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Interview
19.01.2022

Angriff auf Journalisten bei Corona-Demo: "Die Lage verschärft sich"

Michael Busch ist seit 2013 Vorsitzender des Journalistenverbands.
Foto: BJV, Thomas Geiger

Körperliche Gewalt, Drohungen auf Telegram: Michael Busch vom Journalistenverband beschreibt, warum die Arbeit von Reportern gefährlicher wird und was die Angreifer antreibt.

Herr Busch, Sie sind ganz nah dran an den Journalistinnen und Journalisten in Bayern. Reporter unserer Redaktion wurden von Corona-"Spaziergängern" jetzt körperlich und verbal attackiert. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation in Bayern?

Michael Busch: Die Lage verschärft sich. Wir beobachten, dass sich die Situation für Berichterstatterinnen und Berichterstatter negativ verändert hat und dass leider immer mehr von ihnen zum Ziel von Angriffen durch Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Demonstrationen werden - vor allem bei den so genannten Montagsdemonstrationen, Pegida, et cetera. In Zeiten der Corona-Pandemie ist es bei den "Querdenker"-Aufmärschen immer wieder zu Übergriffen auf Journalistinnen und Journalisten gekommen.

Wer ist Ihres Wissens nach dafür verantwortlich?

Busch: Nach meiner subjektiven Wahrnehmung sind es vor allem gewalttätige Personen aus dem rechtsextremen Spektrum, die Kolleginnen und Kollegen verbal, aber auch körperlich angreifen. Auch das ist kein neues Phänomen – die Gewaltbereitschaft gegenüber Pressevertreterinnen und -vertretern war schon in der Vergangenheit zu beobachten. Allerdings ist inzwischen die Organisation und die „Vermarktung“ dieser Aktivitäten systematischer geworden. In einschlägigen Telegram-Kanälen werden ständig Drohungen auch gegen Journalistinnen und Journalisten ausgesprochen, Adressen werden gesammelt. Als wäre das nicht schlimm genug, ist auch ein Fehlverhalten einzelner Ordnungskräfte und Polizisten zu beobachten. Sie schikanieren Journalistinnen und Journalisten, vor allem auch Pressefotografen und halten sie von einer Berichterstattung ab, indem sie etwa ihre Daten aufnehmen statt ihrer Aufgabe nachzukommen, die Ausübung der Pressefreiheit zu gewährleisten. Das ist nicht akzeptabel.

Überall in Deutschland wird - wie hier in Augsburg - immer wieder gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung protestiert.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Was bedeuten Übergriffe wie in Landsberg mit Blick auf die Stimmung gegenüber der Presse im Land?

Lesen Sie dazu auch

Busch: Es wird durch die Aggressoren versucht, Journalistinnen, Journalisten und die Medien im Allgemeinen als Feindbild aufzubauen. Die verbalen Begleiterscheinungen zeigen eine deutliche Sprache. Wieviel Angst müssen Menschen, die Pressevertreterinnen und -vertreter angreifen, vor einer freien Presse haben, wenn sie zu solchen Mitteln greifen? Zum Glück lassen sich die meisten Kolleginnen und Kollegen nicht einschüchtern und nehmen ihre Aufgabe dennoch wahr, als neutrale Beobachter des Geschehens zu berichten.

Haben Sie Indizien, dass Übergriffe und Anfeindungen gegenüber Journalistinnen und Journalisten in Zeiten der Corona-Proteste zugenommen haben? Gibt es dazu Zahlen oder vielleicht einfach Rückmeldungen von Ihren Mitgliedern?

Busch: Es gibt meines Erachtens noch keine gefestigten Zahlen, es sind subjektive Wahrnehmungen. Auf Twitter und anderen Kanälen nehmen die Meldungen von Kolleginnen und Kollegen zu, die bei der Ausübung ihrer Arbeit behindert oder gar angegriffen worden sind. Im Einzelfall wird man wohl auf die Einsatzstatistiken der Behörden warten müssen, um ein gesicherteres Bild zu haben.

Zur Person: Michael Busch ist seit 2013 Vorsitzender des Bayerischen Journalistenverbands und Redakteur beim Fränkischen Tag.

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19.01.2022

Ich glaube, wir alle hier sind uns einig, dass körperliche Angriffe in der geschilderten Art ein absolutes NoGo in unserer Gesellschaft sein müssen. Niemand darf einem Anderen körperlich oder durch beleidigende Worte Schaden zufügen.
Aber ich fühle mich hier genötigt, etwas zur Erklärung für den Unmut Einzelner gegenüber der Medien (nicht als Rechtfertigung von o. g. Aktionen) beizutragen.

