ganz so tief wie befürchtet.
Ergebnis der Verhandlungen ist, dass an den Standorten in Leipheim und in Kirchheim im Kreis Unterallgäu bis 2030 rund 650 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Darüber sind die Beschäftigten am Mittwoch in mehreren Schichten informiert worden. Zwei der drei Werke in Leipheim sollen bis 2030 schließen. Die deutschen Fertigungs- und Montagestandorte sollen in Kirchheim und im verbleibenden Werk 4 in Leipheim gebündelt werden. „Es wird ein stärkerer Wanzl, mit einer kleineren Eigenfertigung“, sagte Allaart unserer Redaktion. Am Ende soll das Traditionsunternehmen in der Region noch rund 1500 Beschäftigte haben. Ausgebildet wird weiterhin.
Das Unternehmen Wanzl will sich komplett neu aufstellen, rund 650 Stellen sollen abgebaut werden, um wieder wettbewerbsfähig zu sein.Foto: Bernhard Weizenegger
Stellenabbau bei Wanzl soll größtenteils 2027 beginnen
Die Personalanpassungen sollen über natürliche Fluktuation und das Auslaufen befristeter Verträge, reguläre Renteneintritte und Altersteilzeit sowie Versetzungen zwischen den Werken umgesetzt werden. „Betriebsbedingte Kündigungen lassen sich nicht ausschließen, auch wenn wir darauf so weit wie möglich verzichten wollen“, sagte Allaart. Der Stellenabbau soll größtenteils ab 2027 beginnen.
Kommt es zu betriebsbedingten Kündigungen, sieht der Sozialplan Abfindungen vor. Übliche Kriterien der Sozialauswahl sind Alter und Betriebszugehörigkeit, unterhaltspflichtige Kinder, Schwerbehinderung oder der Status als Alleinerziehende. Für Beschäftigte, die den Standort wechseln, seien unter anderem Umzugsgelder und Fahrtkostenzuschüsse vereinbart worden. Dass die Einschnitte nicht ganz so tief sind wie im Dezember angekündigt, ist Ergebnis der Gespräche mit der Arbeitnehmerseite, sagte Allaart.
Peter Allaart, CEO: „Schaffen das modernste Einkaufswagenwerk der Welt“
Das Unternehmen erhofft sich Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr. „Diese werden aber nicht allein durch geringere Personalkosten, sondern auch durch verbesserte Abläufe in der Logistik, zum Beispiel durch automatisierte Lagertechnik, weniger Transporte zwischen den Werken und automatisierte Transportabläufe in den Fabriken, erzielt werden“, sagte Allaart. Ziel des Umbaus sei es, in Leipheim das modernste Einkaufswagenwerk der Welt zu schaffen und das Werk in Kirchheim zu modernisieren.
„Mit den vereinbarten Maßnahmen richten wir unsere über Jahrzehnte gewachsene Aufstellung in Fertigung und Montage neu aus“, sagte Allaart. „Durch modernste Logistikprozesse, Automatisierung und hocheffiziente Abläufe werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern.“ Bei Wanzl war vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offenbar bewusst, dass sich etwas ändern muss. Die Fertigung über die Standorte hinweg galt als nicht mehr zeitgemäß.
Viele Teile müssen von Werk zu Werk transportiert werden. Bisher hat Wanzl auch alle Teile der Einkaufswagen in Eigenregie gebaut. Künftig will man überlegen, ob einfache Komponenten zugekauft werden können. Wanzl als Marktführer habe das Ziel, seinen Kunden - den Supermärkten - wettbewerbsfähige Preise anbieten zu können.
„Harte, aber konstruktive Verhandlungen“: Wanzl-Chef Peter Allaart.Foto: Wanzl
Darüber hinaus will das Unternehmen sein Produktportfolio klarer ausrichten. Von einigen speziellen Produktbereichen hat sich Wanzl kürzlich getrennt. DerBereich für Eingangsanlagen und Bezahlterminals in Fitnessstudios, Sportanlagen und Bürogebäuden sowie zur Fahrgaststeuerung unter anderem an Flughäfen wurde von einem Mitarbeiter im Rahmen eines Management-Buy-Outs übernommen.
In Leipheim fallen 520 Stellen weg, in Kirchheim 130
Konkret sehen die Pläne vor, am Standort Leipheim bis 2030 rund 520 Stellen abzubauen. Danach sollen 1050 Beschäftigte im Werk 4 in der Produktion und in der Verwaltung arbeiten. Das Werk 4 soll alle Fertigungsschritte für Einkaufswagen sowie einen Teil des Bereichs Eingangsanlagen bündeln. Die Werke 1 und 2 in Leipheim werden bis 2030 geschlossen.
In Kirchheim will Wanzl rund 130 Stellen abbauen, dort sollen ab 2030 rund 450 Beschäftigte arbeiten. Kirchheim konzentriert sich auf Regale für die Warenpräsentation und ebenfalls Eingangslagen. Investiert wird in automatisierte Lagertechnik, um die Wettbewerbsfähigkeit des Werks zu verbessern. Die Automatisierung des Lagers will Wanzl recht rasch angehen. Die Vorbereitungen seien weit gediehen.
Die zur Gruppe gehörende Mouldtec Kunststoff GmbH in Kaufbeuren ist nicht betroffen.
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