Seit Februar/März 2021 stelle ich eine Veränderung der Berichterstattungen fest:
-Einschränkungen der Grundrechte wären vorher niemals so unwidersprochen hingenommen worden
-plötzlich wurden nur noch Experten, die die einschlägige Meinung vertraten, zitiert. Die anderen, wenn überhaupt erwähnt, oftmals in schlechtes Licht gerückt.
-als sich die Lager teilten, wurden flugs Bezeichnungen wie Schwurbler, Covidioten u. ä. kreiert und gebetsmühlenartig fast täglich wiederholt, auch für Menschen, die versuchten, das Ganze nicht so schwarz zu sehen
-Von Demonstrationen wurden ausschließlich die Rechtsradikalen abgebildet, obwohl damals schon bekannt war, dass die sich da nur angehängt hatten, um mehr Publicity zu erhalten.
-auch jetzt noch wird nur das Negative einer fast immer friedlich verlaufenden Demo herausgekehrt,
-Prominente, die versuchten, ihren (nicht konformen) Standpunkt zu erläutern, ins Lächerliche gezogen
-wie lange hatte man den Fußballer Kimmich verunglimpft dafür, dass er seine Meinung vertrat
-bis heute werden nur negative Zahlen (Rekord-Inzidenzwerte etc, )ganz oben plaziert, Nachrichten der Entspannung(wie z. Zt. in den Krankenhäusern liest man nur vereinzelt.
-der schlimmste der Zeigefinger (unser Gesundheitminister) darf sogar von Talkshow zu Talkshow tingeln anstatt seine Arbeit zu tun
(früher hätte man den zerrissen)

Dies alles wird heute ohne Hinterfragen von den Medien geduldet und publiziert. So etwas ist in der freien Welt für mich beispiellos.
Und dies sorgt für Unruhe im mündigen Teil der Gesellschaft und ist mit die Ursache dafür, dass Einzelnen dann unglücklicherweise die Sicherungen durchbrennen

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20.01.2022

"Vielfalt: Bei den in der Berichterstattung erwähnten Akteu-
ren zeigt sich eine starke Konzentration auf Politiker und
mit einigem Abstand Ärzte und Wissenschaftler, während
von der Infektion Betroffene und auch so genannte Corona-
Skeptiker kaum vorkamen."
https://rudolf-augstein-stiftung.de/wp-content/uploads/2021/11/Studie-einseitig-unkritisch-regierungsnah-reinemann-rudolf-augstein-stiftung.pdf

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19.01.2022

Das "Gesindel" unten steht noch unbeanstandet da - da spricht niemand von Menschenfeindlichkeit und Hetze...(Hinweis der Moderation: Es wurde nun editiert. Bitte melden Sie ggf einfach Beiträge, da uns auch mal etwas entgehen kann. Danke!)


Nach der heutigen Entscheidung des bay. Verwaltungsgerichtshofes

https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/einkauf-2g-regel-im-handel-faellt-was-bedeutet-das-im-geschaeft-id61541121.html

kann man rückblickend mal Journalisten suchen, welche die nun ausgesetzte Regel kritisiert haben. Die Masse kritisiert vielleicht Herrn Söder weil er nach den Weihnachtsfeiern irgendwelche Lockerungsgedanken hat - aber ich finde in den "seriösen" Medien kaum ein Infragestellen der nun gerichtlich gestoppten Maßnahmen.

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19.01.2022

In einem Kommentar wurde geschrieben : "Gesindel von Impfgegnern". Es gibt mit Sicherheit Leute die sich tatsächlich Sorgen über eine Impfung machen auch ohne gesundheitlichen Bedenken, dazu gehören auch Menschen die Panik vor Spritzen haben, die zu Anfang nicht richtig aufgeklärt wurden usw. Diese alle mit Bill Gates Phobikern und Rechten und über einen Kamm zu scheren zeugt von echter Toleranz.

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19.01.2022

Da bin ich grundsätzlich bei Ihnen. Umgekehrt sind "Lügenpresse", "Schlafschafe" und "Mainstreamlinge" auch keine wertschätzenden Bezeichnungen. Und die bekomme ich nicht selten von Corona-Maßnahmen-Gegnern zu hören. Genau so wie Zahlen und Daten mit der Absender-Adresse FB, Telegram & Co. Oder es werden Zahlen völlig aus dem Zusammenhang gerissen und "quergedacht". So gilt vielen die infizierten Geimpften als Beleg dafür, dass das Vakzin nicht wirkt. Nur wird unterschlagen, dass mittlerweile deutlich mehr als 60 Mio. Menschen geimpft sind (von der Zielgruppe, vollständig), während die Zahl der Ungeimpften weitaus geringer ist. Ja, es kommt leider zu Impfdurchbrüchen - aber man darf Krankheitsverlauf und etwaige Folgeschäden nicht unberücksichtigt lassen.

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19.01.2022

Herr Thomas T schreibt :

"Wenn sich Menschen verstanden, erhört und vertreten fühlen, demonstrieren sie erst gar nicht. Dann können auch keine Medienvertreter eingekesselt werden."


Man könnte aber auch von diesen Menschen erwarten , daß sie auch einmal ihren Kopf einschalten und etwas kapieren (wollen) :

Nämlich :

- daß Covid-19 eben nicht "regierungsseitig erfunden wurde" - um hier eine schattenhafte Diktatur einzuführen

- daß die Masken nicht ausgedacht wurden , um die Menschen mundtot zu machen und "am Sprechen zu hindern"

- daß die GRechte wie die Freiheit der Entfaltung der Persönlichkeit oder die Berufsfreiheit im Rahmen der Verfassung beschränkt sind und nicht , um hier eine Diktatur einzuführen ( in Rußland ist das anders , hier aber eben nicht !);

- daß es sich um eine weltweite "Große Pandemie" handelt , die sich in diesen Ausmaß zuletzt 1917 - 1919 ähnlich ereignet hatte

- daß die Impfpflicht allein die Möglichkeit ist , die Pandemie zu durchbrechen


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19.01.2022

"daß die Impfpflicht allein die Möglichkeit ist , die Pandemie zu durchbrechen"

Mit Verlaub, so ein Quatsch!
Israel mit teilweise bereits der 4.Impfung meldet einen neuen Höchststand von 71.000 Neuinfektionen...und in vielen anderen Lädern mit hoher Impfquote läufts ebenso...wenn wir Glück haben, beendet Omikron die Pandemie!!

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19.01.2022

@MARTA D
Die jetzigen mRNA-Impfstoffe wirken nicht so wie gewünscht, aber es gibt Lieferverträge. Die verantwortlichen Politiker pinkeln sich doch nicht selber ans Bein. Sehen Sie sich doch mal die hohe Impfquote z.B von Bremen an und jetzt haben Sie eine Inzidenz jenseits von Gut und Böse.

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19.01.2022

Ich bin mir sicher - Gewalt wird auf der Straße von niemandem toleriert. Das sollte demokratischer Grundkonsens sein.

Aber was, wenn Medien nur einen Teil der auf der Straße stattfindenden Gewalt aufnehmen? Unsere Verfassung wurde mit der Grundüberzeugung niedergeschrieben, die Bürger vor Übergriffigkeit des Staates zu schützen. Es ist der aus gutem Grund mit dem Gewaltmonopol ausgestattete Staat, den die Verfassung und die Rechtsordnung zum Schutz der Bevölkerung einhegen soll.

Nun leben wir aber in einer Zeit, in der der Staat zunehmend einnehmend wird. Immer mehr Aufgaben sieht der Staat als einzig durch ihn zu erledigend und ermächtigt sich bei deren Umsetzung dann weitestgehend selbst. Die Sicherheitsorgane, wie die Polizei sind, da Weisungsgebunden, dann der verlängerte Arm der Behörden.
Nun gibt es in solchen Fällen die „vierte Gewalt“, die schnell und konsequent Gegensteuern geben kann. Über die Macht der Bilder sollte sich spätestens seit 2015, als Frau Merkel keine Anlass zu „unguten“ geben wollte, jeder im Klaren sein.
Gleichzeitig geraten die nichtstaatlichen Medien finanziell zunehmend in staatliche Abhängigkeit. Die klassischen Erlöse brechen weg, kostenpflichtige Anzeigen von Institutionen können lindern. Teilweise werden direkte staatliche Subventionen eingefordert. Der Staat ziert sich noch. Aber Siege Oben - da wäre die nächste Aufgabe, der er sich annehmen könnte.

In der COVID-Pandemie verrutscht der Politik zunehmend die Sprache. Mediale Kritik hat das nur in geringem Umfang ausgelöst. Unser neuer Bundeskanzler steckt knietief im WIRE-Card-Sumpf. Hört man etwas. Über die Demonstrationen von FFF wird ausgiebig und weithin kritiklos berichtet. Die Einhaltung der Regeln hätte z.B. dazu führen müssen, dass jedem die Fehltage als unentschuldigt ins Zeugnis hätten geschrieben werden müssen. Damals waren Regeln aber störend. Ihr „kreatives Umgehen“ wurde auch medial gefeiert.

In der Corona-Krise fordern nun auch die Medien in breiter Front eine 100%ge Einhaltung von Regeln, die ein, in diesem Fall in meinen Augen völlig übergriffigen Staat kurzfristig erlässt. Es war Allgemeinzustand kritische Demonstrationen zu verbieten, da ja Verstöße gegen die Maskenpflicht zu erwarten wären. Spätestens hier hätten der Demokratie verbundene Medien hellhörig werden müssen. Aber die beteiligten sich an der verbalen Jagd auf Ungeimpfte. Im Dänemark entschuldigte sich gerade die erste Zeitung dafür bei ihren Lesern.
Allgemeinverfügungen, wie die des Landrates für Landsberg, werden zunehmend von Gerichten kassiert, weil sie die Verhältnissmässigkeit der Abwägung zwischen Infektionsschutz und Grundrechten nicht ein gewähren. Der Landrat handelte übergriffig und damit gewalttätig. Gab es dazu mediale Kritik? Nein.
Die Bürger, die sich mit den Verboten staatlicher Gewalt ausgesetzt sahen, handelten auch hier in der Umgehung der Regeln kreativ. Jetzt kommt die Polizei ins Spiel und kesselt diese Demonstraten ein. Wieder Gewalt gegen die, die sich bereits Gewalt gegenüber sahen. Mediale Kritik? Fehlanzeige.
Nun ist offensichtlich einigen von denen, die von Behörden und Medien in verbal und körperlich in die Ecke getrieben wurden, in Landsberg die Sicherung durchgebrannt. Das war falsch. One Zweifel. Es ist auch nicht zu entschuldigen. Aber es ist zu erklären.

Das sich Medien, die AA ist da ja nicht allein, seit Wochen in eine bequeme Opferrolle hinein begeben, ist auch erklärlich. Es ist bequem. Es ist aber falsch, weil es den Konflikt nicht lösen hilft.

Ich bin da eher bei der Augsburger Bürgermeisterin, die verbale Abrüstung und mehr Güterabwägung einfordert. Am Montag verlief der Abend in der Augsburger Innenstadt viel ruhiger als vor einer Woche. Es ist ein Unterschied, ob Menschen demonstrieren dürfen, oder von einem unangemessen großen Polizeiaufgebot eingekesselt werden.
Wenn sich Menschen verstanden, erhört und vertreten fühlen, demonstrieren sie erst gar nicht. Dann können auch keine Medienvertreter eingekesselt werden. Medien sind aufgerufen, hier vermittelnd tätig zu werden. In dem sie in der Masse diese Demonstranten als depperten gewalttätigen Bodensatz darstellen, werden sie aber als Teil des übergriffigen Staates wahrgenommen.

Es wäre also Zeit zum medialen Innehalten, Nachdenken und Selbstkritik. Nicht zur Selbstbeweihräucherung mit Medien-Lobyisten.

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19.01.2022

Das aber schon reichlich verquer, wie Sie hier Täter- und Opferrollen vertauschen, nicht?

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19.01.2022

Sehr geehrter Herr Robert M.

Nein, dass meine ich nicht.
Ich meine, dass wir alle zusammen fortschreitende Opfer einer zunehmend dysfunktionalen Gesellschaft werden, die wir alle zusammen als Täter gestalten.

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19.01.2022

Herr Thomas T.,
wenn ich den Begriff " dysfunktional " im Zusammenhang mit Politik " google ", dann springen mir
hauptsächlich Aussagen von AfD Politikern ins Auge.
Sie behaupten sicher, dass das reiner Zufall ist?

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19.01.2022

Es kann doch nicht sein, dass dieses (edit/mod/NUB 7.3/bitte sachlich argumentieren) mpfgegnern und Rechtsradikalen unseren Journalisten, Polizistinnen und Polizisten immer gewalttätiger gegenübertreten. Diese Verbrechen gegen die Vertreter der öffentlichen Ordnung gehören angezeigt, vor Gericht
und hart bestraft.

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19.01.2022

Sie haben Journalistinnen vergessen :-) :-)

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